Kommentar: Re:publica 2014 is over – was bleibt?
Kommentare

Rund 6000 Menschen besuchten in den letzten drei Tagen die re:publica, mehr als 80.000 Tweets zum Hashtag #rp14 wurden abgesetzt, es gab 250 Stunden Programm, 350 Sessions und 18 Bühnen. Aber was bleibt? 

In den Mainstream Medien vor allem zwei Punkte: die Forderung Edward Snowden Asyl zu gewähren und Sascha Lobo. Über letzteren wurde schon ausreichend geschrieben, wie immer scheint seine Rede zur „Lage der Nation“ den größten Einschlag außerhalb der „Netzgemeinde“ gehabt zu haben. 

Edward Snowden, obgleich nicht persönlich anwesend, ist derjenige, um dessen Zukunft sich sehr viele Menschen, Journalisten, Netzweltler und Autoren Gedanken machen. Die Forderung, ihm Asyl zu gewähren ist gerechtfertigt, aber sie besteht vor allem auf der Grundlage, dass davon ausgegangen wird, Snowden sei nicht in der Lage  frei zu sprechen, solange er in Russland lebt. Und Russland ist momentan der noch-nicht-erklärte Feind. Es passt alles sehr gut zusammen – für die Medien. 

Die Regierung will Snowden kein Asyl gewähren und Kanzlerin Merkel sprach das Thema auch, aus welchen spezifischen Gründen auch immer, nicht bei ihrem Besucht in den USA an. Obwohl sie in der Position ist, Präsident Obama zu sagen, dass Grenzen überschritten wurden. Globale Grenzen, die Millionen Menschen geschützt hätten könnten. Grenzen jedoch, die es vielleicht nie gab und nie geben wird, solange es Geheimdienste gibt, die sich im Recht fühlen. Der Wunsch Snowden nach Deutschland zu holen ist ein guter Wunsch. Aber noch besser wäre er, wenn er nicht auf eine Person begrenzt bliebe. Edward Snowden ist, wie tausende Menschen jeden Monat, ein politisch Verfolgter, jemand der das Richtige getan hat, aber dafür nun von mehreren Seiten bedroht und als Verbrecher angesehen wird. Es sitzen weltweit aber weit mehr als nur eine Handvoll Internet-Aktivisten in Haft, wurden getötet, gefoltert und verfolgt. Snowden könnte ein Sinnbild für sie werden, aber solange die Journalisten und ein großer Teil der Netzgemeine weiterhin ignorant bleibt, wird er das nicht. Dann werden die Forderungen verstummen, sobald Snowden nicht mehr in einem als nicht-freiheitlich geltenden Staat lebt.

Die Forderung nach Asyl für ihn trifft zeitlich fast genau auf eine europaweite Debatte über flüchtende Menschen. Auf der einen Seite stehen die Vertreter und Verfechter des Rechts auf Asyl, auf Aufnahme in demokratischen Ländern, diejenigen, die gegen Frontex sind, die der Meinung sind, das alle Menschen, egal aus welchen Gründen sie ihr Heimatland verlassen mussten, ein Recht auf Aufnahme und Schutz haben. Auf der anderen Seite stehen die populistischen Stimmen gegen Migration. Diese postulieren die „Grenzen der Einwanderung“, prophezeien den Untergang demokratischer Staaten, sprechen von Überfüllung und vollen Booten. 

Innerhalb dieses Diskurses könnte sich die Debatte über Snowden verorten. Sie könnte aufzeigen, dass Menschen ein grundlegendes Recht auf Schutz haben. Es geschieht jedoch das Gegenteil. Alle anderen geflohenen und fliehenden Menschen werden weiterhin entweder kriminalisiert oder gar abgeschoben, sterben zu tausenden bei dem Versuch über Grenzen zu gelangen, ob zu Fuß, per Boot oder anderen Transportmitteln. Nur weil sie nicht so medienwirksam und entsprechend den Befindlichkeiten etwas ans Tageslicht gebracht haben. 

 
Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -