iPhone – für dich schmeiß‘ ich mich vor einen Zug!
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Smartphones haben unser Leben verändert. Dabei geht es uns nicht allein darum, rund um die Uhr erreichbar zu sein. Wir benutzen es als Uhr, mobilen Computer, Telefon, E-Mail-Programm, Spielekonsole, Terminkalender, Wörterbuch und Wecker, können via Twitter, Facebook und SMS mit Freunden in Kontakt bleiben und fühlen uns gänzlich abgeschnitten vom Weltgeschehen, wenn wir es einmal nicht sind.

Unternehmen wissen um die emotionale Bindung, die wir zu unseren Smartphones und Tablets pflegen und nutzten die Erkenntnisse aus Neurologie und Psychologie, um Produkte gezielt vermarkten zu können. Erst kürzlich hat uns Apple in einer Kampagne erklärt, warum wir das iPhone 5 lieben. Auf Anhieb mag dies vielleicht zu hoch gegriffen klingen, doch in einigen Fällen scheint es die Beziehung zwischen Mensch und Smartphone treffend zu beschreiben. Wir haben ein paar eindrucksvolle Beispiele für Euch:

Vor Kurzem machte ein Internetvideo die Runde, in dem ein Mädchen zu sehen ist, das ihr Smartphone scheinbar besonders nah am Herzen trägt. Nach dem Motto: Wenn du springst, dann spring ich auch, stürzte sie sich an einem brasilianischen Bahnhof auf die Gleise, um ihr Smartphone vor dem herannahenden Zug zu retten. Dabei schaffte sie es dank der Hilfe zweier Männer erst in der sprichwörtlich letzten Sekunde, sich und ihr geliebtes Endgerät in Sicherheit zu bringen.

 

2011 wurde ein Fall bekannt, in dem sich ein siebzehnjähriger Chinese ohne das Wissen seiner Eltern bei einer riskanten Operation seine Niere entfernen ließ, um sich von dem Erlös ein iPad 2 zu kaufen. Aufmerksam auf das schnelle Geld wurde Xiao Zheng in einem Chatroom. Die Organhändler wurden inzwischen verurteilt, doch Xiao Zheng leidet seit der OP an Nierenversagen. Ein hoher Preis für ein Tablet.

In Neuseeland zog Spencer Sutherland Todd kurzerhand die Notbremse eines fahrenden Zuges, als sein Smartphone beim Fotografieren aus dem Fenster gefallen war. Der Junge nahm in Kauf, dass andere Personen gefährdet werden könnten und dass ein Auslösen der Notbremse den Fahrplan sämtlicher Züge auf der Strecke durcheinander bringen würde. Tatsächlich suchten hilfsbereite Mitarbeiter nach dem Smartphone und brachten es dem Besitzer unter dem Beifall der Mitreisenden zurück, was davon zeugt, dass mehr Menschen als erwartet Verständnis für Todds Reaktion hatten.

Die Gründe für das Verhalten der Teenager in den oben genannten Beispielen lassen sich nur erahnen und ihre Handlungen sind zweifellos emotional und individuell  motiviert. Bei allen uns unbekannten Umständen verbindet sie jedoch eine ungewöhnliche Beziehung zu ihren technischen Begleitern, die möglicherweise gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden.

Erst kürzlich untersuchte NewMediaMetrics die Wertschätzung verschiedener Produkte und veröffentlichte eine Liste der 100 beliebtesten Marken in einem LEAP Index. Marketingstrategisch gesehen ist Apple hier der große Gewinner und konnte neben iPhone und iPod auf Platz Eins und Zwei, dem iPad zu einem fünften Platz verhelfen. Apple selbst liegt auf Platz Neun. Auch wenn die hohe Wertschätzung der Produkte keine eindeutige Erklärung für das Verhalten der Jugendlichen in Brasilien, China oder Neuseeland ist, offenbart die Statistik die allgemeine Bedeutung von Technik für unser Leben, denn unter den Top Ten finden sich ganze sieben Tech-Gadgets.

Der Übergang von einer hohen Wertschätzung zu einem regelrechten Abhängigkeitsgefühl ist dabei sicherlich fließend. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der Stanford University, die das Nutzerverhalten von 200 iPhone-Besitzern analysierte. Betreut wurde das Projekt von der Anthropologin Prof. Tanya Luhrmann, die beobachtete, dass das iPhone in vielen Fällen nicht nur zu einem Teil der eigenen Identität, sondern sogar zu einer Erweiterung des eigenen Körpers wurde. Interessanterweise besaßen 70 Prozent der Studenten ihr iPhone noch nicht einmal ein ganzes Jahr.

Noch streiten Experten, ob Formen derartig stark ausgeprägter Bindungen als Sucht anerkannt werden sollten, da bisher keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen nachgewiesen wurden. Luhrmann plädiert dafür, dass die untersuchten Studenten ihre Smartphones „wirklich mögen“. Zwischen „lieben“ oder „sehr mögen“ mag nur ein schmaler Grad liegen, doch möglicherweise ist es dieser kleine Unterschied, der uns die Grenzen des gesunden Menschenverstandes überschreiten lässt. Wie weit würdest Du für Dein Smartphone gehen?

Bildquelle: Apple.com

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