Interview mit Matthäus Krzykowski über Xyo und die Startup-Szene in Berlin [Startup-Sommer]
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Während der Sommer Tausende in die Sonne lockt, arbeiten Startups an ihrer Unternehmensgründung, suchen Investoren, feilen an Ideen, an Monetarisierungsmodellen, und sie netzwerken was das Zeug hält.

Die Serie Startup-Sommer stellt Unternehmensgründer und ihre Konzepte vor. Heute sprechen wir mit Matthäus Krzykowski von Xyo, das die Suche nach interessanten Apps vereinfacht.

 

WebMagazin: Erklär uns doch bitte das Prinzip von Xyo, wie funktioniert Eure Idee?

Matthäus: Xyo ist ein Berliner Start-up, das das Entdecken von neuen Apps vereinfacht. Die Situation im mobilen App Internet ist vergleichbar mit ‘98, als für die meisten User Portale wie AOL & Yahoo den Zugang zum Internet hatten. Bisher finden die meisten Nutzer nur die größten Apps aus den Top 25 der App Stores. Die Folge: 10 Prozent der Apps erhalten 90 Prozent der App-Downloads, so wie früher in der alten Portalwelt des frühen Internets User nur einige hundert Webseiten entdeckten. Seit August 2012 hat Xyo dazu eine Vielzahl innovativer Technologien gelaunched.

Speziell haben wir einen neuen Ansatz entwickelt, der Suche nach Apps radikal vereinfacht, weil er sich am tatsächlichen Nutzerverhalten orientiert. So werden zum Beispiel oft Interessen wie Musik oder Golf, oder auch „inspirier mich“ Anfragen wie “coole Games” eingegeben, weil die User nicht wissen, welche Apps es gibt und wonach sie überhaupt suchen sollen. Die App Store bieten lediglich grobe Kategorien und  die Top Charts zur Orientierung an. Xyos identifiziert dagegen ca. 600 App- und 100 Game-Genres und gruppiert ähnliche Apps nach Themen.

Damit fällt es leichter, die besten Apps passend zu den eigenen Vorlieben zu entdecken. Die Folge ist ein “Long Tail” – bei Xyo bekommen 75 Prozent aller Apps 90 Prozent aller Downloads. Um das volle Potenzial des mobilen Web mit Smartphones, Tablets, Smart-TVs und anderen mobilen Geräten auszuschöpfen, ermöglicht Xyo eine intuitivere App-Suche, die auf persönliche Interessen, situativen sowie sozialen Kontext der Nutzer eingeht.

 

WebMagazin: Was macht Xyo besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Matthäus: Wenn mich meine Oma fragt, was wir machen, dann sage ich Ihr das „wir einen besseren App Store“ bauen. Viele Leute haben bereits das Jahr 1998 vergessen und erinnern sich nicht wie klein und vorgekaut damals das Internetangebot war als wir uns all über AOL eingewählt haben. Die meisten Leute haben dann die paar vorgefertigte AOL-Dienste für Nachrichten, Word-Apps oder Spiele benutzt. Einige wenige Entwickler dieser Dienste haben davon profitiert.

Ein „besserer App Store“ macht zehntausende von Apps auffindbar, inspiriert neue App-Typen auszuprobieren und nützt Tausenden von Entwicklern, nicht nur einigen wenigen. Während es sehr viele App Discovery Services im Markt gibt, sind eigentlich nur Chomp, Quixey und wir wirklich technologisch innovativ. Dabei sind wir die bisher einzigen, die das Long-Tail Problem deutlich besser als jeder andere Service gelöst haben.

 

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Monetarisierungskonzeptes, wie verdient Ihr Geld?

Matthäus: Xyo bietet eine kostenlose App-Suche für private Nutzer an. In der Vergangenheit, waren wir bootstrapped und haben Datensätze und Berichte zur App-Economy verkauft, um unsere innovative App-Suche zu finanzieren. Dieser Service wird mittlerweile von Priori Data weitergeführt. In Zukunft werden wir neue Ansätze zum App-Marketing entwickeln, welche so noch nicht im Markt verfügbar sind.

 

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von Xyo gekommen und was habt Ihr vorher gemacht?

Matthäus: Ich hatte davor mit einem anderen Entwickler einen Scaper für App Stores gebaut und damit gespielt. Zoe, damals eine Bekannte, fand das im Sommer 2010 sehr interessant. Sie hatte bereits vorher mit Marcin als CTO in anderen Startups gearbeitet. Im Oktober 2010 setzten wir und für einen Monat im Berliner Betahaus zusammen um auszuprobieren, was man in diesem Bereich machen kann.

