Hat OS X Yosemite ein Privatsphäre-Problem?
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Es ist noch nicht lange her, da wurde mit viel Applaus das lang erwartete OS X Yosemite eingeführt, die neueste Version von Apples Betriebssystem. Sie ist auch für Nutzer von älteren Macs als kostenloses Update verfügbar. Schon jetzt stellt sich jedoch heraus, dass die Neuerung nicht nur Grund für Begeisterung ist. So hat Apple scheinbar angefangen, automatisch Informationen über den Standort des Mac-Nutzers zu sammeln. Ob dies jedoch im Einzelfall problematisch – also tatsächlich individuell nachverfolgbar – ist, darüber streiten sich die Gemüter. 

Apple sammelt Informationen über die Spotlight-Funktion

Sobald OS X Yosemite installiert ist und Nutzer über die Spotlight-Funktion nach Dateien suchen, so die Washington Post, werden Standort, Session IDs und Suchbegriffe automatisch an das Unternehmen gesendet. Dies gilt übrigens gleichermaßen für die aktuelle Version des mobilen Betriebssystems iOS 8. Ein Pop-Up-Fenster informiert zwar über die Änderung, dennoch ist es für Nutzer schwer ersichtlich, welche Informationen genau weitergeleitet werden und wie sich dies verhindern lässt.

Dateienaustausch über die iCloud anfällig für Hacker-Angriffe

Da Cloud-basierter Dateienaustausch ohnehin anfälliger für Hacker-Angriffe ist und demnach eine Bedrohung der Privatsphäre darstellen kann, trifft die Änderung unter OS X Yosemite eine momentan empfindliche Stelle. Zuletzt wurden private Fotos von Prominenten aus der iCloud abgegriffen und veröffentlicht.

Apple verteidigt sich: Tracking sei nicht möglich

In einem Statement setzte sich Apple am Montag den Anschuldigungen zur Wehr. Das Sammeln der Daten folge lediglich dem Ziel, die Qualität der Suchfunktion durch Spotlight zu verbessern. Die Session ID, die an Apple gesendet wird, werde alle 15 Minuten geändert. Auf diese Art ist ein Tracking des Nutzers fast nicht möglich. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die Spotlight-Vorschläge gänzlich zu deaktivieren und dem Senden der Daten dadurch zu entgehen.

Standort entgegen Apples Behauptungen genau identifizierbar

Trotz dieser tröstlichen Worte bleibt die Frage, inwieweit einem Unternehmen von Apples Dimensionen Glauben zu schenken ist. Obwohl der Mac-Hersteller behauptet, immer nur einen ungenauen Radius, statt eines aussagekräftigen Standortes zu senden, ergab ein Test der Washington Post ein gegenteiliges Ergebnis. Der Aufenthaltsort eines Nutzers kann demnach auf ein einzelnes Gebäude eingegrenzt werden.

Keine Warnung mehr, wenn das Betriebssystem den Standort übermittelt

Außerdem hat bisher Apple eine Benachrichtigung gesendet, wenn Informationen über den Standort verwendet werden. Dies wurde durch das Erscheinen eines kleinen Pfeils in der Menüleiste gekennzeichnet. Doch nun wird keine Warnung mehr gesendet, wenn das Betriebsystem selber den Standort übermittelt, wie es Spotlight jetzt tut: zu viele Benachrichtigungen würden den Nutzer desensibilisieren.

Obwohl Apple in diesem Fall kein direkter Angriff auf die Privatsphäre der Nutzer nachgewiesen werden kann, zeigt die Spotlight-Suche, dass der Nutzer sensibel dafür sein sollte, welche Funktionen und Zugriffe er erlauben soll und welche lieber deaktiviert werden sollten.

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