Maus-Erfinder Doug Engelbart verstorben, Interface-Wandel geht weiter
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Der Vater der Computermaus und Pionier des digitalen Zeitalters, Douglas Carl Engelbart, ist gestern im Alter von 88 Jahren verstorben. Bereits 1963 erfand Engelbart die Computermaus – immerhin stolze zehn Jahre vor der Erfindung der grafischen Benutzeroberfläche im Jahre 1973. Und es dauerte weitere zehn Jahre, bis 1983 mit dem Apple Lisa einer der ersten Personal Computer mit Maussteuerung und grafischer Benutzeroberfläche auf den Markt kam.

Mensch, Maschine und Webdesign

Mit seiner Erfindung eröffnete Engelbart ganz neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Maschine. Mit dem Fortschritt des Internets sowie einer neuen Generation vom Computernutzern, die an grafische Benutzeroberflächen gewöhnt war, entfaltete Engelbarts Erfindung neue kreative Einsatzmöglichkeiten. Anfang der Neunziger kamen die ersten Mäuse in die Läden, die ein zusätzliches Scrollrädchen aufwiesen, und optimierten die Handhabung der User Interfaces zusätzlich.

Heute kennen wir im Webdesign verschiedene Scroll-Techniken, die die User Expierence verbessern: Infinite-Scroll-Pages, auf denen sich der User „endlos“ durch Suchergebnisse scrollen kann oder Parallax Scrolling-Effekte, bei denen sich verschiedene Elemente einer Seite zeitverzögert bewegen und dadurch den Eindruck von Tiefe vermitteln.

Wie die Maus verstummte

Engelbarts Computermaus läutete eine neue Evolutionsstufe in der Handhabung von Computern ein und löste komplizierte Command Line Interfaces wie das von MSDOS ab: Erstmals waren Nutzer ohne Fachkenntnisse in der Lage, Computer zu bedienen, weil grafische User Interfaces in Kombination mit einer Computermaus die Orientierung erleichterten. Immer mehr Menschen begannen, mit PCs zu arbeiten, und trieben die Entwicklung weiter voran.

Mobile Endgeräte, wie Smartphones oder Tablets, verdrängen nun langsam aber stetig Engelbarts gute alte Computermaus. Das erste iPhone kam 2007 auf den Markt und lehrte uns das Tappen, Pinchen oder Spreaden. Das charakteristische „Klick“-Geräusch der Computermaus verhallte in den vergangenen sieben Jahren immer mehr und wurde gegen Fingergesten ersetzt.

Graphical User Interfaces, mit denen wir im prämobilen Zeitalter sozialisiert wurden, werden gegen Natural User Interfaces ersetzt.

gesten

© Software & Support Media

Während man früher eine Seite per Scrollleiste und Maus erkundet hat, wischt man heutzutage auf mobilen Endgeräten mit einer einfachen Geste nach unten. Das Multitouch Display ist nun Maus, Tastatur und Bildschirm in einem. Ältere Menschen und Kleinkinder müssen nicht erst die Hand-Augen-Koordination erlernen um auf Webseiten navigieren zu können, sondern berühren intuitiv das auf dem Display, was sie interessiert.

Damit haben wir die Schwelle einer weiteren Entwicklungsstufe in der Nutzung von Computern überschritten. Ähnlich wie Engelbarts Maus, sorgen intuitive Gesten dafür, dass immer mehr Menschen verschiedenen Alters und Bildungsgrades Zugang zu digitaler Technologie erhalten.

Die nächste Stufe der intuitiven Bedienung von komplexen Technologien ist bereits eingeläutet: Sprachbefehle werden Gesten auf lange Sicht ablösen – Apple, Google und Co. arbeiten bereits fieberhaft daran.

Am Anfang dieser Entwicklung steht aber Engelbarts Erfindung der Computermaus. Er gab uns das Werkzeug an die Hand, mit dem wir die Welt der Bits und Bytes erkunden und weiterentwickeln konnten.

Bildquelle Featurebild: S&S Media, Urheber Athanassios Danoglidis

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