Mein Leben ohne Facebook: Tag 1
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Na das ging ja gut los mit dem Facebook-Experiment. Kaum auf „Facebook Konto löschen“ geklickt, stellte ich schon erste (gravierende!) Einschränkungen in meinem Leben fest. Mein Spotify-Account, wohlgemerkt kostenpflichtige Premium-Version, ist ohne die Verknüpfung zu meinem Facebook-Profil ein Krüppel und funktioniert nicht – super-GAU! Denn damals hatte ich aus Bequemlichkeitsgründen Spotify mit einem schnellen „über Facebook anmelden“ aktiviert. Somit habe ich nun keinen Zugriff auf meine mit Liebe erstellten Playlisten, die mich musikalisch über den Tag tragen.

„Ich kann aber nicht garantieren, dass Spotify dann wie gewohnt inkl. aller Sozialen Features funktioniert.“

Eine E-Mail an Spotify-Support bestätigte meine Befürchtungen: „(…) Vielleicht gibt es eine Lösung für Dein Problem, ich kann aber nicht garantieren, dass Spotify dann wie gewohnt inkl. aller Sozialen Features funktioniert. Aber zumindest solltest du Zugriff auf deine Musik haben. Kannst Du Dich noch an Dein Passwort erinnern?“. Nein, kann ich leider nicht. Meine Playlisten werden in den kommenden zwei Wochen meine Abonnenten abspielen, ich genieße währenddessen die klanglose Stille.

„Ksenia, geht es dir gut? Bist du nicht mehr bei fb???“

Einem (!) meiner 647 Facebook-Kontakte ist es nach einem Tag aufgefallen, dass mein Profil nicht mehr aktiv ist. Dann kam schon die besorgte Nachricht – WhatsApp diente hier als Kommunikationsmedium – was denn mit mir los sei und warum ich nicht mehr bei „fb“ bin. Gut, dass es zumindest jemandem aufgefallen ist, dass ich meine Existenz beim Herrn Zuckerberg kurzerhand beendet habe.

Keine Ehe mit Max Müller

Meine Oma macht sich währenddessen keine Sorgen. Nicht, weil sie „zu alt“ für Facebook ist. Nein, ganz im Gegenteil. Meine Oma ist mit großer Wahrscheinlichkeit die aktivste Person aus meiner Freundesliste. Sie war der erste und auch der einzige Mensch, den ich vorsichtshalber angerufen habe, um wegen meinem plötzlichen Verschwinden aus Facebook Entwarnung zu geben. Denn sie nutzt zwar Facebook wie alle anderen auch, doch mit einer Ernsthaftigkeit, die wir nur aus reelem Leben kennen. Vor einiger Zeit bekam ich einen Anruf von ihr:

„Du, sag mal, wer ist denn Max Müller*?“

„Ich weiß es nicht, Oma, warum?“

„Deine Schwester ist mit ihm seit gestern bei Facebook befreundet. Ich bin davon ausgegangen, dass du weißt, wer er ist.“

„Nein, Oma, ich weiß es nicht. Ich kenne auch nicht jeden aus meiner FB-Freundesliste persönlich. Mache dir keine Sorgen, die beiden werden sicherlich nicht heiraten.“

Gestern saß ich bei einem IPA-Bier im Mauerpark mit einer Freundin. Wir trinken beide gerne Craft Beer und die Indian Pale Ales sind unsere Favoriten. Ich habe ein Foto von den drei schönen Flaschen gemacht, ihre Reaktion: „Schade, dass du es nicht bei Facebook posten kannst.“ Kann ich nicht, stimmt, das Bier schmeckte mir trotzdem vorzüglich und keiner aus dem Facebook-Universum hat es mitgekriegt.

Morgen gibt es mehr aus meinem Facebook-losen Leben.

 

*Name von der Redaktion geändert

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