Mobilfunkanbieter entwickeln sich zu Mehrwertdiensten
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Eine Studie der Universität Augsburg im Auftrag von Wi-Mobile hat aufgezeigt, wie sehr sich der Mobilfunkmarkt aufgrund technologischer, wirtschaftlicher und auch rechtlicher Wandlungsprozesse in den vergangenen Jahren verändert hat. Für den Kunden äußert sich dies vor allem in einer größeren Angebotsbreite, wobei die steigende Marktsättigung zur Freude der Verbraucher zu sinkenden Preisen führte. Für Unternehmen hingegen bedeutet die Entwicklung, dass sie neue Wege zur Kostenoptimierung und Gewinnmaximierung beschreiten müssen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig lukrative Angebote machen zu können. Folge dieser Überlegungen sind vermehrte Kooperationen zwischen deutschen und ausländischen Telefonanbietern, aber auch mit Betreibern, die ursprünglich nicht aus der Telekommunikationsbranche kommen. Anders sieht es bei den Entwicklungsländern aus, für die Netzabdeckung und Kapazitätswachstum weiterhin als Hauptherausforderungen gelten. 

Sinkende Gewinnmargen veranlassen Anbieter zu Kooperationen

Aufgrund der starken Konkurrenz und Faktoren, wie Gebühren für Lizenzen oder Netznutzungen, sinken die Gewinnmargen für viele Anbieter, sodass Dienste vermehrt ausgelagert werden. Vorreiter hierzulande war E-Plus, der als erster deutscher Anbieter den Netzausbau und die Wartung an Alcatel-Luscent übertragen hat. Beispiele für Outsourcing-Kooperationen auf internationaler Ebene sind die Zusammenarbeit von Orange und Ericcson in den Niederlanden oder Orange und Nokia Siemens in Großbritannien. Auch häufen sich die horizontalen Partnerschaften, wie etwa beim Netz-Sharing zwischen Vodafone und Telefonica in Deutschland, Spanien, Irland und Großbritannien. Der gemeinsame Ausbau der Netze ermöglicht den Unternehmen dabei, erhebliche Kosteneinsparungen zu erzielen.

Anbieter werden zu Mehrwertdiensten

Durch den Wandel der mobilen Nutzung verschieben sich die Dienste immer mehr zu sogenannten Mehrwertdiensten, die sich über mobiles Internet nicht mehr nur auf Sprachdienste beschränken. Aufgrund dieser Mehrwertdienste gewinnen auch andere Aspekte verstärkt an Bedeutung, wie etwa das Marketing und der Kundenservice, die zu den Kernbereichen der virtuellen Mobilfunknetzbetreiber (MVNO) zählen. Der erste Betreiber dieser MVNs in Deutschland war 2004 Tchibo als Joint Venture zusammen mit O2 und heute betreiben alle vier MNOs – T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 – ihre Mobilfunkleistungen über virtuelle Mobilfunknetze. Da hier Unternehmen mit bereits vorhandenen und gut strukturierten Vertriebskanälen Vorteile haben, versuchen sich auch immer mehr branchenfremde Konzerne als MVNOs, wie etwa ALDI.

Insgesamt stellten die Forscher der Universität Augsburg fest, dass sich der Markt trotz des großen Wachstums und der hohen Zahl neuer Anbieter zu verfestigen scheint. Während sich etliche MVNOs auf Dauer nicht halten konnten (N24 oder HSE24), gelang es den sogenannten first mover, wie ALDI Talk oder Tchibo Mobil, sich durchsetzen. Gleiches gilt für Eigenmarken oder Tochterunternehmen der MNOs, zu denen zum Beispiel Ay Yildiy oder Fonic zählen. Auch Festnetz- und Kabelnetzbetreiber, die auf Quadruple-Play-Angebote setzten (EWE TEl oder M-net), konnten die Nutzer in der Vergangenheit überzeugen. Der Grund für die Konsolidierung liegt dem Forschungsbericht zufolge vor allem im harten Preiskampf begründet. Dabei ergibt sich für die MVNOs aus der Studie, dass vor allem die Segmentierung und Differenzierung sowie die Einfachheit und Überschaubarkeit des Angebots wichtig sind, um den Kunden vom Mehrwert des eigenen Angebots zu überzeugen.

Den ausführlichen Bericht der Studie gibt es auf der Wi-Mobile Seite und als PDF-Download.

Aufmacherbild: business plan tree von Shutterstock / Urheberrecht: ronstik

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