Microsoft kauft Nokia. Was heißt das für Android?
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Ihr habt es sicherlich schon gehört: Microsoft hat die Smartphonesparte von Nokia übernommen. Für die bescheidene Summe von 5.4 Milliarden Euro (allein der Kauf von Skype hatte sich Microsoft 6.3 Milliarden kosten lassen) geht die Nokia-Abteilung „Devices & Services“ an Microsoft, das damit selbst zum Hersteller von Smartphones wird.

Die Details zum Deal können Sie bei den Kollegen von Windows Developer nachlesen. Da die Übernahme indes den gesamten Mobile-Markt betrifft, wollen wir hier der Frage nachgehen, was der Deal für Android bedeutet. Setzt Microsoft Mountain View nun in Zugzwang?

Zunächst einmal ist der Vorgang mit Googles Übernahme der Motorola Smartphone-Abteilung zu vergleichen. 2011 hatte Google 12.5 Milliarden US-Dollar für Motorola Mobilityhingelegt und sich damit in die Riege der Handy-Hardware-Hersteller geschossen. Damals gingen auch 17.000 Patente an den Suchgiganten, sodass der Deal zum Teil als Absicherung verstanden wurde, um in den tobenden Patent- und Urheberrechtsschlachten vor Gericht bessere Karten zu haben.

Der andere Teil des Deals brachte Google ein schwächelndes Hardware-Unternehmen ein, fernab der legendären „Google-Kultur“, sodass viele Kommentatoren damals skeptisch reagierten. Nun präsentierte Google Anfang August 2013 tatsächlich den ersten Hardware-Sprössling aus eigenem Hause: Das Moto X genannte Smartphone will mit zeitgemäßer Ausstattung, einer Always-on-Funktion für Apple Siri-ähnliche Effekte und innovativen Personalisierungsmöglichkeiten trumpfen.

Als größten Vorteil des Moto X könnte sich indes das Label „Made in USA“ erweisen, das im patriotischen USA einen Image-Gewinn bedeutet. In jedem Fall ermöglichte der Motorola-Erwerb eine enge Verzahnung zwischen Hardware und Software und damit eine Annäherung an die viel gelobte iPhone-User-Experience. „Google’s now playing in Apple territory“, kommentierte deshalb CNNMoney.

Eine solche verbesserte Abstimmung zwischen Hardware und Software ist nun auch bei den Lumia-Smartphones aus der Microsoft-Nokia-Union zu erwarten. Nicht dass die Lumias der Vergangenheit gegenüber der Konkurrenz hier unbedingt qualitativ abgefallen wären. Dennoch ist es Microsoft nicht gelungen, die Marktvorherrschaft von iPhone und Android auch nur anzukratzen (die Marktverteilung liegt laut IDC bei Android 79%, iOS 13%, Windows Phone 3.7%, BlackBerry OS 2.9%). Microsoft muss sich also sowohl in puncto Hardware als auch in Sachen OS und Services einen Vorteil herausarbeiten. Die Nokia-Übernahme bietet die Voraussetzung dafür.

Die Patentfrage wird im Microsoft-Deal nicht im Vordergrund gestanden haben. Microsoft zahlt zwar 1,65 Milliarden Euro für die zehnjährige Nutzung des finnischen Patent-Portfolios. Bei der engen Allianz der letzten 2,5 Jahre war die Patentfrage aber auch nie ein wirkliches Problem gewesen.

Interessanter ist die neue Situation der Windows Phone OEMs. Hersteller wie HTC, Samsung und Huawei hatten, neben ihren Android-Geräten, immer auch Windows Phones im Angebot. Mit diesen Partnern tritt Microsoft nun gewissermaßen in offene Konkurrenz. Zwar versucht Terry Myerson, Microsofts neuer Leiter der Operating-Systems-Engineering-Abteilung, die Lizenz-Partner in einem Blogpost zu beruhigen: Man wolle Windows Phone auch weiterhin lizenzieren und die OEMs hier in keiner Weise vernachlässigen. Doch schon vor der Nokia-Übernahme hatten sich Windows-Phone-Lizenznehmer unzufrieden gezeigtmit der vorherrschenden Stellung Nokias im Windows-Phone-Bereich. Große Umsätze waren (und sind momentan) mit den Windows-Phone-Endgeräten ohnehin nicht zu erzielen – niedrig also die Schwelle für HTC, Samsung & Co., das Kachelbusiness gleich ganz fallen zu lassen und sich voll auf Android zu konzentrieren.

Möglicherweise steuern wir also auf eine Welt zu, in der Googles Android weiterhin als lizenziertes OS auf einer Vielzahl von Geräten diverser Hersteller zu finden sein wird, während iPhones und Windows Phones exklusive Apple- bzw. Microsoft-Produkte sein werden. Welche Auswirkungen das haben wird, bleibt freilich abzuwarten. Android ist indes in einer derart dominanten Position, dass es die Dinge getrost einmal abwarten kann. In Mountain View wird man die Nachricht der Übernahme also gelassen aufgenommen haben: Microsoft buys Nokia? Let’s switch to something really important!

Aufmacherbild: PRAGUE, CZECH REPUBLIC – NOVEMBER 26: Microsoft Corporation headquarter, November 26, 2012 in Prague, Czech republic. Microsoft announces opening new 78 stores in the world within 2 years. von Shutterstock / Urheberrecht: Peteri 

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