Mutti betritt wieder Neuland: Merkel wird abgehört und empört sich – zu spät!
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E-Mails, Chats, Telefonate und so ziemlich jede Bewegung im Netz können und werden offenbar von der NSA überwacht. Eine Tatsache, mit der sich ein Großteil der Netzgemeinde bereits abgefunden hat. Während Datenschützer auf die Barrikaden gehen, zucken andere mit den Schultern und machen getreu dem Motto „Wir können ja eh nichts dran ändern“ weiter wie bisher.

Nun wurde bekannt, dass das Smartphone von Kanzlerin Angela Merkel offenbar zwei Jahre lange abgehört wurde. Während sich Merkel, Innenminister Friedrich und Kanzleramtsminister Pofalla zum NSA-Skandal bisher immer galant zurückhielten, beschwichtigten oder die Sache für erledigt erklärten, kommen nun, da es das Smartphone der Mutti betrifft, überraschend laute und klare Worte aus Berlin.

Angela Merkel hat sich in einem Telefongespräch bei Barack Obama persönlich über die Ausspähung ihres Gerätes beschwert. Leider haben wir Normalbürger nicht die Telefonnummer des US-Präsidenten, sonst hätten wir bestimmt auch einmal angerufen, um beim Chef persönlich Dampf abzulassen.

Und wieder: Willkommen im Neuland, Angela

Nachdem die Kanzlerin vor einigen Monaten das Internet als Neuland bezeichnete und dafür Spott und Hohn erntete, betritt die Bundes-Mutti erneut Neuland – NSA-Neuland. Eine überwachte Welt, mit der sich ein Großteil der Deutschen scheinbar bereits abgefunden hat und von der Frau Merkel offenbar bisher nichts wissen wollte. Nun hat sie ihre Einwohnermeldebestätigung bekommen und brodelt vor Wut.

Wie fühlt es sich an, zu erfahren, dass man von einem „guten Freund“, den USA ausspioniert wird?

Entweder dachte Frau Merkel, dass sie vom politischen Verbündeten, den USA, verschont bleiben würde oder sie vertraute auf die vermeidlich abhörsichere Technologie ihres Merkel-Phones.

Das Gerät von Angela Merkel ist ein sogenanntes SIMKO-Phone (Sichere mobile Kommunikation). Ob E-Mails, Telefongespräche oder Surfen: Das vom Unternehmen T-Systems entwickelte System soll alle Staatsgeheimnisse schützen und kann angeblich auch bei Verlust nicht ausgelesen werden.

Bitte kein Blackberry-Bashing

Und ja, das Gerät basiert auf einem BlackBerry Z10. Allen, die nun Anlauf nehmen, um gegen BlackBerry zu wettern, sei gesagt, dass das Gerät in dieser Diskussion nicht der Fokus sein sollte. Vielmehr enthüllt die jüngste Entwicklung vor allem eines: Die NSA-Ausspähpraktiken machen vor keinem halt.

Weder vor Staatsfeinden, noch vor Verbündeten und erst recht nicht vor dem gemeinen Fußvolk. Jenem Volk, vor dem Angela Merkel als Bundeskanzlerin jedes Unheil abwenden soll und dies bei ihrem Amtsantritt feierlich geschworen hat.

Jenem Volk, das in den vergangenen Monaten hilflos mit ansehen musste, wie seine Persönlichkeitsrechte im Netz mit Füßen getreten wurden.

Natürlich interessiert sich die NSA nicht für die Daten aller Netzbewohner und hat auch nicht die Kapazitäten jede einzelne Unterhaltung aktiv zu verfolgen. Aber die Verletzung der Privatsphäre setzt nun einmal nicht erst beim Auswerten, sondern bereits beim Erfassen der Daten an.

„Wir haben nichts angefasst“ zählt nicht

Ein kleines Beispiel: Wenn mein Facebook-Profil oder mein E-Mail-Account mein virtueller Zweitwohnsitz sind, dann hat die NSA einen Schlüssel dafür, kann einfach mal aufschließen, während ich ein hochprivates Gespräch führe, eine Runde durch die digitale Wohnung drehen und wieder ungesehen verschwinden. „Wir haben ja nichts angefasst“ ist bei einem solchen virtuellen Besuch kein Argument.

Sicher scheint aber, dass bei Gesprächen und Nachrichten der Kanzlerin gerne einmal genauer hingesehen wurde. Natürlich ist das nicht das private Problem von Frau Merkel, sondern ein Angriff auf unsere Regierung und damit ein Problem jedes einzelnen Bürgers dieses Landes. Noch-Außenminister Westerwelle, hat deshalb den Amerikanischen Botschafter zum Kaffee ohne Kekse ins Auswärtige Amt bestellt – klare Maßnahmen, die wir uns schon früher gewünscht hätten.

Mutti sieht die Welt durch unsere Brille – ganz schön trübe, oder?

Liebe noch- und zukünftige Bundesregierung, bitte nehmt die jüngste NSA-Enthüllung zum Anlass, die digitale Welt endlich als einen schützenswerten Ort anzuerkennen, in dem unter anderem gearbeitet, gehandelt und Geld verdient wird. Wir tauschen Informationen, Ideen und Bilder im Netz. Streiten und verlieben uns.

Nehmen Sie der NSA und allen anderen, die den Schlüssel zu unserer persönlichen digitalen Welt besitzen, wieder ab und schützen Sie uns mit Gesetzen, statt uns mit Floskeln zu beschwichtigen. Weder das Internet, noch die NSA-Affäre sind Neuland. Sie sind real und spätestens seit Sie, Frau Merkel, gestern Abend in dieser Welt aufgewacht sind, können Sie das Volk, dem Sie sich verpflichtet haben, sicher besser verstehen.

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