iOS 7: „Die schlechteste Safari-Version seit 1.0!“
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Maximiliano Firtman ist ein bekanntes Gesicht im Mobile-Web-Bereich. Sein Wort hat Gewicht, wenn es um Probleme und Neuerungen geht. Jetzt hat er sich den Safari in Apples neuem iOS 7 vorgenommen – und wer Lobeshymnen erwartet, sollte sich warm anziehen: „and I can say without fear of mistake that this is the buggiest Safari version since 1.0.

The buggiest Safari version since 1.0

Um eines vorweg zu nehmen: Natürlich hat der Mobile Safari auch seine schönen Seiten. Da wäre das AirPlay API, die zum Teil deutlichen Verbesserungen in Canvas, das Page Visibility API, CSS Regions, die FlexBox, Transitions ohne Prefixes und vieles mehr …
Dennoch gibt es einige Rückschritte, deren Umfang manch einen Webentwickler fassungslos vor den Devices zum Verzweifeln bringen dürfte. Eine kleine Auswahl möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Problemfall HTML5-Apps und-Spiele

Ein großes Problem stellt seiner Meinung nach das Full Screen Browsing auf dem iPhone und dem iPod dar. Im Portrait Mode bedeutet das, dass die untere Toolbar verschwindet, sobald der Nutzer auf der Seite scrollt. Die URL-Leiste hingegen wird deutlich verkleinert und halbtransparent am oberen Ende der Seite dargestellt. Im Landscape hingegen verschwinden beide vollständig, nachdem der Nutzer auf der Seite scrollt.

Die Probleme, die nun auf Entwickler zukommen, sind ziemlich knifflig zu bewältigen. Zum einen wird kein Resize-Event gefeuert, wenn die Toolbars verschwinden oder nach einem scrollen auf den Seitenanfang wieder auftauchen. Beide Änderungen in der Darstellung können also weder mit JavaScript oder Media Queries erkannt werden. Zu allem Überfluss hat sich darüber hinaus noch ein Bug eingeschlichen, mit dem man sich (manchmal) nach einem Orientation change im Fullscreen-Modus befindet – ohne die Möglichkeit, ihn wieder verlassen zu können.

Problemfall Gestures

Etwas schlimmere Auswirkungen dürften die neuen Gesten haben, die mit iOS 7 eingeführt wurden. Während ein Swipe von unten nach oben – jetzt wird damit das Control Center geöffnet – eher selten zum Einsatz kommen dürfte, sind vor allem die Swipes vom linken zum rechten Bildschirmrand und vice versa mit dem neuen Safari problematisch.

Mit dem neuen Safari kann man damit nämlich durch die History navigieren. Vor allem Single Page Web-Apps spielen jedoch gerne mit diesen Gesten; die gewohnte Usability wie zum Beispiel bei der Yahoo!-Website könnte darunter leiden und zu einiger Verwirrung bei Nutzern führen.

Es war einmal: DateTime

Google Chrome hat es vorgemacht, jetzt zieht der Safari auf iOS nach – und so wird ein weiteres Feature künftig ebenfalls nicht mehr so funktionieren, wie Entwickler und User es gewohnt waren: input type=“datetime“ hat bis zur aktuellen Version das bekannte Auswahlfeld geöffnet, in dem man mit verschiedenen Rädchen den Tag sowie die Uhrzeit einstellen konnte.
Zugunsten von zwei neuen Input-Typen, time und date, war datetime im Standard auf deprecated gesetzt worden. Mit der neuen Safari-Version gibt es nun einen Fallback: Das Feld wird als normaler Text-Input dargestellt. Wer dieses Feature also bisher genutzt hat, sollte seine Formulare schleunigst anpassen – die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer die von euch erwartetem Daten eingibt, dürfte eher gering sein.

Das Ende vom Lied

„Most of the bugs and problems in this post were posted a few months ago in the private forum and lot of people have sent bug reports and ask desperately on the forum for a solution. I can’t believe that Apple can’t give answers to web developers and they are not event executing some basic test suites to detect some API bugs.“

Maximiliano Firtman

Das Problem ist, dass es damit alleine nicht getan ist. Denn heiß erwartete Features, die für Safari 7 angekündigt wurden, sind schlicht und ergreifend – zumindest in der iOS-Variante – nicht vorhanden. Da wären das Web Speech API, Push Notifications von Websites (die letzten Endes übrigens nur auf Mac OS verfügbar sein werden), der Background Blend Mode sowie das heiß ersehnte Grid Layout.

Alles in allem scheint Apple einigen Schindluder mit dem Safari getrieben zu haben. Einen vollständigen Überblick über alle Neuerungen und Rückschritte findet man im Blogpost Safari on iOS 7 and HTML5: problems, changes and new APIs.
Natürlich bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Änderungen im echten Leben auf das Mobile Web haben werden. Dennoch werden sich sowohl Entwickler als auch Anwender an einige der Neuerungen erst einmal gewöhnen müssen.


Aufmacherbild: Broken Smartphone punched with human fist in anger Foto von Shutterstock / Urheberrecht: okili77


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