Initiative Internet.org: Facebooks neuer Altruismus?
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Das Internet ist heute von enormer Bedeutung für einen großen Teil der Lebensbereiche. Menschen, die keinen Zugang zum World Wide Web haben, rücken immer stärker an den Rand. Denn alle wichtigen Informationen finden sich zuerst online und später, wenn überhaupt, in Print, TV oder Radio. Gleichzeitig bietet das Internet auch eine unglaubliche Fülle von Informationen, die vielleicht nicht direkt als wichtig kategorisiert werden können, aber dennoch als Teil der kollektiven Erinnerung weiterexistieren.

Kostenloses Mini Internet für Zambia

Facebooks Ambitionen, allen Menschen einen, wenn auch begrenzten, Zugang zum Internet zu ermöglichen, sind seit gestern einen Schritt weiter gekommen. Die Initiative Internet.org bietet eine Android Web App an, die kostenlosen Zugang zu einem begrenzten Teil der Internets ermöglicht. Darunter befinden sich neben Facebook und dessen Messenger auch Wikipedia, die Google Suche und spezifische lokale Gesundheitsseiten, Jobsuchmaschinen, Wetterinformationen und Seiten zu Frauenrechten.

Wie viele Menschen genau ohne Zugang zum Internet leben, ist unbekannt, denn die Statistiken gehen weit auseinander. Zumeist wird davon ausgegangen, dass es zwischen 4 und 5 Milliarden sind, von denen die Mehrzahl sich keinen Internet-Zugang leisten kann.

Altruismus als Marketingkonzept

Nicht nur die Android App gehört zu dem Projekt Internet.org, auch Drohnen, kleine Ballons und Satelliten sollen entwickelt werden, die Internetverbindung in bisher nicht angebundene Regionen der Welt bringen sollen. Rund 15 Prozent der Menschen können keinen Zugang haben, da sie nicht in der Nähe von Sendetürmen leben.

Zuckerbergs Pläne, die ganze Welt zu vernetzen, sind bekanntermaßen keine rein altruistischen, denn neben Informationen bietet das Internet vor allem eine Marketing- und Verkaufsplattform sondergleichen.
Auch die Möglichkeit, kostenlos einen Zugang zum Netz zu haben, ändert nichts daran, dass Smartphones und Laptops keine niedrigschwellig erwerbbaren Geräte sind. Obgleich daran gearbeitet wird, günstige Lösungen zu produzieren, so sind diese nach wie vor unerschwinglich für Menschen, die in Armut oder extremer Armut leben. Für Zambia wird davon ausgegangen, dass dies im Jahr 2010 fast 75% der Gesamtbevölkerung betraf.

Die Art in der Internet.org für das Projekt wirbt, erinnert teilweise auf unangenehme Weise an Konzepte der Entwicklungshilfe. Aber nicht nur aufgrund dessen gibt es nicht wenige kritische Stimmen gegenüber dem Projekt. Diese reichen von dem hinweis darauf, dass Internet.org nicht die dringlichen Probleme der jeweiligen Ländern lösen würde, bis hin zu der Annahme, dass Facebook versuchen würde, seinen Einfluss zu vergrößern. Der Internet.org-Produkmanager Guy Rosen stritt dies gegenüber TechCrunch jedoch ab und ist der Überzeugung, dass ein Zugang zum WWW einen positiven Einfluss auf die Bildungs- und Karrieremöglichkeiten der Menschen habe.

Es ist geplant, dass Ineternet.org auch in anderen sogenannten „Entwicklungsländern“ verfügbar gemacht werden soll. Das Partnerunternehmen Airtel ist mit dem Mobilfunkanbieter Zain in 15 Ländern auf dem afrikanischen Kontinent vertreten. Sicherlich ist einer der Hintergründe für das neue kostenfreie Angebot, dessen anfallende Kosten Airtel übernimmt, die Menschen dazu zu bringen, noch mehr sehen zu wollen, und dafür Geld in Datenpakete zu investieren. Eine in Altruismus getauchte Form des Sprungbretts für den Verkauf.

Zuckerberg selbst äußerte sich gestern auf Facebook dahingehend, dass er daran glaubt, dass jede Person Zugang zu kostenfreien Internetleistungen haben sollte.

We believe that every person should have access to free basic internet services – tools for health, education, jobs and basic communication. (Mark Zuckerberg)

Aber ist es nicht ein wenig erschreckend, dass Facebook entscheiden darf, welche Form des Internetzugangs passend und welche Seiten kostenlos zu sehen sein sollen?

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