Kickstarter Erfolg – so machen es die Überflieger
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Crowdfunding heißt auf Deutsch soviel wie „Schwarmfinanzierung“ und ist ein aus den USA stammendes Phänomen, das weltweit immer mehr Beachtung findet. Hierbei handelt es sich um ein besonderes Finanzierungsmodell, bei dem mehrere Geldgeber (die Crowd) das nötige Kapital für ein auf einer Online-Plattform präsentiertes Projekt einsammeln – vorausgesetzt, die Idee kommt gut an.

Im folgenden Artikel stellen wir Euch die Kickstarter-Plattform vor, die nun auch in Deutschland erfolgreich ist, und zeigen drei Erfolgsgeschichten aus den Bereichen Produkt-Design, Technologie und Musik, die unterschiedlicher nicht sein können und doch eins gemeinsam haben: Sie sind gewappnet für den Alltag und bieten dem Nutzer einen echten Mehrwert. „Ausgefallen“ kann zwar kurzfristig faszinieren, doch wahre „Alltagspraxis“ katapultiert ein Startup in beeindruckende finanzielle Crowdfunding-Höhen.

Kickstarter 

Kickstarter ist eine der bekanntesten Crowdfunding-Plattformen, die schon vielen Jungunternehmern als finanzielles Sprungbrett gedient hat. Hier können Künstler, Designer und Entwickler ihre Projekte aus den Bereichen Technologie, Kunst, Comics, Tanz, Design, Fashion, Film, Food, Games, Musik, Fotografie, Theater und Verlagswesen einreichen.

Im März 2014 hat Kickstarter bekanntgegeben, dass die Spendensumme aller Funding-Aktionen, die eine Milliarde-Dollar-Marke überschritten haben. Insgesamt haben sich über 6 Millionen Geldgeber an den Projekten beteiligt. Die Hälfte der Investitionen trudelte allein im vergangenen Jahr ein. Seitdem Start der Plattform im April 2009 konnten über 60.000 Existenzgründungen erfolgreich finanziert werden – das sind über 40 Prozent aller bei Kickstarter eingereichten Projekte. Darunter auch die Pebble-Smartwatch (über zehn Mio. Dollar eingenommen) und die nach der Übernahme durch Facebook jüngst in die Schlagzeilen geratene Augmented-Reality-Brille Oculus Rift (knappe zweieinhalb Mio. Dollar eingenommen). 

The Dash – über 3 Millionen Dollar für smarte Kopfhörer

Ursprüngliches Finanzierungsziel: 260.000 US-Dollar

Eingenommene Summe: 3.390.551 US-Dollar

the dash

 

Screenshot: kickstarter.com/projects/hellobragi/the-dash-wireless-smart-in-ear-headphones

The Dash – ein Konzept für smarte In-Ear-Kopfhörer – ist ein Paradebeispiel für Kickstarter-Finanzierung par excellence. Weit über drei Millionen Dollar hat das Münchener Startup Bragi für seine Idee eingenommen – mehr als das Zehnfache des ursprünglichen Finanzierungsziels. 

The Dash Multifunktions-Kopfhörer können laut Hersteller so Einiges. Die intelligenten drahtlosen Ohrstecker sind knappe 26 Millimeter breit, 25 Millimeter hoch und lassen sich als Headset, Musikspieler oder Fitness-Tracker nutzen. Dank eingebautem Thermometer, optischem und Bewegungssensor werden dem Träger unteranderem Werte zu Herzfrequenz, Laufdistanz oder Schrittgeschwindigkeit angezeigt. Die Daten werden per native App auf dem dazugehörigen Smartphone gesammelt und können anschließend ausgewertet werden. 

Besonders für Sportler bedeutet das praktische Wearable fürs Ohr einen echten Mehrwert durch mehr Bewegungsfreiheit.

Nikolaj Hviid ist gebürtiger Däne und steckt als Gründer des Startups Bragi hinter der Idee, den Kopfhörer-Sektor zu revolutionieren. Während sich in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Smartphones und Wearables eine regelrechte Revolution vollzogen hat, vor allem bei Smartwatches und Datenbrillen, blieben Kopfhörer weitesgehend unbeachtet.  Diese Nische beansprucht Bragi mit The Dash nun für sich. Die Verknüpfung aus Innovation und Alltagstauglichkeit dürfte für den besonderen Erfolg gesorgt haben. 

