Instagram: Ende der Werbefreiheit – Dienst wächst auf 150 Millionen Nutzer und plant Anzeigenverkauf
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Instagram wird zukünftig auf Werbeeinblendungen setzten, um aus der Bilderplattform ein lukratives Unternehmen zu formen. Zwar hatte Facebook im letzten Jahr eine Millarde Dollar für die Akquisition des Bilderdienstes bezahlt, doch brachte Instagram dem sozialen Netzwerk bisher aufgrund der Werbefreiheit keine Gewinne ein. Dies will man  mit der neuen Geschäftsführerin Emiliy White bald ändern.

Seit Übernahme durch Facebook hat sich auch an der Unternehmensstruktur Instagrams einiges geändert, denn bis dato konzentrierten sich die 32 Mitarbeiter des 2010 von Kevin Systrom gegründeten Unternehmens vornehmlich auf die Entwicklung des Dienstes und schenkten Nutzeranalyse und Kundenservice weniger Beachtung.

Inzwischen beschäftigt der Dienst 50 Mitarbeiter, wobei zwei ausschließlich mit der Analyse beschäftigt sein sollen und vier Mitarbeiter im Marketing Beziehungen zu größeren Unternehmen betreuen. Die Effektivität dieses Systems spiegelt sich vor allem in den Nutzerzahlen wider, die innerhalb eines Jahres von 32 Millionen auf 150 Millionen anwuchsen und den Dienst in puncto Nutzerzahlen zu einer ernstzunehmenden Twitter-Konkurrenz machten. Abzuwarten bleibt nun, wie die Nutzer auf die geplanten Neuerungen reagieren werden und ob Instagram seine große Fanbase behalten kann.

Bislang war eines der Argumente für Instagram – neben der einfachen Bedienung und den attraktiven Fotofiltern – vor allem das saubere und klare Design, das auf prägnant platzierte Werbung verzichtet.
In diesem Konzept liegt für viele auch der Schlüssel zum Erfolg des Bilderdienstes, sodass Experten Änderungen des Systems kritisch gegenüber stehen. Auch Brian Wiesler, Analyst der Pivotal Research Group, warnte gegenüber dem WSJ in diesem Zusammenhang vor einer falschen Ausschöpfung des Potenzials Instagrams: 

„Theoretisch könnte Instragram schon heute mehrere Hundert Millionen Dollar Umsatz machen, doch bräuchte man dazu eine große Verkaufskraft und würde riskieren, die Umwelt zu verschmutzen.“ In anderen Worten würde Werbung, die zu plump und offensichtlich platziert ist, die Nutzungsweise des Dienstes behindern und so die Vorteile Instagrams gegenüber der Konkurrenz bedrohen. Bereits in der Vergangenheit bekam Instagram nach einer Änderung der AGB den Unmut der User zu spüren (bevor sich der Shitstorm als viel Lärm um nichts entpuppte), die sich durch Abmeldung der Nutzerkonten und Proteste gegen die marketingstrategische Verwendung ihrer privaten Bilder wehrten. 

Sicherlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Facebook, das selbst Einnahmen aus Werbung generiert, einen Weg zur Monetarisierung Instagrams suchen würde, um aus der Investition von rund einer Milliarden Dollar ein lukratives Geschäft zu machen. Der Werbeverzicht, der auch mit der Übernahme zunächst beibehalten wurde, kann dabei als Strategie gesehen werden, eine treue Fangemeinde aufzubauen. Gänzlich werbefrei ist Instagram allerdings schon jetzt nicht: Unternehmen nutzen virales Marketing oder Mitmachaktionen, bei denen Nutzer Bilder unter einem bestimmten Hashtag posten und so an Gewinnspielen oder Testaktionen teilnehmen können, schon jetzt, um kostenlos auf dem Bilderdienst für ihre Produkte zu werben. Die offensive Platzierung von Botschaften ist nun der nächste Schritt, dessen Durchsetzung zweifellos ein wenig Fingerspitzengefühl verlangen wird, um die Nutzer nicht zu verärgern. 

Lernen wird der Bilderdienst dabei mit Sicherheit aus den Erfahrungen Facebooks, das seit der Übernahme nicht zuletzt durch die Personalie Emily White Know-How in die Milliardenakquisition steckte. 

Aufmacherbild: A bullhorn megaphone covered with word Foto via Shutterstock / Urheberrecht: iQoncept

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