Mobile-Projekte erfolgreich umsetzen [MobileTech Con 14]
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Das Berliner nHow Hotel mit dem schönen Spree-Blick und dem bunten Innendesign steht seit dem vergangenen Montag ganz im Zeichen der Mobile-Entwicklung. Denn hier findet gerade die zum 9ten Mal ausgerichtete MobileTech Conference statt, die Experten der Mobile-Branche für drei Tage in der deutschen Hauptstadt versammelt.

Matthew Langham, Mitgründer und Geschäftsführer der Indiginox GmbH, unabhängiger Berater, Dozent und Buchautor, der sich schwerpunktmäßig mit Themen rund um die Mobile-Entwicklung beschäftigt, hat auf der MobileTech Con einen spannenden Vortrag zum Thema: „Warum scheitern Mobile-Projekte“ gehalten und dabei besonders auf die Risiken hingewiesen, die bei der Entwicklung mobiler Anwendungen oft übersehen werden.

Warum scheitern Mobile-Projekte? 

Die Antwort auf diese scheinbar so komplizierte Frage ist nach Ansicht des Experten denkbar einfach. Mobile-Projekte scheitern oft daran, dass diese schlicht und ergreifend in der Umsetzung schwieriger sind, als es anfänglich aussieht. Nach dieser Einführung bedankt sich Matthew und wünscht allen noch einen schönen Tag. Vortrag nach zwei Minuten schon vorbei? So einfach ist es dann auch nicht.

Während die Technik funktioniert, scheitert die Kommunikation 

Die meisten IT-Projekte, wie wir in einem anderen Artikel von Projektcoach Judith Andresen bereits gelesen hatten, scheitern meist daran, dass miteinander nicht geredet wird. Nicht an den Produkt-Fehlern. Auch bei Mobile-Projekten sieht es nicht anders aus. Auch hier kann mangelhafte und zum Teil auch fehlende Kommunikation zum unweigerlichen Scheitern des Projektes führen.

Think First statt nur Mobile First

Google-Chairman Eric Schmidt sagte mal „Mobile First“ und meinte damit die Anpassung der Technologie an die immer mobiler werdende Gesellschaft. Nachrichten werden schnell von unterwegs über das Smartphone gelesen, E-Mails gescheckt, im Internet gesurft und so weiter. Deswegen macht die „Mobile First“ Ausrichtung immer mehr Sinn.

Matthew Langham sagt: Bevor man den „Mobile First“-Ansatz umsetzt, ist „Think First“ an der Reihe. Mobile-Projekte, die aus der Laune heraus nach dem Prinzip: „Macht doch mal eine schöne App“ umgesetzt werden, sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn die Planung und die Vorbereitung eines Projektes sind oft zeitaufwändiger und erfolgsbestimmender als die Umsetzung selbst.

Will man wirklich eine App?

Bevor ein Unternehmen sich für eine eigene App entscheidet, muss immer in Frage gestellt werden, ob man denn überhaupt eine App braucht. Wo sind die Unterscheidungsmerkmale der App? Handelt es sich vielleicht einfach um eine „Me too“ App. Hat man bereits eine Zielgruppe für die Anwendung im Blick und weiß, was diese möchte? Welche Devices nutzt die Zielgruppe? In welchem Umfeld bewegt sie sich? Diese Fragen müssen vor der Implementierung beantwortet werden, damit man Aussichten auf Erfolg haben kann. Die Zeiten, als jeder „einfach mal eine App entwickeln“ wollte, sind schon lange vorbei. Mit durchschnittlichen Anwendungen schadet man dem Image des Unternehmens, erntet Missgunst der User und schafft unnötige Arbeit. Der Schritt hin zu einer eigenen App sollte also vor allem eins sein – gut überlegt.

Wie viel Zeit steht für die App-Entwicklung zur Verfügung?

Zeitfaktor ist einer der wichtigsten und am meisten unterschätzten Faktoren bei der Mobile-Entwicklung. Im Arbeitsalltag sieht man oft folgende Situation: Projektmanagement kommt mit der Idee einer App. Man hat eine ungefähre Vorstellung, was die geplante Anwendung können muss. Für die Umsetzung hat man 14 Wochen Zeit. Reicht doch? Eben nicht. Nicht beachtet wird dabei, dass bevor eine App umgesetzt werden kann, noch viele weitere Vorbereitungsschritte getroffen werden müssen, die sehr viel Zeit kosten.

App-Anforderungen müssen sauber dokumentiert werden

Ausschlaggebend für die erfolgreiche Umsetzung eines Mobile-Projektes ist die akribische und saubere Dokumentation aller Anforderungen an die Anwendung. Am besten geschieht dies in einem einzigen Dokument, noch besser, wenn diese Liste auf eine Seite passt. So erhöht man die Chance, dass tatsächlich auch alle Requirements gelesen und umgesetzt werden.

