iPad Air und Co.: Gewinner und Verlierer des Apple-Events
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Ein schnelleres und schärferes iPad mini, ein schlankeres iPad mit neuem Namen und neuem-alten Design sowie das kostenlose Betriebssystem Mac OS X Mavericks  – keine Überraschungen, keine Sensationen:

Diese kleine Zusammenfassung dessen, was uns Apple beim gestrigen Event in San Francisco serviert hat, liest sich wie ein Roundup der Gerüchte, die ohnehin in den vergangenen Wochen um das Apple Event kursierten.

iPad Air – das Ende der Fahnenstange?

Das Mobile-Motto der Gerätehersteller lautet seit einiger Zeit „Leichter, schneller, schmaler“. Bei der Schärfe der Displays scheint Apple aber vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben. Schließlich lesen sich die Display-Spezifikationen des iPad Air wie die des Vorgänger-iPads: Ein 9,7 Zoll Retina Display mit 2.048 x 1.536 Pixeln und 264 ppi.

Den Namenszusatz „Air“ verdankt es in erster Linie dem geringeren Gewicht, denn Apple hat das iPad um 132 Gramm abgespeckt, sodass es nun 469 Gramm auf die Waage bringt. Der Gewichtsverlust dürfte für viele Besitzer von älteren iPads ein überzeugendes Argument sein.

Vom Second Screen zum ernsthaften Arbeits-Tool?

Der A7-Chip, der auch beim iPhone 5s zum Einsatz kommt, sorgt in Kombination mit den 64-Bit-Sytem-optimierten Apps Garageband, iMovie sowie iPhoto dafür, dass das iPad Air deutlich schneller arbeitet und deshalb zum Bearbeiten von Videos oder Fotos verwendet werden kann.

Bisher nutzt ein Großteil der iPad-Besitzer das Tablet überwiegend auf der Couch zum Surfen oder parallel zum laufenden Fernsehprogramm – ob das iPad Air dieses Nutzerverhalten tatsächlich ändern kann, bleibt abzuwarten.

Rückzieher von Fingerabdrucksensor und Gold-Look?

Hat sich da jemand am Sensor den Finger verbrannt? Das könnte man sich fragen, wenn man auf den Home Button der neuen iPads schaut, denn Apple hat noch nicht einmal die Home Buttons im neuen Design drauf gepackt. Wo ist die neue TouchID, und warum gibt es keine goldenen iPads?

Der Fingerabdrucksensor des iPhone 5s kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die NSA-Affäre geistert noch in den Köpfen der Netzbewohner und potenziellen Apple-Kunden umher. Will man einem Unternehmen dann zusätzlich biometrische Daten anvertrauen? Wohl eher nicht. Schließlich wurde der Fingerabdrucksensor nur elf Tage nach dem Launch des iPhone 5s vom Chaos Computer Club geknackt. Nicht gerade vertrauenserweckend.

Die iPads wurden aber lange vor der iPhone-5s-Präsentation entworfen. Das behauptete zumindest Jonathan Ive gestern Abend in einem Werbevideo für das iPad Air. Demnach habe man bereits seit Jahren am neuen Design gearbeitet.

Glaubt man Ive, dann hat sich Apple nun tatsächlich bewusst dazu entschlossen, auf auktuellen Geräten gleichzeitig verschiedene Home Buttons anzubieten. Ausgerechnet der Home Button, das ikonische Erkennungsmerkmal von iPhone und iPad, verliert nun seinen Signatur-Charakter.

ipad air

Screenshot iPad Air: http://www.apple.com/de/ipad-air/specs/

Das iPad mini holt auf

Während die Apple-Designer beim Look des iPad Air ordentlich beim iPad mini abgeschaut haben, zum Beispiel beim schmalen Alu-Rand, wurde das iPad mini einer Kur in Sachen Schnelligkeit und Schärfe unterzogen. Das 7,9 Zoll Retina Display hat mit 2.048 x 1.536 Pixeln die gleiche Auflösung wie das iPad Air und bringt es auf 326 ppi. Auch unter der Haube finden sich Ähnlichkeiten zum großen Bruder. Apple hat hier den A7-Chip mit 64-bit-Architektur und einem M7-Begleitprozessor verbaut. Eine Notwendigkeit – schließlich fordert das Retina Display auch einiges an Prozessorleistung.

Damit ist das iPad mini nun genauso schnell und genauso scharf wie das 9,7-Zoll-Pendant.

