iTunes wird 10
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Ist es die Revolution des Musikbusiness oder das Ende des stilvollen Musikgenuss? Kaum einer stellt sich heute noch diese Frage, nachdem Apple mit iTunes eine beispiellose Erfolgsstory gestartet hat. Am Sonntag feierte der Musikdienst zehnjähriges Jubiläum. Grund genug, um auf die beeindruckende Geschichte des Portals zurückzuschauen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Am 28. April 2003 erblickte iTunes das Licht der Online-Welt und ermöglichte es uns, unsere Lieblings-Songs fortan 24 Stunden am Tag kaufen zu können, ohne hierfür einen CD-Laden betreten zu müssen. Anfänglich hatte iTunes rund 200.000 Songs im Angebot und warb mit Exklusiv-Titeln von Bob Dylan, Eminem und Sheryl Crow – heute sind es über 35 Millionen Titel, die in 119 Ländern heruntergeladen werden können. Die 435 Millionen registrierten Kunden machen Apple dabei zum größten Musikanbieter weltweit und generierten alleine im letzten Quartal ein Einkommen von über vier Milliarden Dollar. Angesichts der sekundenschnellen Downloads wurden viele nostalgisch und drei Jahre nach dem Launch des Online-Dienstes verkündete die amerikanische Zeitung The Nation den endgültigen Tod der Musik als die Ladenkette Tower Records dem digitalen Angebot erlag. In den vergangenen zehn Jahren wuchs Apples iTunes vom gewagten Experiment zum dominierenden Anbieter von MP3, Videos und Apps. Noch 2004 machte der Anteil digitaler Musikverkäufe in den USA dabei gerade einmal 1,5 Prozent aus, 2012 übertrafen die digitalen Verkäufe mit 40 Prozent knapp die physischen Tonträgerkäufe (39,9 Prozent).

Die Konkurrenz sah sich von dem Geschäftsmodell herausgefordert, doch viele der selbsternannten iTunes-Killer sind inzwischen wieder in der Versenkung verschwunden: So hielt sich AOLs Music Now gerade einmal zwei Jahre von 2005 bis 2007, MTV Urge wurde von Rhapsody übernommen, genauso wie Yahoo Music Unlimited. Derzeit versucht sich Microsoft mit Xbox Music ein Stück von Apples Geburtstagstorte abzuschneiden.

Ein Erfolgsrezept Apples ist dabei sicherlich die Marketingstrategie des Konzerns, denn neben dem Produkt stach Apple in der Vergangenheit stets mit orignineller Werbung heraus. Wahrscheinlich fällt es schwer jemanden zu finden, der die tanzenden Silhouetten nicht sofort als iTunes- und iPod-Werbung identifizieren kann.

Auch die Band The Fray verdankt ihren Durchbruch der Apple Marketingstrategie. So erhielten die ersten iTunes Kunden 2003 die Single Over my Head (Cable Car) als kostenlosen Download und 300.000 Downloads später war die Band in aller Munde.

Doch ist tatsächlich alles so rosig in Cupertino? Tatsache ist, dass der Erfolg der Streaming-Dienste wie Spotify oder Pandora iTunes ein wenig die Feier verderben könnten, doch auch hier plant Apple, bald mit einem eigenen Dienst nachzuziehen. Zwar wollte sich Apple-Sprecher Tom Neumayr gegenüber BusinessWeek zu diesem Thema nicht äußern, doch gehen Experten davon aus, dass der Download-Markt in den nächsten fünf Jahren einen leichten Rückgang erleben wird. iTunes hat eindrucksvoll gezeigt, wie schnell man einen Markt revolutionieren kann, der über Jahrzehnte bestand. Und so können wir auf die Entwicklung der nächsten Jahre gespannt sein.

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