Mobile-Business-Apps – 10 Tipps für eine erfolgreiche Mobilitätsinitiative
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Immer mehr Unternehmen versuchen, das Potenzial mobiler Apps für ihr Geschäft zu nutzen. Neben mobilen Apps für Kunden (B2C), mit deren Hilfe existierende Services mobilisiert sowie neue innovative Services angeboten werden können, sind zunehmend mobile Apps für Geschäftspartner (B2B) und die eigenen Mitarbeiter (B2C) in der Diskussion, um deren tägliche (Zusammen-) Arbeit zu verbessern. Generell sprechen wir hier von Mobile-Business-Apps oder Enterprise-Apps. 

Eine Mobile-Business-/Enterprise-App ist eine mobile Applikation zur professionellen Nutzung im Businessumfeld, die in eine bestehende IT-Infrastruktur integriert ist und von einem mobilen Gerät wie Smartphone oder Tablet-PC aus in einer Geschäftsumgebung genutzt wird. Mobile-Business-Apps unterstützen den Anwender bei der Erledigung ihrer mobilen Business-Tasks und zeichnen sich durch einen klaren und limitierten Funktionsumfang aus. In diesem Sinne ist eine Mobile-Business-App nicht eine vom Desktop auf ein mobiles Gerät transferierte Applikation, sondern eine spezielle, maßgeschneiderte Lösung für mobile Endgeräte, durch die ausgewählte Business-Tasks beziehungsweise Ausschnitte aus Geschäftsprozessen mobilisiert werden.

Wer das Thema Mobile-Business-Apps systematisch angehen möchte, der startet eine Mobilitätsinitiative. Eine Mobilitätsinitiative ist ein strategisches Projekt, das üblicherweise Management, ausgewählte Business Units und die Unternehmens-IT mit einbezieht, um eine Mobilitätsstrategie für ein Unternehmen zu entwickeln. Im Rahmen einer Mobilitätsinitiative beziehungsweise durch eine Mobilitätsstrategie muss eine Vielzahl von Fragen beantwortet werden, um in Zukunft erfolgreich Mobile-Business-Apps entwickeln und einsetzen zu können. Im Folgenden werden zehn dieser Fragen genauer erläutert.

1. Was sind die Ziele der Mobilisierung Ihres Unternehmens?

Mobilisierung ist kein Selbstzweck, sondern muss konkret zu den unternehmerischen Zielen beitragen. Diese Ziele können sehr vielfältig sein und reichen von Einsparung von Kosten, Erhöhung der Produktivität bis zu Imagegewinn und verbesserter Markenpositionierung. Grundsätzlich kann der Einsatz mobiler Geräte und maßgeschneiderter Mobile-Business-Apps zu vielen dieser Ziele beitragen. Eine klare Definition der Ziele der Mobilisierung eines Unternehmens ist aber essenziell, um eine detaillierte Analyse des Mobilitätspotenzials und die Suche nach App-Ideen fokussieren zu können.

2. Welches sind die Rollen, Aufgaben und Geschäftsprozesse mit dem größten Mobilitätspotenzial?

Nicht jede Rolle, Aufgabe und jeder Geschäftsprozess hat ausreichend Mobilitätspotenzial, um den Erwerb von mobilen Geräten und Apps beziehungsweise die Entwicklung maßgeschneiderter Mobile-Business-Apps zu rechtfertigen. Daher muss im Rahmen einer Mobilitätsinitiative eine Mobilitätspotenzialanalyse erfolgen. Im Rahmen einer solchen Analyse werden ausgewählte Rollen, Aufgaben und Geschäftsprozesse dahingehend untersucht, wie mobil die beteiligten Personen sind, das heißt, ob sie häufig zwischen Büros, Besprechungsräumen, Standorten, zu Kunden etc. unterwegs sind, und ob es Aufgaben und Prozessschritte gibt, die sinnvoll unterwegs durch eine Mobile-Business-App unterstützt werden können. Basierend darauf kann evaluiert werden, ob ein ausreichend großer Effekt hinsichtlich der unternehmerischen Ziele zu erwarten ist, das heißt, ob beispielsweise Aufgaben schneller erledigt, Wartezeiten reduziert und Geschäftsprozesse beschleunigt werden können etc.