The Micro 3D-Drucker: erschwinglich, kompakt und intuitiv bedienbar

Ursprüngliches Finanzierungsziel: 50.000 US-Dollar

Eingenommene Summe: 2.943.107 US-Dollar

(Stand: 22. April, Kampagnen-Ende: 7. Mai 2014)

micro

 

Screenshot: kickstarter.com/projects/m3d/the-micro-the-first-truly-consumer-3d-printer

Die Kampagne zur Herstellung eines nur 300 Dollar günstigen und kompakten 3D-Druckers The Micro zählt zweifelsohne zu den Kickstarter-Überfliegern. Die Founder erreichten ihr Ziel von 50.000 Dollar in unglaublichen 11 Minuten. Derzeit haben über 10.350 Geldgeber schon knappe drei Millionen Dollar gespendet.

Vorgestellt wurde der Micro-3D-Drucker schon im Februar 2014. Im April 2014 startete das US-amerikanische Unternehmen M3D LLC die Kickstarter-Kampagne für den 3D-Drucker, der sowohl durch seinen erschwinglichen Preis als auch durch die kleinen Maße (11 x 11 x 12 cm) überzeugt.   

Auch hier ist es die Alltagstauglichkeit, die für diesen spektakulären Erfolg verantwortlich ist. The Micro wiegt rund ein Kilogramm, wird per USB zur Datenübertragung mit einem Mac oder PC verbunden und ist intuitiv bedienbar. Außerdem spielt der Kostenfaktor eine nicht unwesentliche Rolle. The Micro richtet sich nicht nur an Experten, sondern an die breite Masse der Konsumenten, die 3D-Druck für sich entdecken wollen.

The Micro kommt in Silber, Blau, Schwarz, Orange oder Grün daher, verarbeitet 3D-Formate .stl, .obj und .xyz. und kann per Schmelzschichtungsverfahren auch kleine Gegenstände aus Nylon, PLA und ABS formen.  

Bis zum 7. Mai 2014 können die Geldgeber noch ihren Finanzierungsbeitrag leisten. Ab November 2014 können sich die User planmäßig auf die ersten Druckerwürfel freuen. 

Pono: sechs Millionen für Neil Youngs Musik-Player

Ursprüngliches Finanzierungsziel: 800.000 US-Dollar

Eingenommene Summe: 6.225.354 US-Dollar

pono kickstarter

 

Screenshot: kickstarter.com/projects/1003614822/ponomusic-where-your-soul-rediscovers-music

Der kanadische Musiker Neil Young konnte bei Kickstarter mit einem Musikplayer namens Pono überzeugen, der auf besonders hohe Soundqualität setzt. Das anfängliche Finanzierungsziel von 800.000 Dollar wurde bereits am ersten Tag nach dem Kampagnen-Start erreicht und wurde nach dem „finalen Gong“ fast um das Achtfache übertroffen. Über 18.000 Geldgeber haben 6,2 Millionen Dollar an Finanzierungsgeldern für Neil Youngs Musikplayer Pono zusammengekriegt.

Die Erfolgsgeschichte zeigt deutlich, dass die Musik-Streaming-Dienste, die monatliche Abos für Musik aus dem Netz anbieten, zwar immer mehr Nutzer für sich gewinnen können. Allerdings existiert der Nischenmarkt für Musikabspielgeräte in hoher Qualität weiter. Youngs Pono Player ist der Beweis dafür, dass es für solche High-End-Geräte immer noch viele Interessenten gibt.

Die ersten Player sollen bereits im Oktober für 399 Dollar in den Handel kommen. Die Pono-Entwickler setzen auf das qualitativ hochwertige FLAC-Format mit hoher Auflösung, um bessere Soundqualität zu ermöglichen, als es im MP3-Format beispielsweise der Fall ist. Dieses Format hat einen Nachteil – beachtliche Dateigröße. Dementsprechend bietet der Pono Player eine Speicherkapazität von bis zu 128 GB. So können bis zu 5000 Songs auf dem Gerät Platz finden.

Fazit 

Die drei oben gezeigten Beispiele sollen zeigen, dass der Fokus auf die Alltagstauglichkeit der Produkte besonders wichtig für einen Crowdfunding-Erfolg ist. 

Die technische Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran. Unmöglich ist nichts, so scheint es. Besondere Herausforderung für die Hersteller und Designer besteht darin, Technik nicht nur der Technik wegen zu entwickeln. Der Endverbraucher will Innovationen, die sich schleichend in seinen Alltag integrieren, sich intuitiv bedienen lassen und durch hohe Qualität und ansprechendes Design überzeugen.   

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