Lavabit: Chef von Edward Snowdens E-Mail-Provider darf endlich reden
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Anfang August machte der E-Mail-Service Lavabit seine Schotten dicht. Wie schnell ans Licht kam, war NSA-Enthüller Edward Snowden einer der Kunden des angeblich abhörsicheren Dienstes gewesen.

Diese vermeintlichen Verwicklungen führten dazu, dass Lavabit ins Visier der US-Ermittlungsbehörden geriet. Es dauerte nicht lange und Lavabit stellte seinen Dienst ein. Seitdem ist alles, was von der Firma übrig geblieben war, einen offenne Brief des Lavabit Chefs, Ladar Levison, auf der Unternehmens-Website. Darin erklärt Levison nur vage seine Beweggründe und bedauert, dass er wünschte, er könnte erzählen, welche Vorgänge ihn dazu gebracht hätten, Lavabit zu schließen. Spekuliert wurde bereits damals, der Hauptgrund könnten die US-Ermittlungsbehörden sein, die Levison dazu gedrängt hätten, ihnen Zugriff auf die Kundendaten von Lavabit zu gewähren. Doch, so Levison, hielte ihn die US-Gesetzgebung davon ab, alles publik zu machen.

Das hat sich inzwischen geändert. Seitdem ein Bundesrichter vergangenen Mittwoch Akten über die Vernehmung Levisons öffentlich gemacht hatte, verlor eine gerichtliche Haftandrohung, keine Details und Einzelheiten über die Ermittlungen zu erzählen, ihre Wirkung. Levison konnte sprechen – und er tat dies mit der New York Times.

Gegenüber dem Blatt erklärte Levison jetzt, dass das FBI mehr wollte, als nur den zugang zu Edward Snowdens E-Mail-Account. Den hatte er den Behörden auf Basis eines Gerichtsbeschlusses gewährt – so wie auch schon bei zwei Dutzend ähnlich gelagerten Fällen in der Vergangenheit. Diesmal wollte das FBI auch Passwörter, Verschlüsselungs- und Computercodes. Die Anfrage hatte einen derartigen Umfang, das die Behörden damit quasi ungehinderten Zugang zu den geschützten Nachrichten aller Lavabit-Kunden erhalten hätten. Das war zu viel für Levison. Er entschloss sich seine Firma lieber zu schließen, statt das gegenüber den Kunden gemachte Sicherheitsversprechen zu brechen. Levison musste vor einer Grand Jury (Anklagejury aus Geschworenen) aussagen, ihm wurde verboten über den Fall zu reden und er wurde wegen Missachtung des Gerichts zu 10.000 Dollar Strafe verurteilt, weil er seine privaten Verschlüsselungscodes in Papierform und nicht digital übergab. Schließlich wurde ihm noch mit Haft gedroht, sollte er während der Abwicklung seiner Firma zu viel ausplaudern.

Allerdings hatte Levison Lavabit so konstruiert, dass er beispielsweise keine Nachrichten von Nutzern mitloggen konnte. So hätte er im Fall einer gerichtlichen Vorladung und der Aufforderungen E-Mail-Verkehr von Nutzern preiszugeben, keinen Zugriff darauf erhalten – selbst wenn er gewollt hätte.

Inzwischen hofft Levison, dass er sein Unternehmen bald wieder aufleben lassen kann. „Es ging hier nicht nur um eine Person“, erklärt er gegenüber der New York Times. „Es ging darum, was unserer Regierung bereit ist zu tun, um die Internetüberwachung einer Person durchführen zu können.“

Aufmacherbild: Hacking Concept digital information being accessed Foto via Shutterstock / Urheberrecht: clarence s lewis

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