3. Sollen sowohl vom Unternehmen bereitgestellte als auch private mobile Geräte (BYOD) eingesetzt werden?

Viele Mitarbeiter sind ggf. bereit, ihre privaten mobilen Geräte auch beruflich zu nutzen. Somit besteht für ein Unternehmen die Möglichkeit, die Investitionskosten im Rahmen einer Mobilitätsinitiative zu reduzieren, und maßgeschneiderte Mobile-Business-Apps schnell einer großen Anzahl an Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Dies erfordert aber die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen, die im Rahmen einer Mobilitätsinitiative frühzeitig angegangen werden sollten. Dazu zählen typischerweise die Anpassung entsprechender Security-Policies, Evaluierung von technischen Möglichkeiten zur Trennung privater und geschäftlicher Daten auf dem mobilen Gerät etc.

4. Welche Apps bieten den größten Mehrwert für das Unternehmen und die Benutzer?

Basierend auf den Ergebnissen einer Mobilitätspotenzialanalyse müssen konkrete Ideen für Mobile-Business-Apps entwickelt werden, um die Rollen, Aufgaben und Ausschnitte aus Geschäftsprozessen mit dem höchsten Mobilitätspotenzial geeignet zu unterstützen. Die Ideenfindung kann durch Kreativitätsworkshops unterstützt werden, in denen Technologieexperten und Benutzer gemeinsam Lösungsideen erarbeiten. Dies führt in der Regel zu einer ganzen Reihe von verschiedenen Apps, die dann hinsichtlich der Ziele der Mobilisierung priorisiert und in einem geplanten App-Portfolio festgehalten werden.

5. Welche mobilen Plattformen und welche Geräteklassen sollen unterstützt werden?

Die Entscheidung, welche mobilen Plattformen (iOS, Android, Windows Phone etc.) und welche Geräteklassen (Smartphone, Tablet) unterstützt werden sollen, beeinflusst maßgeblich die Technologieauswahl und das Vorgehen bei der Umsetzung. Wesentliche Einflussfaktoren auf die Entscheidung sind beispielsweise die Zielgruppe einer Mobile-Business-App und die dortige Verbreitung der jeweiligen mobilen Plattform oder Geräteklasse (das ist insbesondere im B2C- und im BYOD-Fall relevant), aber auch technische Möglichkeiten und Einschränkungen der mobilen Plattformen. Je mehr verschiedene Plattformen und Geräteklassen adressiert werden sollen, desto eher kommt ein Cross-Plattform-Entwicklungsansatz aus Kosten- und Effizienzgründen in Frage. Im Falle einer Einschränkung der unterstützen Plattformen ist eine native Entwicklung oder zumindest hybride Lösung aus Gründen einer dann oftmals höheren (nativen) Usability/User Experience zu bevorzugen. Im Fall von B2B- und B2E-Apps ist oftmals die Anzahl der unterstützten mobilen Plattformen stark eingeschränkt.

Aufmacherfoto: © iStockphoto.com/courtneyk

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6. Welche Backends sind wie betroffen?

Erfahrungsgemäß werden die auf Backend-Seite anfallenden Kosten im Fall von Mobile-Business-Apps unterschätzt. Nicht selten fließen letztendlich bis zu 80 Prozent des Projektbudgets für eine Mobile-Business-App in die Vorbereitung und Anpassung der Backends, mit denen die App interagiert. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die oft langlebigen Backend-Systeme ursprünglich nicht für die Nutzung durch mobile Geräte konzipiert wurden. Daher sollte frühzeitig analysiert werden, welche Backends mit geplanten Mobile-Business-Apps interagieren müssen, ob deren Schnittstellen für die Anbindung mobiler Geräte geeignet sind, welche Anpassungen notwendig sind und welche neuen Schnittstellen, Services und Daten gegebenenfalls zur Verfügung gestellt werden müssen.

