Information Security – ein Handbuch nicht nur für Journalisten
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Die Vorwürfe zur NSA-Spionage reißen nicht ab. Nachdem sämtliche Bundesbürger laut Edward Snowden ausspioniert wurden und Muttis Handy direkt angezapft wurde, werden jetzt Vorwürfe gegen einen vermeintlichen BND-Doppelagenten laut, der geheime Informationen an die US-Geheimdienste weiter gegeben haben soll. 

Doppeltes Spiel

Was letzte Woche noch als Spekulation galt, hat sich mittlerweile bestätigt. Der BND-Mitarbeiter soll über einen Zeitraum von zwei Jahren sensible Informationen aus dem BND an die USA weitergegeben haben.

Unser Bundespräsident Gauk warnt in der FAZ vor dem „Spiel mit der Freundschaft„. Denn bereits die vorausgegangenen Enthüllungen der Spionage-Aktivitäten der USA haben das deutsch-amerikanische Verhältnis stark belastet. „[…] jetzt reichts auch einmal„, so Gauk. 

Leider scheinen sich auch diese Vorwürfe zu verhärten, da von konspirative Treffen in Österreich, einem USB-Stick mit BND-Interna sowie einer Wetter-App die Rede ist, die im Hintergrund verschlüsselte Kommunikation aufbaut.

Die neuen Enthüllungen scheinen wie die Spitze des Eisberges. Trotz dem wartete die Öffentlichkeit eine Weile auf deutliche Reaktionen der Politik. Während Merkel noch zu Regierungsgesprächen in China verweilt, hat sie sich nun wenigstens geäußert, dass es sich um einen „sehr ernsthaften Vorgang“ handelt.

Als Bundesbürger muss man sich ja nicht sorgen. Denn der Bundesanwalt ist schon mit der Prüfung des Vorganges beschäftigt. Das hat zwar bekanntlich leider keine deutlichen positiven Auswirkungen für uns, aber zu mindest wird der Fall geprüft.

Hält man sich an Innenminister de Maizière, wird nach wie vor davon ausgegangen, dass man zusammen mit den USA für Aufklärung sorgen wird:

Der Vorwurf selbst wiegt sehr schwer. Die Vorfälle müssen jetzt zügig aufgeklärt werden. Erst dann können wir das Ausmaß der mutmaßlichen Spionage einschätzen. Ich erwarte jetzt eine schnelle, eindeutige Äußerung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Unsere Regierungsvertreter gehen eben größtenteils noch von Mutmaßungen aus. Das die Privatsphäre von Millionen Bundesbürgern verletzt wurde, wiegt einfach nicht so schwer. Und das sich Nutzer des TOR-Netzwerkes potentiell strafbar machen, davon möchte unsere Regierung auch gerne ausgehen.

Selbstschutz ist gefragt

Denn obwohl sowohl der WDR, wie auch NDR belegen können, dass jede Person, die die Tor-Webseite besucht, gespeichert wird, kommt von der Bundesregierung kein ädequates Feedback. Und das obwohl die Speicherung völlig unabhängig davon erfolgt, ob das Browser Bundle heruntergeladen wird oder nicht. Und das ist leider nicht alles. Denn fast allen Suchmaschinenanfragen zu Verschlüsselungssoftware werden gespeichert. Wer somit sein Recht auf Privatsphäre nutzt, macht sich also potentiell verdächtig. 

Heut zu Tage ist es daher nicht verwunderlich, dass von Medien und Wissenschaft zumindest teilweise versucht wird, weiter für den privaten Datenschutz zu sensibilisieren. So hat nun auch Gavin MacFadyen, Director des Centre for Investigative Journalism in Zusammenarbeit mit Silkie Carlo ein Handbuch zum Thema Information Security für Journalisten veröffentlicht.

Denn nach Snowden Enthüllungen wissen wir, dass echte Schutzmaßnahmen und reale Gegenmaßnahmen notwendig sind, um unsere Privatsphäre zu schützen und auch die Sicherheit von Quellen gewährleisten zu können.

Jeder sollte daran interessiert sein, die eigene Kommunikation vor Spionage zu schützen. Nicht nur wenn man journalistisch tätig ist. Man macht sich zwar möglicherweise bei den US-Geheimdiensten unbeliebt, aber sein wir doch mal ehrlich – wer so wenig Wert auf eine vertrauliche Beziehung legt, wie es von der amerikanischen Regierung vorgelebt wird, der sollte sich auch nicht wundern, wenn sich aufgeklärte Bürger mit vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten für den Privatsphäreschutz wehren.

Was macht die Bundesregierung?

Nach dem zum Teil doch eher geduldigen Aussitzen der Spionage-Thematik, scheint die aktuelle Reaktion der Bundesregierung weniger das Hinterfragen des deutschen Geheimdienstapperates zu sein. Viel mehr wird der Ruf nach einer Aufrüstung und Gegenspionage laut. Wer will schon aufklären, wenn man doch auch spionieren kann.

Und dafür muss der BND lediglich weiter aufgebläht werden, weil man sich ja nun auch noch auf das Ausspionieren der USA konzentrieren muss. Da wird auch glatt vergessen, dass man vorher möglicherweise die rechtswidrigen Aktivitäten unseres Nachrichtendienstes aufklären sollte, ganz zufällig.

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