iOS 7: Revolution of Simplicity
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Die Spannung ist vorbei. iOS 7 hat tatsächlich ein neues Gewand mit neuen Funktionen, ist dabei aber optisch auf ein Minimum reduziert worden. Man könnte fast meinen das deutsche Hochwasser hätte auch Apples OS überschwemmt und alles Störende, Kantige und ‚Überdesignte’ weggespült. Manch einer, der gerade sein iPhone in der Hand hält, würde es sicher nun gerne bis zum Herbst wegschließen und erst mit dem Release des flachen OS im Herbst wieder aus der Schublade kramen. Multitasking, Surfen in Safari, Fotos bearbeiten und sortieren – all das wirkte in der gerade zu Ende gegangenen WWDC-Keynote natürlicher, leichter und intuitiver als je zuvor.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Nüchtern betrachtet, vor allem aber nachdem man Apples rosarote Brille für einen Moment abgesetzt hat und die Magie verflogen ist, kommen schon die ersten Zweifel am iOS der nächsten Generation. Immerhin kennt man nicht nur eins der vorgestellten neuen UI- und Gimmick-Features bereits aus anderen Plattformen. Das trendige Flat Design, das auf überflüssige Texturen und Schnörkel verzichtet, wurde doch erst populär durch Windows Phone 8.

Das per Wisch verfügbare Control-Center-Menü, das Shortcuts zu häufig gewählten Einstellungen bietet, gibt es schon lange bei Android. So auch das neue Multitasking, das einen Screenshot aller geöffneten Apps zeigt, die sich durch einen vertikalen Wisch beenden lassen. Und die anderen Wischgesten, die die Navigation innerhalb der Mail App und Safari erleichtern, erinnern irgendwie an die Hot Corners in Windows 8.

Die neun eingebauten Fotofilter, die sich über Schnappschüsse blenden lassen, gibt es auch schon lange Zeit bei Twitter oder dem Social-Media-Kanal Instagram. Letzterer hat die Fotofilter sogar erst berühmt gemacht.

Old school Apple

Das wohl älteste vorgestellte Feature in Form einer App ist aber ohne Frage iRadio. Klar, schon bald werden es viele nutzen, da die App in iOS 7 integriert sein soll. Dennoch ist ein Internet-Radio mit Artist Search und eigenen Stationen schon seit Jahren bekannt durch Anbieter wie Pandora (US-only) oder Last.fm. Eine musikalische Revolution, die dem herkömmlichen Internet-Radio schnell den Rang ablaufen konnte, gab es später durch Spotify. Einem schwedischen Musik-Streamingdienst, der genau die Songs abspielt, die ich hören will.

Es sind eben die Details

Nichtsdestotrotz schaffte es Apple heute Abend, viele Kleinigkeiten zu zeigen, die dann doch die alte Apple-Magie in sich tragen. Da wäre die neue Siri, die wieder mal mehr Fragen beantworten kann und auf Befehl auch die Display-Helligkeit reguliert. Das auf Bewegung reagierende Hintergrundbild, welches das Gefühl aufkommen lässt, man könne an seinen Apps vorbeischauen. Und vor allem der schlichte neue Look-Screen, der endlich seine statische Fassade fallen lässt.

In Fahrzeugen einiger Hersteller, die über die notwendige Schnittstelle verfügen, hat iOS 7 ebenfalls seine Premiere. Unter anderem in den neuen Modellen des deutschen Herstellers Mercedes und des halbdeutschen Opel kann der iPhone Screen direkt auf das On-Board-Display übertragen werden. Über Siri können dann Gespräche entgegengenommen, die Routenführung gestartet und Nachrichten sowie E-Mails vorgelesen werden.  

Auch die auf dem Mac bereits seit 2011 verfügbare Airdrop-Funktion ist in iOS 7 verfügbar. Hiermit lassen sich Bilder und Videos über ein gesichertes WiFi peer-to-peer-Netzwerk an andere im Raum befindliche iOS-Geräte übertragen – auch an mehrere.

ios 7 wwdc 2013

Dennoch: Apples Zauber ist nicht verflogen

Am Ende bleibt nur eins zu sagen: Wäre es nicht Apple, gäbe es nach der heutigen Vorstellung sicher viele enttäuschte Gesichter. Der gute Ruf des iPhone und nicht zuletzt auch seine Fangemeinde tragen aber dazu bei, dass Apples Zauber noch lange nicht verflogen ist. Ob man sich nun für einige Features bei der Konkurrenz inspirieren ließ oder mit iRadio auf ein betagtes Streaming-Konzept setzt, kommt es bei Apple wie so oft auf das Gesamtpaket an, und da passt einfach alles nahtlos zusammen.

iOS 7 ist im Herbst ab iPhone 4 verfügbar. Einige Funktionen laufen nur mit iPhone 5 sowie iPad und iPod Touch der neuesten Generation.

Bilder: ©Apple

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