iBeacon – Apples Geheimwaffe für Location-Based-Marketing und Mobile Payment
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Bisher fristet iBeacon, Apples Software für die genaue Standort-Bestimmung auf kurzer Distanz, ein Schattendasein. Eigentlich ziemlich ungewöhnlich für ein Apple-Produkt. Dabei besitzt das Bluetooth-basierte iBeacon das Potenzial, den Konkurrenten NFC obsolet zu machen. Dieser Meinung ist jedenfalls Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company und Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW).

Apple hatte iBeacon bereits im Juni auf dem WWDC vorgestellt. Die Technologie nutzt den Bluetooth-Low-Energy Standard (BLE) und ist somit sowohl in iOS 7 als auch für Android ab Version 4.3 einsetzbar. So könnten theoretisch schon jetzt Millionen von Smartphone-Besitzern über eine aktivierte Bluetooth-Schnittstelle und eine iBeacon-fähige App Verbindung zu Bluetooth-Modulen, sogenannten Beacons, aufnehmen. Diese Kontaktaufnahme, beispielsweise im Einzelhandel, ermöglicht eine Bestimmung des Standortes mit einer Reichweite von zehn Metern. Der Vorteil für Smartphone-Besitzer: Die Kommunikation via Beacons schont dank BLE-Technologie den Akku-Verbrauch.

Aber vor allem dem Handel eröffnen sich durch iBeacon neue Möglichkeiten zur Kommunikation mit dem Kunden am Point-of-Sale. Versieht man zum Beispiel seine komplette Verkaufsfläche mit Beacons, kann man den Kunden situationsgerecht ansprechen. Laut Einschätzungen von Achim Himmelreich sind gerade die vergleichsweise geringen Kosten einer solchen Ausstattung mit Beacons der große Vorteil: „1,5 Millionen Euro reichen aus um fünf Prozent der Verkaufsfläche des deutschen Einzelhandels auszustatten. iBeacon besitzt ein großes Marktpotenzial und ist sehr erfolgsversprechend“, erklärt Himmelreich das Fazit der Studie „Flash Insight iBeacon – Attraktive Use Caes am POS werden Realität„, die er für Mücke, Sturm & Company verfasst hat.

Flash Insight iBeacon - Attraktive Use Caes am POS werden Realität
Screenshot Mücke, Sturm & Company Studie: „Flash Insight iBeacon – Attraktive Use Caes am POS werden Realität

 

Die Vorteile für den Kunden können vielfältig sein. So kann man ihnen nicht nur situationsgerecht, sondern auch ortsabhängig attraktive Angebote auf Smartphone pushen – das sogenannte Location-based-Marketing. Befindet sich ein Kunde beispielsweise vor dem Nudel-Regal, bekommt er ein „Zwei zum Preis von einem“-Angebot für Nudelsaucen.

Doch die Vorteile beschränken sich nicht nur auf Angebote. Auch andere Services wie eine Indoor-Navigation durch Geschäft oder das Bezahlen via Mobile Payment können mit iBeacon theoretisch realisiert werden. Beim Mobile Payment würde das Smartphone quasi als elektronische Kasse fungieren, die Artikel einscannt und dann das Bezahlen mit einem Tap ermöglicht. Denkt man ferner an Apples TouchID, könnte man die Bezahlung dann sogar mit einem Fingerabdruck verifizieren. „Zudem setzt mit PayPal ein zweiter Innovationsführer ebenfalls auf iBeacon und nicht auf NFC“, betont Achim Himmelreich.

PayPal Beacon ist im September mit einem mobilen In-Store-API gestartet, das von einer begrenzten Anzahl von Entwicklern getestet wird. PayPal Beacon macht aus Einzelhändlern und Restaurants Beacons für nutzer der PayPal-App. Anstatt darauf zu warten, dass die Bedienung die Kreditkartenzahlung durchführt und man unterschreiben kann, zahlt man einfach per App und ist ‚ready to go‘.

 

Viele der interessanten Anwendungsmöglichkeiten sind noch theoretischer Natur, denn wie erwähnt tut Apple nicht gerade viel dafür, dass iBeacon sein Nischendasein verlässt. Achim Himmelreich sieht folgende Erklärung für dieses Abwarten: „Hier kann man natürlich nur mutmaßen, aber ich halte es für möglich, dass Apple ähnlich wie bei Passbook zunächst einmal die Infrastruktur für ein neues Ökosystem bereitstellt und darauf setzt, dass viele Lösungen von Dritten erstellt werden. Sobald eine kritische Masse erreicht ist, wird sich Apple um die eigenen Monetarisierungsmöglichkeiten kümmern, die dann weniger zu Lasten der Kunden gehen, sondern beim kommerziellen Anbieter anfallen werden. Auch eine Verquickung von ibeacon und Passbook und gfs sogar dem itunes-Account liegt in diesem Zusammenhang nahe – das wäre dann sozusagen iSOS (i Shopping Operating System).“

Unerklärlich ist es allerdings, dass keine anderen Technologiehersteller die Chancen und Möglichkeiten der stromsparenden BLE-Technik nutzen. Denn die Verbreitung BLE-kompatibler Endgeräte – schätzungsweise gibt es weltweit allein 180 Millionen Nutzer von iOS 7 Geräten – ist der größte Vorteil gegenüber NFC.

Hier geht’s zum Download der Studie „Flash Insight iBeacon – Attraktive Use Caes am POS werden Realität„.

 

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