Hot or not? Schnelles Date per Tinder-App
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Online-Dating ist für viele ein absolutes No-Go. Nur wenige geben stolz zu, sich über friendscout24.de oder elitepartner.de gefunden zu haben. Stattdessen hat man „sich im Supermarkt vor der Wursttheke kennengelernt“ oder es war einfach „Liebe auf den ersten Blick in der U-Bahn“. Die Suche nach der großen Liebe im Internet wird oftmals älteren, langweiligen und einsamen Menschen zugeschustert. Max Mustermann kümmert sich in seiner Freizeit gerne um die Gartenpflege und sucht eine Lebenspartnerin mit der er alt werden kann. Gesucht, gefunden: eine liebevolle Katzenliebhaberin meldet sich bei Max und die Romanze beginnt.

Die Vorstellung eine Beziehung auf diese Art und Weise zu beginnen, löst wohl bei den wenigsten große Begeisterung aus. Und das hauptsächlich wegen der Frage: Bin ich so verzweifelt, dass ich ins Internet gehen muss, um jemanden zu finden? Und wen soll ich dort überhaupt finden, wer ist denn so verzweifelt ins Internet zu gehen, um dort jemanden zu finden?

Mit der Zeit scheint Online-Dating allerdings immer salonfähiger zu werden. Es stellt sich heraus, notwendig dafür war nur ein etwas anderes Image. Und so erfreut sich die neue Dating-App Tinder wachsender Beliebtheit. Gelauncht wurde Tinder im September 2012 in den USA. War sie zunäcshte nur für iOS erhältlich, gibt es jetzt auch eine Android-Version. Nach nur einem Jahr wird sie derzeit täglich 10.000 – bis 20.000-mal heruntergeladen, und jeden Tag nutzen sie ungefähr zwei Millionen User.

Was diese App so anders macht, habe ich mir mal genauer angeschaut. Beim Öffnen möchte die Anwendung das, was ich nur ungern hergebe: eine Verbindung mit Facebook. Na gut, okay. Es kann losgehen und schnell wird klar: man verliert hier keine Zeit.

Tinder

(Screenshot: iOS-App Tinder)

Das eigene Profil wird automatisch aus meinen Facebook-Angaben und -Profilbildern generiert und direkt scannt Tinder nach Nutzern in meiner Nähe. Kurz darauf erscheint schon die erste potenzielle Bekanntschaft. Lediglich dessen Facebook-Profilbild, Name und Alter werden angezeigt. Möchte ich mehr erfahren, kann ich noch ein paar weitere Profilbilder ansehen, gemeinsame Freunde und Interessen abrufen.

Ansonsten bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: den Menschen „liken“ oder eben nicht. Und das geht ausgesprochen einfach: Schiebe ich das Bild links aus dem Bildausschnitt heraus, wird dieses rot mit „NOPE“ gestempelt, schiebe ich es nach links, dann grün mit „LIKED“. Und schwupps, schon erscheint der nächste Kandidat. Innerhalb von einer Minute habe ich mich durch gefühlte 50 Nutzer durchgeschoben. Und jetzt? Kontakt aufnehmen können nur zwei Tinder-User, die sich gegenseitig liken. Was aus dem Kontakt wird, bleibt jedem selbst überlassen.

Tinder Match

(Screenshot: iOS-App Tinder)

Ich bin mir nicht wirklich sicher wie diese Art des Datens mir gefällt. Ganz einfach aus dem Grund, dass ich mehr das Gefühl hatte, ein Spiel zu spielen. Ein schöner Zeitvertreib. Wie Angrybirds. Ich kann mir gut vorstellen, an der Bushaltestelle gegen die Langeweile ein bisschen Tinder zu spielen. Andere ganz oberflächlich zu beurteilen, ohne ihnen dabei ins Gesicht schauen zu müssen, und zwar unter dem schützenden Schirm des Internets. Wen mag ich, wer mag mich? Und wenn ich jemanden like, der mich nicht liked, dann wird er von meiner einseitigen Zuneigung nie erfahren. Wie praktisch. Kein Gesichtsverlust.

Ich muss an dieser Stelle warnen: Egal ob man es mit der Suche nach Liebe ernst meint oder nicht: Tinder hat einen gewissen Suchtfaktor. Nichts zu tun? Mal eben schnell gucken, wem ich so gefalle. Und ich wage zu unterstellen, dass die meisten Nutzer es mit dieser Dating-App wohl ähnlich „ernst“ meinen.

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