Machtansprüche aus Mountain View: Wie Google versucht Android zu kontrollieren
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Die Grundidee hinter Android ist der Open-Source-Gedanke. Jeder kann das Betriebssystem nehmen, weiterentwickeln und eigene Apps dafür schreiben – auch wenn es ursprünglich von einem einzigen Unternehmen, nämlich Google, auf den Markt gebracht wurde. Seit der Einführung des Betriebssystems im Jahr 2007 hat sich die mobile Welt aber weiterentwickelt. War Android damals in der Position des David, der sich gegen den Goliath iOS zur Wehr setzen musste, haben sich die Verhältnisse heute gerade umgekehrt – und Android ist mit rund 80 % Markanteil der unbestrittene Führer im Bereich Smartphones.

Kein Wunder, dass diese geänderte Machtposition zu neuen Ansprüchen bei Google geführt hat – das Unternehmen versucht zunehmend die Kontrolle über das offene Betriebsystem Android zu erlangen und seinen Einfluss sicherzustellen. Wie genau, zeigt der Journalist Ron Amadeo in einem Beitrag auf Ars Technica. Google versucht dabei vor allem den App-Markt zu kontrollieren: Hersteller von Smartphones und die Entwickler von Android-Anwendungen gleichermaßen sollen sich den Richtlinien von Google unterwerfen, das immer weiter versucht, sich zum Mittelpunkt des Android-Ökosystems zu machen.

Verzahnung von offenen und geschlossenen Services

Den Unterschied zwischen „open“ und „closed“ habe es bei Android schon immer gegeben, so Amadeo. Auf der einen Seite das offene Android-Open-Source-Projekt als Basis des Betriebssystems, auf der anderen Seite die von Google entwickelten geschlossenen Apps, wie z. B. Maps oder Gmail. Googles Strategie bestünde inzwischen darin, immer mehr offene Anwendungen von Drittanbietern mit den eigenen geschlossenen Apps und Services zu verzahnen oder diese einfach zu ersetzen.

Beliebt ist beispielsweise das gezielte Umwandeln von ursprünglich offenen Apps in proprietäre Anwendungen. So geschehen bei der Google Search App. Die offene Anwendung existiert weiterhin und kann auch weiter benutzt werden, aber es gibt keine Updates mehr und die App wird zunehmend obsolet. Das von Google betreute Gegenstück wird stattdessen auf dem neusten Stand gehalten mit immer neuen Features und Zusatzfunktionen ergänzt.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Plattform Google Play. Damit können Entwickler bestimmte Google-eigene APIs wie Kartendaten, Clouddienstleistungen oder Messaging Services nutzen. Wollen sie diese in ihre Apps integrieren, müssen sie zwangsweise mit Google kooperieren. Es sei denn, sie entwickeln eigene Alternativen, aber das kostet Zeit und Geld und ist in manchen Fällen, z. B. Kartendaten, schlichtweg nicht tragbar.

Anschauen erlaubt, Anfassen verboten

Außerdem dürfen Hersteller von Android-Smartphones oder -Tablets Google-Anwendungen nicht automatisch benutzen, sondern müssen diese erst lizenzieren. Diese Lizenz hat ihren Preis: Google will, dass potentielle Partner Mitglied in der Open Handset Alliance (OHA) werden, eine Vereinigung von Firmen, die Android unterstützen. Damit ist man aber vertraglich an Google gebunden und bedarf der Zustimmung des Unternehmens, wenn man Android-Geräte verkaufen will. Acer wollte beispielsweise vor einiger Zeit Geräte vertreiben, die mit dem alternativen Betriebssystem Aliyun laufen. Wegen seiner Mitgliedschaft in der OHA wurde es von Google aber aufgefordert, den Verkauf  zu unterlassen, wenn es den Zugang zu Googles Apps nicht riskieren wolle.

Insgesamt stimmt Romeos Schlussfolgerung nicht gerade optimistisch: Android sei zwar noch zu einem gewissen Grade offen, aber eher im Sinne von „Anschauen erlaubt, Anfassen verboten.“ Entwickler, die ernsthafte Alternativen zu den Google-Dienstleistungen anbieten wollten, hätten es zunehmend schwer, da ihnen der Internetkonzern immer neue Hürden in den Weg lege und alles daran setzte, ein Ausbrechen aus den engen Vorgaben des Unternehmens zu verhindern.

 

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