iOS 7 Studie: Icon Fail, Flat-Design-Herausforderungen und Swipe-Probleme
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Die Studie „User-Experience Appraisal“ der Nielsen Norman Group (NNG) stellt Apples neuem mobilen OS iOS 7 ein durchwachsenes Zeugnis aus. Während einerseits zahlreiche Features als willkommene Verbesserungen beurteilt werden, gäbe es vor allem zwei Bereiche, die zu einer frustrierenden User Experience beitrügen: Flat Design und Doppeldeutigkeiten bei der Swipe-Funktion.

iOS 7 hat seit seiner Veröffentlichung die Massen polarisiert. Apples Abkehr vom Skeuomorphic Design und die Einführung des Flat Design Looks bedeuteten die bisher drastischste Änderung des OS seit seinem Bestehen, auch weil iOS 7 hier und da mit Konventionen bricht, die man selbst innerhalb der letzten acht Jahre etabliert hat.

Flat Design = Usability-Herausforderung 

Entsprechend widmet sich die NNG-Studie zuerst dem Flat Design. Während das Fehlen von skeuomorphischen Elementen als Wohltat für die Augen bezeichnet wird, sei die Usability dadurch zu einer Herausforderung geworden.

Laut der Studie würden die Apple-eigenen Apps zwar auf zufriedenstellende Art und Weise signalisieren, wo man klicken/tappen kann, allerdings würde an einigen Stellen ein Vorwissen über vorherige iOS-Versionen vorausgesetzt.

Ferner bemängelt die Studie, dass teilweise auf derselben Menüseite verschiedene Farbkodierungen für klickbaren Text oder Links benutzt werden, beispielsweise in den Einstellungen für „Mail, Kontakte, Kalender“. Hier signalisiert sowohl blauer Text („< Mail“ links oben) als auch roter Text („Account löschen“ unten), dass eine Aktion ausgeführt werden kann. Dazu gesellen sich die grün unterlegten Slider in der Mitte. Diese Inkonsistenzen machten die Benutzung schwieriger und erschwerten das Lernen. 

iOS 7 Mail EinstellungenScreenshot Einstellungen „Mail, Kontakte, Kalender“ in iOS 7

Darüber hinaus verschmelzen Buttons, die zuvor leicht zu erkennen waren, mit dem Hintergrund. Dadurch sind sie schlecht zu erkennen und  werden übersehen. Das Navigieren durch den iOS Picker (das scrollbare Drop-Down-Menü, das beispielsweise für die Datums- oder Uhrzeitauswahl benutzt wird) sei aufgrund einer reduzierten Größe (nur drei wirklich sichtbare Optionen, der Rest leicht verzerrt) noch schwieriger geworden.

iOS 6 Picker  iOS 7 Picker

Der von iOS 6 bekannte Picker links (Screenshot Lufthansa App für iOS), der neue Picker rechts (Screenshot Wecker in iOS 7).


Problem mit Swipe

Die Implementierung der sogenannten „Swipe Ambiguity“ (Swipe-Doppeldeutigkeit), also die Tatsache dass das Swipen an verschiedenen Stellen des Bildschirms zu verschiedenen Ergebnissen führt, ist ein weiterer Kritikpunkt der Studie. Durch die Addition des Control Centers (Swipe nach oben vom unteren Bildschirmrand) sowie der Mitteilungszentrale (Swipe nach unten vom oberen Bildschirmrand) kann es zu Problemen bei der Bedienung kommen. Obwohl natürlich gerade für Power-User diese und andere Swipe-Gesten einen enormen Vorteil bieten, können sie bei unvorsichtiger Ausführung andere, ungewollte Aktionen auslösen. So könne es bei unvorsichtigem Scrolling in Safari ständig dazu kommen, dass man das Control Center aufrufe. Ähnliches gelte für das Aufrufen der Spotlight Suchfunktion beziehungsweise der Mitteilungszentrale. Hier muss ganz genau geswipet werden, um nicht eine ungewollte Aktion auszulösen.

Im Safari-Browser gebe es eine weitere Problemstelle, auf die wir schon im Beitrag „iOS 7: Die schlechteste Safari-Version seit 1.0!“ hingewiesen haben: Mit einem Swipe nach links kann man im Browser eine Seite zurück gehen. Auf Websites, die beispielsweise ein Bilder- oder Video-Karussell einsetzen, wird die Benutzung desselben erschwert, weil man auf die vorherige Seite gelangt, obwohl man eigentlich am Karussell drehen wollte.

Positive Features

Neben dem Flat Design und der Swipe-Doppeldeutigkeit weist die Studie am Ende aber noch auf einige Features hin, von denen die Nutzer profitierten. Dazu gehören die Tatsache, dass im Safari die Browser-Controls beim Scrollen nach unten automatisch ausgeblendet werden und die Möglichkeit in einen Ordner beliebig viele Apps stecken zu können. Weiter Pluspunkte laut der Studie: das verbesserte Multitasking (das sich allerdings auch negativ auf die Akkulaufzeit auswirken kann), die Möglichkeit die Textgröße global zu vergrößern und die gestreamlinete Einstellungen-App.

Icon-Fail 

Das drastischste Urteil zu einem Einzelaspekt von iOS 7 hat sich die Studie für das Ende aufgehoben:

Apple has demolished millions of hours of user learning by changing the icons. 

Gemeint ist damit das neue Icon Design von iOS 7. Laut der Studie habe diese negative Usability-Implikationen, weil man teilweise nicht nur die Hintergrundfarbe der Icons verändert habe, sondern auch den Inhalt. Somit habe Apple bei den Nutzern den in Millionen von Stunden erworbenen Lerneffekt vernichtet. 

Ist  iOS 7 also ein einziger großer Fail? Die kurze Antwort der Studie: nein. Doch sei es überraschend, dass Apple nicht aus den Fehlern anderer (Microsoft in puncto Flat Design und Swipe-Doppeldeutigkeit in Wondows 8) gelernt habe. Es müsse sich zeigen, ob Apples strenge Richtlinien verhindern können, dass sich Entwickler in der flachen 2D-Welt des Flat Designs verlieren. Denn die ersten Erfahrungen mit für iOS 7 redesignten Apps sei eher negativ – viele hätten eine schlechtere Usability als ihre iOS 6 Vorgänger.

Wie seht Ihr das? Welche Meinung habt Ihr bezüglich Apps, die ein iOS 7 Redesign bekommen haben: Ist die Usability besser oder schlechter geworden? Wir sind gespannt – teilt uns Eure Erfahrungen per Kommentarfunktion mit.

 

 

 

 

 

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