Logobook
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Marken und ihre Logos sind heute allgegenwärtig. Es ist eine Weile her, dass wir Logopräsenz im Stadt- und Straßenbild vor allem mit dem New Yorker Times Square, dem Piccadilly Circus in London oder mit Autorennen in Verbindung gebracht haben. Heute erreichen Logos auch abgelegene Ortschaften, präsentieren sich an unseren Bildschirmen sobald wir online sind, sind in unsere Wohnungen, Kleider- und Kühlschränke eingedrungen und machen selbst vor unseren Körpern nicht Halt. Die Anzahl existierender Logos ist unüberschaubar, aber noch mehr gilt dies für die Häufigkeit ihrer Verwendung.

Im Taschen Verlag ist kürzlich mit dem „Logobook“ ein Buch erschienen, das versucht, einen Überblick über zeitgenössische Markenlogos zu bieten. 776 Seiten hat das gute Stück und bringt knappe 2,5 Kilogramm auf die Waage. Zum (nicht ganz ernst gemeinten) Vergleich: Das Referenzwerk der deutschen Sprache, der Duden, erreicht gerade mal 1.155 Gramm, also auf weniger als die Hälfte. Die Macht der Logos ist groß.

Autor des einzigartigen Nachschlagewerkes ist Ludovic Houplain, Gründer des Pariser Design-Studios „H5“ und einer der Regisseure des Films „Logorama“. Genau in diesem 16-minütigen Kurzfilm, der 2009 erschienen ist und mit dem Oscar als bester animierter Kurzfilm ausgezeichnet wurde, liegt der Ausgangspunkt für die Entstehung des Buches. „Logorama“ hat sein Setting in einem stilisierten Los Angeles und alles in dem Film, von den Figuren über Gegenstände bis zu den Hintergründen, besteht aus Markenlogos der Gegenwart (der sehenswerte Film folgt nach dem Break). Um das Filmprojekt zu realisieren, sammelte Houplain mehr als zwei Jahre lang über 40.000 Logos aus aller Welt.

Logorama from Human Music & Sound Design on Vimeo.

Aus diesem Archiv sind nun fast 7.000 Markenlogos in dem vorliegenden Buch gelandet. Sie sind alphabetisch sortiert und jeweils mit Angaben zur Marke, dem Eigentümer, dem Heimatland, dem Jahr der Erstveröffentlichung, dem verantwortlichen Designer bzw. der Agentur und der Branche versehen. Was die Branchen angeht, existiert keine Begrenzung. Das Buch bietet Logos aus allen erdenklichen Bereichen – so neben den erwartbaren Wirtschaftszweigen auch aus der Kulturindustrie, aus dem Sport und aus der Politik. An einigen Stellen werden auch mehrere Logos einer Marke über die Zeit gezeigt. So wird auch demjenigen, der sich nicht professionell mit Designfragen auseinandersetzt, deutlich, welche Trends und Moden zu welcher Zeit Einfluss auf die Gestaltung von Logos Einfluss hatten, wie Logos ein Redesign erfahren und so dem Zeitgeist angepasst werden oder gar neue Trends einläuten.

Neben den vielen Abbildungen gibt es im „Logobook“ aber auch etwas zu lesen. Es sind zwar nur zwei Texte, die jeweils auf Deutsch, Englisch und Französisch abgedruckt sind, aber diese sind nicht nur erwähnenswert, sondern vor allem lesenswert. 

Zum einen gibt es die sechsseitige Einführung des Autors Ludovic Houplain, in der er die Entstehungsgeschichte des Films „Logorama“ und besonders die Sammlung, Archivierung und Auswahl der Markenlogos schildert. Zum anderen enthält der Band einen achtseitigen Essay, in dem sich der französische Philosoph und Soziologe Gilles Lipovetsky kritisch mit Fragen der Markenkultur, des Konsumverhaltens und der Macht der Marken auseinandersetzt. Dieser Essay ist so aktuell, pointiert und in seiner Analyse treffend, dass er das Buch, das visuell schon begeistert, nicht nur sinnvoll ergänzt, sondern bereichert. 

Logobook auf der Waage
Nicht nur als Bestandteil des Corporate Designs und als Faktor für den Erfolg einer Marke wiegen Logos schwer: Das „Logobook“ bringt knapp 2,5 kg auf die Waage. (Foto: Bastian Krampen)


Fazit

Das „Logobook“ ist ein wahrer Hingucker. Es entlockt dem Leser nicht nur beim ersten Griff ein „Wow“, sondern lässt jeden, der sich für Markendesign und kreative Trends und Moden interessiert, nicht mehr los. Die Fülle an Abbildungen aus den unterschiedlichsten Branchen ist beeindruckend, die Auswahl manchmal überraschend. Der kritische und aufklärende Essay macht das Buch schließlich zu einer richtig runden Sache. Das „Logobook“ kann definitiv als das Nachschlage- und Referenzwerk für die Symbole und Logos unserer Zeit gelten und sollte keinem Kreativen entgehen.

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