Jackson-Fans sabotieren Amazon – Untouchable
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Kritiker, die schon immer an der Glaubwürdigkeit von Produkt-Reviews auf Portalen wie Amazon gezweifelt haben, dürften sich in der aktuellen Debatte um die Glaubwürdigkeit von Online-Buchkritiken und der großen öffentlichen Kritik an einer neuen Biografie Michael Jacksons mit dem Titel Untouchable bestätigt sehen. Um gegen die Veröffentlichung des Buches zu protestieren, haben sich tausende von Superfans über Facebook organsiert und posten gezielt schlechte Kritiken auf den Seiten von Amazon, Barnes & Noble und Co.

Michael Jackson’s Rapid Respnse Team to Media Attacks forderte seine Mitglieder auf, für ihren Michael zu kämpfen und so sehen sich die Händler einem Dilemma gegenüber. Wie reagiert man auf solche Kritiken, die zum Teil schon vor der Veröffentlichung des Buchs gepostet wurden? Ist dies noch freie Meinungsäußerung oder wird so das Recht auf freie Meinungsäußerung des Autors beschnitten? Fest steht, dass solche Online-Kritiken zur Waffe mutieren und die Verkaufszahlen von Büchern, Elektrogeräten und Filmen empfindlich beeinflussen können. Trevor Pinch der Cornell University warnte gegenüber der New York Times, dass so gezielt Attacken gegen einzelne Bücher gefahren werden könnten, um so etwa die Konkurrenz oder wie in diesem Fall unliebsame Nachrichten und Berichte aus dem Markt zu drängen.

Besonders aufgeregt hat die Fans laut der Times Sullivans Behauptungen, Jacksons unzählige Schönheitsoperationen hätten seine Nase auf die Nasenlöcher reduziert und dass der King of Pop trotz zweier Ehen als Jungfrau gestorben sei. Auf ähnlichem Niveau erfolgt nun auch die Kritik an Sullivan.

Das besondere daran ist nicht, dass absichtlich falsche Reviews auf Amazon gepostet werden. Sowohl der Historiker Orlando Figes als auch der Krimi-Autor R.J. Ellory wurden dabei erwischt, wie sie Konkurrenten schlechte Kritiken verpassten und sich selbst gut bewerteten. So etwas schien jedoch verkraftbar – doch jetzt kommt diese Kritik in bisher ungeahnten Maßstab auf die Seiten zu, organsiert im großen Stil durch die Facebook-Gruppe der Superfans.

Das Problem ist dabei zudem, dass die Echtheit der Kritiken kaum zu überprüfen ist. Schließlich wird nicht offentsichtlich, ob die Nutzer das Werk tatsächlich gelesen haben und die Anonymität des Netztes gibt nur selten Preis, wer der tatsächliche Autor einer Kritik ist.

Hinzu kommt, dass die Nutzer das Buch bei Amazon als schadhaft meldeten, sodass es für einige Tage gänzlich aus dem Verkehr gezogen wurde.

So scheint trotz aller moralischer Bedenken gegen solche Prostest-Lawinen die Gruppe Erfolg zu haben. Von den 16,000,000 gedruckten Exemplaren sind bisher nur wenige tausend verkauft worden. Letztlich gibt es keine Schutz vor solchen Reviews, ganz davon abgesehen, dass es in den meisten Fällen um subjektive Vorlieben gibt und auch professionelle Buckkritiker nicht den Geschmack aller Leser treffen. So hilft nur eins – ein Blick zwischen die Buchdeckel.

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