7. Welches Look and Feel und welche Interaktionskonzepte sollen App-übergreifend umgesetzt werden?

Aus Gründen der Usability/User Experience und des Brandings von Mobile-Business-Apps empfiehlt es sich, ein möglichst einheitliches Look and Feel und einheitliche Interaktionskonzepte App-übergreifend durchzusetzen. Dadurch können unter anderem ein Wiedererkennungswert geschaffen, die Einarbeitungszeit für die Benutzer reduziert und auch Bedienungsfehler vermieden werden. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass im Falle der Unterstützung verschiedener mobiler Plattformen die jeweiligen nativen UI-Elemente und Richtlinien verwendet werden sollten, da dies von den Plattformanbietern gefordert wird. Ferner erwarten Benutzer, die mit den Elementen der jeweiligen Plattform vertraut sind, diese über App-Grenzen hinweg wiederzufinden. Es empfiehlt sich daher, in einem individuellen Styleguide Vorgaben zu machen, wie Mobile-Business-Apps eines Unternehmens gestaltet sein sollten, das Ganze wenn möglich im Einklang mit den Richtlinien der Plattformanbieter.

8. Welche Architekturvorgaben sollen für die Apps gemacht werden?

Mobile-Business-Apps bringen wiederkehrende Architekturanforderungen mit sich, die im Kontext jeder App eines Unternehmens wenn möglich einheitlich und konsistent adressiert werden sollten. Beispielweise sollte die Anbindung ans Backend einheitlich gelöst sein, die Umsetzung des oftmals verwendeten Model-View-Controller Patterns und auch spezielle Features wie Offline-Modus, falls dieser gewünscht und notwendig ist. Dazu sollten für das geplante App-Portfolio Architekturanforderungen erhoben und Lösungsvorschläge erarbeitet werden, die dann von den Teams, die die konkreten Apps entwickeln, wiederverwendet werden können. Zu diesen Lösungsvorschlägen zählen auch Technologieempfehlungen zur Umsetzung der Apps.

9. Welche Prozesse, Methoden und Tools sollen für das Engineering der Apps genutzt werden?

Mobile-Business-Apps werden in geschäftskritischen Szenarien eingesetzt. Das bringt hohe Qualitätsanforderungen mit sich und erfordert Systematik bei deren Umsetzung. Speziell Usability/User Experience und Security gehören zu den essenziellen Qualitätseigenschaften in diesem Kontext. Es existieren mehr und mehr maßgeschneiderte Prozesse, Methoden und Werkzeuge für das Software-Engineering von Mobile-Business-Apps. Bei deren Auswahl sollte darauf geachtet werden, dass sie den Endbenutzer stark einbeziehen, leichtgewichtig sind, ein iteratives und inkrementelles Vorgehen beinhalten und die verschiedenen Disziplinen des Software-Engineering wie Requirements Engineering, Interaktionsdesign oder Architektur eng miteinander integrieren.

10. Was ist an Support durch die Unternehmens-IT notwendig?

Die Mobilisierung eines Unternehmens kann nur in enger Abstimmung mit der Unternehmens-IT durchgeführt werden. Die IT-Infrastruktur eines Unternehmens muss frühzeitig auf den Einsatz mobiler Geräte vorbereitet werden. Das beinhaltet Fragen der sicheren Integration der Geräte in das Unternehmensnetzwerk, möglicherweise die Einführung einer Mobile-Device-Management-Lösung, aber auch die Beschaffung von Mobilgeräten sowohl für den Produktions- als auch für den Entwicklungs- und Testbetrieb. Zudem ist die Bereitstellung der notwendigen Entwicklungswerkzeuge und im Falle der Eigenentwicklung die Mitgliedschaft in verschiedenen Entwicklerprogrammen der Anbieter mobiler Plattformen zu organisieren.

Die diskutierten Fragen basieren auf Erfahrungen aus Industrieprojekten am Fraunhofer IESE in den letzten drei Jahren. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie kann aber als solide Grundlage bei der Planung einer Mobilitätsinitiative dienen. Weitere Hilfestellungen und Tipps beim Software-Engineering von Mobile-Business-Apps gibt die App „Engineering Software“ von Fraunhofer IESE, die kostenlos im Apple App Store erhältlich ist.


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