Gunter Dueck im Gespräch mit WebMagazin: von Haifischbecken und dem Kampf der alten Kultur
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Welche technischen Neuerungen wird der menschliche Wissenstrieb in Zukunft hervorbringen? Warum sind Menschen überhaupt kreativ und wie bewahrt man sich die kindliche Neugier? Das waren die Themen der Curiosity 2013 am vergangenen Donnerstag in Offenbach.

Am Rande der Veranstaltung trafen wir Gunter Dueck, seines Zeichens Philosoph, Mathematiker und ehemaliger Technischer Geschäftsführer bei IBM-Deutschland. Wir haben ihn nach seiner Meinung zur aktuellen Internet-Landschaft gefragt:

WebMagazin: Auf der Curiosity 2013 ging es um die schöpferische Kraft der menschlichen Neugier. Wenn man sich das heutige Internet so ansieht, scheint nichts zu fehlen: Google, Facebook, Amazon und kleine schicke Geräte von Apple und Co., mit denen wir mobil surfen. Warum lehnen wir uns nicht zurück, sondern suchen immer weiter nach Dingen, von denen wir noch gar nicht wissen, dass wir sie brauchen?

Gunter Dueck: Na, selbstfahrende Autos brauchen wir noch, und zwar nur noch Taxis, dann brauchen wir nur so 20 Prozent der Autos von heute! Oder 3D-Drucken, Bio-Printing… das Internet hat den Papiertext ins Netz gebracht, aber technisch gesehen ist noch so sehr viel mehr möglich.

WebMagazin: Heute wird im Bundestag über das Leistungsschutzrecht für Presseverlage im Internet abgestimmt [das Interview fand vergangenen Donnerstag statt, die Red.]. Die Gegner des Gesetzes befürchten, dass das Internet durch die fortschreitende Monetarisierung von Web-Inhalten immer mehr eingezäunt wird und sehen die freie Infrastruktur in Gefahr. Wie sehen Sie das?

Gunter Dueck: Das ist keine Frage der Gerechtigkeit, es ist Kampf der alten Kultur, die das Internet verpasst hat, mit der neuen Kultur, die ein bisschen arglos oder kämpferisch absichtlich „Freiheit“ mit „Kostenlosigkeit“ zusammenrührt. Wir brauchen Gesetze, die in etwa sagen, dass grobe Abweichungen vom gesunden Menschenverstand verboten sind. Die polare Diskussion weicht zu sehr von dieser Linie ab.

WebMagazinWir sind ständig auf der Suche nach dem Next Big Thing – schneller, kleiner, leistungsfähiger. Im Unterschied zu früher erwarten Konsumenten mittlerweile jedes Jahr neue technologische Quantensprünge. Können Apple und Co. dem überhaupt noch nachkommen oder muss zwangsweise bald ein Umdenken stattfinden?

Gunter Dueck: Jetzt widersprechen Sie sich aber! Sie sagten eben, wir könnten zufrieden sein, es sei alles da. Wir nehmen doch immer nur dankbar, manchmal begeistert, all das, was neu kommt. Das Next Big Thing suchen die Goldgräber, die die nächsten Milliarden machen wollen – wir doch nicht? Es zeigt sich, dass immer das nächste Big Thing die vorige Generation alt aussehen lässt. Erst stöhnt IBM, dass es PCs gibt, dann wundert sich die ganze PC-Riege (Dell, HP, Intel, MS), dass es plötzlich nur um Smartphones geht, demnächst tippe ich mal, dass vielleicht Samsung alle Elektrogeräte mit kleinem Bildschirm und Android liefert, dann ist alles im Netz. Es sieht ein bisschen wie gigantische Verschwendung aus, dass die alten Firmenimperien so schnell wieder darniedergehen können, wenn sie nicht höllisch aufpassen. Zu sehr Haifischbecken, oder?

WebMagazin: Herr Dueck, vielen Dank für das Gespräch!

Bildquelle: cc, by Dirk Haeger

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