iPhone Air – Luxus löst sich in Luft auf
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Der dicke Benz, die klobige Rolex-Armbanduhr und das Nokia-Handy im Hosenbundhalter: Die Statussymbole vergangener Zeiten wirken rückblickend lächerlich. Seit sich unsere Gesellschaft digitalisiert und im Internet ein zweites Zuhause eingerichtet hat, haben sich auch die Statussymbole verändert – sie schimpfen sich nun Mini, Nano, Micro und Air.

Apple hat diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst. 2001 ersetzten Gangster Rapper ihre Goldketten gegen den aus heutiger Sicht überdimensionalen iPod der ersten Generation. Ein neues Statussymbol war geboren. Zum Unmut der coolen Rapper schrumpfte der iPod von Generation zu Generation, bis er mit der sechsten Generation mit nur 37,5 × 40,9 × 8,78 Millimeter als Rapper-Statussymbol unbrauchbar wurde – zum Glück! 

Netznomaden brauchen keinen Ballast

Denn der geneigte Apple Fanboy und Geek setzt so gar nicht auf Bling Bling, sondern auf Understatement. Diese digitale Bohème arbeitet im Netz, hat oft keinen klassischen Arbeitsplatz, sondern ist in der Stadt unterwegs, hat das MacBook immer griffbereit, ob im Café oder im Park. Die Hardware passt sich an die neuen Lebensumstände an und schrumpft, digitale Daten verschwinden in der Cloud – Netznomaden brauchen keinen Ballast – Gott segne das kostenlose WiFi!

Wenig zu besitzen, liegt im Trend. Die vermeidliche Elite unserer Gesellschaft lebt es uns mit karg eingerichteten Designer-Wohnungen vor und Webdesigner feiern seit Monaten mit Flat Design die neue schicke Schlichtheit im digitalen Leben. Steve Jobs brachte es in seiner iPad-Präsentation 2010 auf den Punkt: „the whole world in your hands“. 

Mit iPads und Smartphones brauchen wir keine Bücher mehr, keine CD-Sammlung, keine Fotoalben, die im Regal verstauben – „the whole world“ ist ebenfalls geschrumpft und liegt nur einen Klick entfernt“. Und als wir dachten, es geht nicht mehr kompakter, präsentiert uns Apple das iPad mini und schrumpft sein Gerät ein weiteres Mal. Das klassische iPad wurde 2013 nicht nur erneut dünner, sondern hat nun den Beinamen „Air“ erhalten. Was ist leichter, unscheinbarer und ungreifbarer als „Air“? Nicht viel und deshalb bleibt es spannend, wie Apple bei diesem Superlativ in Zukunft noch eins draufsetzen will.

Nutzen statt besitzen

Luxus schrumpft physisch und gleichzeitig erhalten wir auf technischer Seite mehr: schneller, schärfer, leistungsstärker. Außerdem stellt Apple seine Software für alle User kostenlos zur Verfügung und unterschreibt damit den Zeitgeist – es geht nicht mehr ums Besitzen, sondern ums Nutzen.

Das Konsumverhalten ändert sich zusehends und der Wertewandel hin zur Besitzlosigkeit ist schon längst eingeleitet: Musik wird gestreamt, Spotify und Co. machen es vor. Für heavy User gibt es ein Monats-Abo, mt dem man Musik lediglich konsumieren kann – am Ende des Monats bleibt nur die Erinnerung an die Lieder – das CD-Regal steht leer und der Cloudspeicher auch.

Geräte lösen sich auf

Nicht nur die Musiksammlung verliert ihre Haptik. Auch die Hardware löst sich langsam auf, denn irgendwann ist das Ende der Fahnenstange auch beim Mini-Micro-Nano und Air-Trend erreicht, weil die Geräte zu klein sein werden, um sie mit bloßen Händen bedienen zu können. Führt sich Apple mit seiner Unternehmensstrategie etwa an den Rand des eigenen Ruins? Wohl kaum.

Samsung, Google und Co. setzen auf wearable Technologie: Mini-Computer in Brillen oder Uhrenform sollen das klassische Smartphone ablösen. Apple wird derzeit von den Medien geprügelt, weil es immer noch keine iGlasses oder iWatch vorgestellt hat. Was ist aber, wenn Apple bereits einen Plan B in der Schublade versteckt, der die naheliegende Entwicklung hin zu wearable technology einfach überspringt?

Keine Apple-Brille keine Apple-Uhr

Wie könnte ein iPhone Air aussehen, wenn Apple mit dem Beinamen „Air“ tatsächlich einmal ernst macht und sich die Hardware tatsächlich in den Hintergrund verzieht und nicht wie Google Glass ausgerechnet mitten im Gesicht der User Platz nimmt, sondern etwas komplett neues wagt?

Ich weiß, das klingt jetzt ein wenig nach Science Fiction, aber waren Science-Fiction-Ideen nicht das, was Apple nach vorne gebracht hat? Die kommenden Jahre bleiben spannend und ich bin mir sicher, dass wir irgendwann mit einem Lächeln auf das Jahr 2013 und die sensationell-kleinen Geräte zurückblicken werden.

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