Requirements, die mündlich, über Skype, E-Mail oder auf sonstigen unsicheren Wegen weitergegeben werden, geht mit großer Wahrscheinlichkeit verloren und werden nicht beachtet. Achtet also darauf, dass ein Dokument mit den gesammelten Anforderungen an die entstehende Anwendung erstellt wird und jeder Verantwortliche darauf Zugriff hat.

Bei Mobile-Projekten muss grundsätzlich mit Änderungen gerechnet werden

Kein Mobile-Projekt ist vor Änderungen mitten in der App-Entwicklung sicher. Darauf muss man sich als Entwickler, Projektmanager und Kunde einstellen. Hier ist es wichtig, dass man frühzeitig einen Change-Management-Prozess erarbeitet, um mit spontanen Veränderungen auf der technischen, Produkt- oder Team-Ebene umgehen zu können.

Realistisch bleiben!

Die zur Verfügung stehenden zeitlichen und personellen Ressourcen sollten realistisch eingeschätzt werden. Überambitionierte Projektziele werden sonst im Laufe des Mobile-Projektes an mangelnden Möglichkeiten scheitern.

Das Produkt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten

Bei der Umsetzung mobiler Projekte liegen zwischen der Wahrnehmung der Product Owner und der Sichtweise der Entwickler oft Welten. Während die Entwickler denken, die Product Owner hätten bei ihren Anforderungen nur wenig Ahnung von den technischen Aspekten und der Komplexität des Produktes, behaupten die Product Owner ihrerseits, die Developer wollen zwar nicht das umsetzen, was von denen erwartet wird, bieten aber gleichzeitig auch keine Alternativen. Die Blickwinkel sind also völlig unterschiedlich. Hier ist es wichtig, die Perspektive des jeweils anderen einzunehmen und zu verstehen. Was spricht dagegen, als Entwickler dem Product Owner die neuste Android-Version zu erklären und aufzuzeigen, warum nicht jeder Wunsch in der App reibungslos umgesetzt werden kann. 

Kommunikation ist immer noch das A und O

GitHub ist kein Kommunikationstool, Skype auch nicht. Auch Entwickler und Product Owner sollten miteinander persönlich kommunizieren, um Fehler zu vermeiden. Dabei soll auf keinen Fall behauptet werden, dass Developer dies grundsätzlich nicht tun. Verbesserungspotenzial gibt es aber allemal.

Nach dem Launch der App fängt die Arbeit erst an 

Eine App zu entwickeln, ist ein Prozess, der nach dem Launch der Anwendung weitergeht. Alleine vergangenes Jahr gab es beispielsweise sechs verschiedene Android-Versionen. Jedes mal, wenn ein neues Betriebssystem vorgestellt wird, geht der Anpassungszyklus der App von vorne los und plötzlich funktionieren Dinge nicht mehr, die beim älteren Betriebssystem einwandfrei waren.

Immer flexibel auf Änderungen reagieren

Mit solchen Veränderungen muss man rechnen und umgehen können. Am besten schaut man sich als App-Entwickler und Product Owner all die Events à la WWDC oder Google I/O im Stream an, um von vorne rein über Neuerungen in kommenden Betriebssystemen informiert zu sein. Geschickterweise installiert man die den Developern zur Verfügung stehenden Beta-Versionen, um die Anwendung unter den neuen Voraussetzungen zu testen. 

Mobile Webdesign

Mobile Webdesign ist ein sehr sensibles Thema, das mehrere Artikel füllen könnte. An dieser Stelle sei nur eins gesagt: In der Welt mobiler Anwendungen reicht ein Design nicht aus. Entwickelt man eine App für Android, muss diese für die iOS-Plattform später angepasst werden. Entwickelt man eine Anwendung fürs iPhone, muss das Design bei einem iPad noch einmal überarbeitet werden. Natürlich hat man hier die Möglichkeit, mit Responsive Webdesign zu arbeiten, sodass die Anwendung sich automatisch an die verschiedenen Display-Größen anpasst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mobile-Projekte durch viele Faktoren beeinflusst werden und oft viel komplexer sind als sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Will man die Anwendung außerdem noch internationalisieren, kommen noch weitere Faktoren wie die Übersetzung der Inhalte oder unterschiedliche rechtliche Anforderungen dazu, die beachtet werden müssen. 

Es gilt für Mobile-Projekte, wie für andere Projekte auch – gut planen, flexibel auf Änderungen reagieren und miteinander kommunizieren, um Missverständnisse zu vermeiden und die App-Entwicklung erfolgreich abzuschließen.

Wer sich die Session in ganzer Länger anhören möchte, kann dies über Voice Republic tun:

 

 

Aufmacherbild: Getting idea after give up, fail and lost concepts display on crumpled papers von Shutterstock/ Urheberrecht worac_sp

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