Das iPad Air hat den Look des iPad mini übernommen, das iPad mini hat die Technik des großen Bruders übernommen. – welches Gerät hat hier wohl den besseren Deal gemacht?

apple ipad mini

Screenshot iPad mini: http://www.apple.com/de/ipad-mini/overview/

Überraschung mit Vorankündigung

Die Stimmung der User, die gestern Abend das Apple Event live verfolgt hatten, blieb erstaunlich unaufgeregt. Nach der üblichen Lobhudelei Apples auf die eigenen Errungenschaften folgte die Abhandlung bereits bekannter oder geleakter Neuigkeiten. Als jedoch bekanntgegeben wurde, dass in Zukunft Mac OS X Mavericks für alle kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ging ein digitales Raunen der Begeisterung durch die Chats der Event-Beobachter.

Kostenlos: Bei Apple etwas anderes als bei Microsoft

Obwohl auch diese Neuigkeit bereits im Vorfeld der Präsentation als Gerücht kursierte, glaubten nur die wenigsten Nutzer daran, dass sich Apple zu so einem drastischen Strategiewandel hinreißen lassen könnte.

Im Gegensatz zu Apple spendiert Microsoft jedoch nur Computern auf denen aktuell Windows 8 läuft die kostenlose Software – wer zum Beispiel mit Windows XP arbeitet bekommt Windows 8.1 nicht geschenkt. Apple zeigt sich da spendabler.

Hauptsache die Kundenbindung bleibt stark…

Apple hat bereits vor Wochen beliebte Apps wie iMovie für alle Nutzer geöffnet und bietet sie nun in einem Freemium-Modell kostenlos an. Weitere Features können kostenpflichtig hinzugebucht werden. Mit diesem Schritt setzt Apple ein ganz klares Zeichen: Die enge Kundenbindung und die Verzahnung des ganz persönlichen Apple-Kosmos eines jeden Nutzers sind wichtiger als die Einnahmen aus Software-Verkäufen.

Die Kunden sollen sich scheinbar mit ihren Produkten wohlfühlen und mit erfolgreichen Apps ihre Apple-Expierence bereichern – das festigt das Band zwischen dem Elektronikhersteller und seinen Kunden.

Power-Rechner mit Server-Prozessoren

Das Hauptaugenmerk der Event-Beobachter lag gestern ganz klar auf der Präsentation der neuen iPads. Apple spannte hier in gewohnter Manier gekonnt den Bogen und zeigte diese Geräte erst zum Schluss. Dabei sollten die Produktvorstellungen der neuen Mac Book Pros, Mac Book Airs oder des Mac Pro hier aber nicht unkommentiert bleiben.

Vor allem das Mac Pro kann sich mit aufgemotzter Rechenleistung durchaus sehen lassen. Neben der beeindruckenden Intel-Xeon-Server-Prozessoren mit bis zu zwölf Kernen weist die schwarze Designer-Tonne sechs Lightning-Buchsen und vier USB-Anschlüsse auf. So viel Power dürfte so manchen Profi überzeugen.

Die Vorband für den iPad-Auftritt: Mac Book Pro und Mac Book Air

Während die Event-Beobachter ungeduldig auf die neuen iPads warteten und Kommentare wie „Wo bleiben endlich die iPads“ schrieben, stellte Apple die Neuerungen seiner Mac Books vor. Ohne große Aufregung verklang dieser Teil der Präsentation fast.

Beim Mac Book Pro und beim Mac Book Air hat Apple vor allem bei der Akkulaufzeit eine Schippe draufgelegt: Laut eigenen Aussagen sollen die Rechner bis zu neun Stunden ohne Netzanschluss durchhalten. Verantwortlich dafür sind die neuen Intel-Prozessoren der Hashwell-Reihe, die den Akku schonen.

Unspektakulär und unaufgeregt

Auf den Einladungen, die Apple vergangene Woche verschickt, hatte stand „We still have a lot to cover“. Angesichts der Neuerungen, die uns präsentiert wurden, muss man ernüchtert feststellen, dass Apple sein Wort gehalten hat. Tatsächlich gibt es für Apple noch einiges zu tun, denn das was wir gestern gesehen haben hat niemanden aus dem Sessel gehauen.

Das iPad Air markiert einen designtechnischen Wandel, der sich allerdings bereits im vergangenen Jahr beim iPad mini angekündigt hatte. Das iPad mini erstrahlt nun im Retina-Display-Glanz.

Fanboys zeigen sich über diese Entwicklung nur mäßig begeistert und Kritiker, die Apple schon länger die Vormachtstellung in puncto Innovationen absprechen, sehen sich bestätigt.

Wir haben alle verfügbaren technischen Spezifikation zusammengetragen und zwei Infografiken für Euch erstellt.

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