In der dritten Woche hatte ich einen Deal mit Deutsche Telekom International an Land gezogen, der dann für drei Monate unsere Rechnungen größtenteils bezahlt hat. In diesem Zeitraum bauten wir viele Features und Prototypen um das Potential diverser Produkt-Market-Fits zu testen. Im Dezember 2010 hatten wir dann die erste einfache App-Suchmaschine fertig gebaut. Ziemlich schnell wussten wir, dass dies ist, was wir machen wollen. Der App-Markt explodierte und App-Marketing stand am Anfang.

 

WebMagazin: Wann seid Ihr mit Xyo Live gegangen und wie finanziert Ihr Euch?

Matthäus: Am 2. August 2012 ist die erste Beta gestartet. Im Dezember 2012 war es klar, dass unser Ansatz funktioniert, extern bestätigt durch Deals wie der mit Nokia. Im Juni 2013 haben wir ein neues UI gelauncht, das zu unserem Ansatz passt. Xyo wird von verschiedenen Investoren unterstützt, darunter flaregames-CEO Klaas Kersting, SoundCloud-Gründer Eric Wahlforss und einem der wichtigsten Games-Investoren aus den USA, Rick Thompson’s Signia Venture Partners.

 

WebMagazin: Was sind Eure nächsten Meilensteine und was wollt Ihr in den kommenden sechs Monaten erreichen?

Matthäus: Zwei Dinge. App Search Analytics Reports: So wie wir für den Long Tail stehen, stehen wir genauso für Transparenz. Wir werden in Kürze App Search Analytics Reports launchen und Monat für Monat an über 100.000 Entwickler verschicken. Es geht darum den Entwicklern zu zeigen, wie nach Ihren Apps gesucht wird. Nächstes UI Update: Das mag vielleicht langweilig klingen, ist jedoch super spannend. Wir werden als Service die ganze Zeit besser in unserem Verständnis, wie Leute nach Apps suchen und entwickeln Technologien und Features dazu.

 

WebMagazin: Die Startup-Szene in Berlin wird von Außenstehen oft misstrauisch beäugt, von Luftschlössern ist die Rede. Wird in Berlin Serious Business betrieben oder ist alles nur heiße Luft?

Matthäus: Teilweise ist die Skepsis angebracht, teilweise nicht. In den letzten zwei Jahren ist die Zahl der US-investierten Startups auf über 25 gewachsen. Viele von Ihnen haben ein ganz anderes Risiko-Return-Profil, als es der Grossteil der lokalen Profis kennt und schätzt. Das einige dieser Startups scheitern ist für alle klar. Das ein Amen oder ein Gidsy vielleicht als gescheitert angesehen werden liegt in der Natur der Sache.

Wo gehobelt wird, da fallen Spänne. Aus unserer Sicht sehen viele von uns sich selber als Pioniere, weil wir Investmentgelder für Unternehmensideen eröffnen, die früher nicht in Deutschland zu finanzieren waren und deswegen hier nicht entstanden. Eine europäische Social Game Company wie Playfish konnte in 2007 nur in London entstehen. In 2013 gibt es Wooga, dessen 2009 A-Runde vom Londoner Balderton Capital geführt war.

 

WebMagazin: Matthäus, Du bist in der Vergangenheit viel herumgekommen und kennst die Startup-Szene von San Francisco und London. Was ist an der Berliner Startup-Szene besonders und warum sollten Startups nach Berlin kommen?

Matthäus: Ich kenne das Valley ganz gut, weil ich dort gelebt und gearbeitet habe. Meine englische Exfreundin hat ihr Startup 2010 in London ge-exitet. Deswegen kann ich ganz gut vergleichen. Startup-London ist vielleicht 5 Mal oder 10 Mal so gross wie Startup-Berlin. Jedoch geht die Tendenz seit 2009 auf hohem Niveau nach unten. Hier in Berlin gibt es eine tolle Growthstory, die viele auch aus dem UK anzieht, die Neugeschäft wollen.

HR ist viel besser und du kannst seit 2,3 Jahren sehr gut in Berlin international hiren. Bei Xyo haben wir mehr Amerikaner als Deutsche. Zusätzlich ist der Zusammenhalt unter den innovativen Startups mit internationaler Ausrichtung sehr gross, vielleicht auch wegen dem Risiko, dass ich vorher ansprach. Wir helfen uns operativ sehr viel, auch weil wir wissen, dass wir das müssen. Zum Beispiel nächste Woche ist Wooga, Soundcloud, Eyeem, Getyouguide bei uns um von uns zu hören wie sie bessere App Store Suchmaschinenoptimierung machen können.

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