Kontaktlinsen werden zu Kameras – Realitäten verschieben sich [Kommentar]
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Gestern wurde bekannt, dass Google ein Patent beantragt, um winzig kleine Kameras in Kontaktlinsen einzubauen. Im Zuge der, zu einem großen Teil negativen, Reaktionen auf Google Glass stellt sich fast zwangsläufig die Frage, was es eigentlich bedeutet, wenn Kameras für Außenstehende unsichtbar in Kontaktlinsen eingebettet sind.

Auf Google Glass können Menschen reagieren, denn diese Form der Waerable Technology ist gut sichtbar und gegen etwas, das gut sichtbar ist, kann man sich wehren, man kann darauf reagieren und sich davon abwenden.
Wenn aber in Zukunft jemand vor uns steht, dessen Kontaktlinsen Fotos und Videos von uns machen können, ohne, dass wir es bemerken, erscheint das im Moment reichlich gruselig.

Eine Post Privacy-Gesellschaft, die keine Geheimnisse mehr kennt

Diese Technologie gibt es in Sci-Fi Filmen und Büchern schon lange, zum Beispiel in der Serie „Continuum“ wird den Polizisten eine permanente und nicht herausnehmbare Linse eingesetzt, die durch Gedanken gesteuert wird und Informationen über Plätze und Menschen preisgibt. Augmented Reality bedeutet dabei, dass Name, Alter, Adresse, Blutgruppe oder Polizeiregister der jeweiligen Person angezeigt werden. Was wäre also, wenn dies in unser echtes Leben eintritt?

Wenn wir nicht mehr in der Lage wären Geheimnisse zu haben, die ohnehin selten sind, in Anbetracht der Tatsache, dass große Unternehmen wie Google durch unsere E-Mails uns sonstige Contents scannen, dass Facebook alles absorbiert, was jemals in diesem sozialen Netzwerk verbreitet wurde, aber nicht abschickten. Wenn Geheimdienste wie die Five Eyes ohnehin alles über uns wissen, da ein sehr großer Teil unseres Leben wenn vielleicht nicht im Internet aber doch mit ihm als ultimatives und beinahe unverzichtbar gewordenes Hilfsmittel stattfindet.

Realitäten verschieben sich

Es ist ein abschreckender Gedanke nicht wissen zu können, ob jemand, den wir in einem Café kennenlernen vielleicht schon längst alle wichtigen Eckpunkte über uns kennt, es verschiebt Realitäten von Bekannt- und Freundschaften. Jede Frage kann beantwortet werden bevor sie gestellt wird und wir wissen nicht mehr, ob derjenige, der uns den Kaffee morgens genauso zubereitet wie wir ihn gern möchten dies noch weiß oder ob es angezeigt wurde oder ob der Geschäftspartner, den wir vor mehreren Monaten einmal trafen, sich wirklich noch unseren Namen und damit an uns, erinnert oder nicht.

Die Toleranz gegenüber Wearable Technology ist momentan sehr hoch, es werden permanent neue Devices veröffentlicht, die in der einen oder anderen Form mit unseren Smartphones verbunden sind, der große Hit sind Geräte verschiedener Art, die zum Teil auch medizinisch relevante Messungen hervorbringen können. Aber diese Toleranz muss zwangsläufig dann sinken, wenn wir uns dieser Realität nicht mehr freiwillig aussetzen, sondern ihr ausgesetzt werden.

Selbst wenn solche Kontaktlinsen in die Massenproduktion gehen, glaube ich nicht, dass sie sich weit verbreiten oder für jeden Menschen zugänglich sein können. Sie werden ein Device einer jungen, digital native, privilegierten und reichen Szene sein, die die Wirklichkeit gern dahingehend vereinfachen möchten und für die heute schon das synchen verschiedenster Geräte das Nonplusultra darstellt, eine Post-Privacy Gesellschaft, die keine Geheimnisse mehr kennt.

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