Marktwert von Rocket Internet mit Image-Clip gepuscht?
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Rechtzeitig zum geplanten Börsengang von Rocket Internet stellt sich der Inkubator mit einer Image-Kampagne selbst ins Rampenlicht eines siebenminütigen Videos, um sein häufig in der Kritik stehendes Geschäftsmodell zu bewerben. Seriosität, Know-How, und wirtschaftlicher Weitblick sind hinsichtlich der Börsenauflagen sicherlich von Vorteil. Also hat Rocket Internet einen Clip produziert, ganz nach dem Motto: „wir sind die Plattform für Firmengründer; schaut euch den Markt an, den wir außerhalb von China und den USA dominieren, hier sind die Erfolgsbeispiele.“

Clip für ein erfolgreiches Geschäftsprinzip mit kleinen Mängeln

Schnelle Bilderfolgen aus aller Welt mit griffigen Statements der jeweiligen Firmenleiter und Gründer von Rocket Internet folgen auf Einblicke in die Logistikzentren von Zalando und Lamoda. Die Musik prasselt in der Dauerschleife vor sich hin, während man die eroberten Märkte  in den Bereichen Ecommerce, Marketplace und Financial-Tech bestaunt. Und ehrlich gesagt: so piefig der Clip teilweise zusammengeschnipselt wirkt, und auch wenn man sich bei Oliver Samwers englischem Akzent gern ein Schmunzeln verkneifen möchte, muss man den Rocket-Jungs zugute halten, dass sie ordentlich etwas auf die Beine gestellt haben.

Ist Rocket Internets Geschäftsmodell wirklich nachhaltig?

Vor dem Börsengang geht das Unternehem bereits davon aus, dass der Marktwert höher als bei vielen vergleichbaren Dax-Unternehmen wie der Lufthansa eingeschätzt werden könnte, heißt es auf gründerszene.de6,2 Milliarden könnten ein Anfang sein. Alexander Straub, Internetinvestor sowie Gründer und CEO der Empora Group GmbH sieht bereits dem Börsengang Zalandos kritisch entgegen und beanstandet, dass das Geschäftsmodell des Moderiesen nicht wirklich nachhaltig in der heutigen Zeit sei. „Die Anzahl der Einkäufe sowie der zu geringe und nicht wachsende Warenkorb-Wert verhindern eine gewinnbringende Investition“ – davon ausgehend, dass ein Kunde im Schnitt  2,7 mal im Jahr für rund 63 Euro bei Zalando einkaufe. Der Shareholder-Anteil belaufe sich, so Straub, auf umgerechnet 430 Euro bei 13 Million Kunden, die in den letzten 12 Monaten einkauften. Auch diese Aussage ist mit Vorsicht zu genießen. Natürlich ist Zalando nur ein Rad im großen Räderwerk des Inkubators, doch sollte der Börsengang von Rocket Internet trotzdem nicht zu euphorisch begangen werden.

Rocket Internet baut Firmen wie am Fließband

Und auch die Geschäftsführung, darunter Dr. Johannes Bruder, COO bei Rocket Internet, und Group Managing Director Alexander Kudlich machen einen erstaunlich offenherzigen Eindruck, wenn sie über ihr Geschäftsmodell räsonieren. So ist die Rede von einem standardisierten Firmengründungsprozess, der einer Produktion wie in einer Fabrik gleich komme. Die wichtigste Unternehmensparole scheint dabei zu sein, dass sie allen Menschen in der Welt den gleichen Zugang zu Produkten und Technologie bieten wollen – außerhalb von China und den USA versteht sich. Das seien allein 75 Prozent aller potenziellen User.

Passen Werbeabsicht und Zuschauerwirkung zusammen?

Ob der Image-Clip seine gewünschte Wirkung entfaltet, bleibt abzuwarten und wird jedem Zuschauer selbst überlassen. Das Konzept von Rocket Internet wird auch ohne das Werbefilmchen aufgehen. Interessant ist es trotzdem zu sehen, wie sich das Unternehmen gerne selbst sehen möchte. Hier geht’s zum Rocket-Internet-Video.

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