iPhone 5c: „599 Euro sind einfach ein Witz!“ [Kommentar]
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In eher kleinem Rahmen präsentierte Apple am Dienstag seine neuen iPhones. Statt im großen Moscone West mit seinen über 1.000 Plätzen war man im heimischen Cupertino geblieben. Und eher klein fiel auch die Überraschung aus, es gab nichts zu sehen, was nicht schon vorher irgendwie durchgesickert war. Bei den Massen, die bewegt werden müssen, um ein Produkt zwei Wochen nach Ankündigung in die Läden zu bekommen scheint es nicht mal Apple zu gelingen, alle Schotten dicht zu halten.

Genug der Vorrede, widmen wir uns jetzt den neuen iPhone-Modellen. Lange wurde gemunkelt, jetzt existiert es also wirklich, das Billig iPhone – namentlich iPhone 5c. Aber Moment, ist das wirklich billig? Vergleicht man die Preise, stellt man fest, dass bei gleicher Speicherausstattung gerade einmal 100 Dollar/Euro zwischen dem „Billig-Model“ 5c und dem „richtigen“ iPhone 5s liegen. Die Strategie, eine günstigere Variante anzubieten, um die Erosion der Marktanteile im Mittelpreissegment zu verlangsamen, leuchtet mir durchaus ein. Aber bei diesem Preispunkt kann das nicht gelingen. 599 Euro sind einfach ein Witz! Maximal 349 Euro hätten es sein dürfen. Zum Vergleich: Das Nexus 4, ungefähr technisch gleich alt wie das iPhone 5, kostet momentan gerade mal 249 Euro.

Kommen wir zum iPhone 5s. Es ist ziemlich genau das, was man erwartet hat. Es wird natürlich wieder das erfolgreichste iPhone aller Zeiten werden. Von hinten schleicht sich leise die Frage heran: „Aber reicht das“? Ja, vermutlich schon. Der 64-Bit Prozessor wird ihm genug Rechenpower bescheren, um die nächste Generation von Apps zu ermöglichen, Apps die dank des M7 Chips weiterlaufen können – auch wenn wir das Handy in der Tasche haben. Den Leuten ist egal, ob da nun 1, 2 oder 4 Cores drin sind oder ob diese mit 32 oder 64 Bit rechnen. Am Ende zählt wie immer die gefühlte Performance, und die wird gut sein. Der M7 Zusatzchip könnte ein cleverer Move sein, um langlaufende Apps zu ermöglichen, die trotzdem den Akku nicht über Gebühr beanspruchen. Gerade im Quantified Self Umfeld sehe ich hier spannende Möglichkeiten.

Touch ID halte ich für eine genauso geniale wie zwingende Entwicklung. Warum? Weil es funktionieren wird und die alltägliche Sicherheit von Millionen von Usern unauffällig aber dramatisch verbessern wird. Die großen Gefahren der Datensicherheit liegen schon längst nicht mehr am Arbeitsplatz, wo ich ein relativ abgeschlossenes und von der IT-Abteilung ebenso überwachtes wie beschränktes Umfeld vorfinde. Stattdessen lauern sie im öffentlichen Umgang mit dem Smartphone. Alle wichtigen Daten befinden sich dort, es ist ständig mit mir unterwegs und deutlich leichter auszuspähen oder zu klauen als jeder PC.

Apple sagte gestern in der Keynote selbst, dass nur 50 Prozent der User eine Passwortsperre eingerichtet haben. Wenn Touch ID schnell und zuverlässig funktioniert, wird sich die tatsächliche Sicherheit dieser 50 Prozent dramatisch verbessern, und für alle anderen wird es einen Komfortgewinn bringen. Und natürlich wird die Funktion über kurz oder lang auch für andere Apps zugänglich sein, und auch das halte ich für ein Feature und keinen Bug.

Zum Abschluss sei noch auf die zwei Enttäuschungen hingewiesen, die die Vorstellung zumindest mir gebracht hat. Erstens: Der Akku hält nicht länger als beim iPhone 5 – offensichtlich werden die Fortschritte in der Akkutechnologie umgehend vom Stromhunger der nächsten Prozessorgeneration aufgefressen. Und zweitens: Es gibt wieder kein 128GB Model. Warum auch immer, am Speicherpreis kann’s jedenfalls nicht liegen.

 

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