„ Nicht Apps sind einfach, sondern die Prozesse!“
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Der dreifache Familienvater Dr. Jens Wehrmann ist Gründer der Mobile Software AG. Lange bevor Apple das iPhone erfand, leitete er schon große Mobile- Projekte. Er ist Träger des renommierten TARGION-Preises für strategisches Innovationsmanagement und Mitglied diverser Jurys und Kuratorien. Heute morgen haben wir Jens Wehrmanns Beitrag „Vom Urknall des App-Zeitalters bis zur Neuzeit“ veröffentlicht. In einem Interview haben wir uns mit ihm über Erfolg im mobilen Umfeld unterhalten.


WebMagazin: Herr Dr. Wehrmann, Sie sehen so jung aus – wie kann es da sein, dass Sie schon seit Ende der Neunziger aktiv sind?

Dr. Jens Wehrmann: Ich war Studienabbrecher und wollte in der Zeit des technischen Aufbruchs lieber als Unternehmer mein Glück versuchen. Ich war damals schon vom Thema Mobile begeistert und habe früh gespürt, dass Internet ein Game Changer ist. Außerdem bin ich ja erst 38 und meine drei Jungs halten mich ganz gut auf Trab (lacht).

WM: Entschuldigung, wenn ich Sie da unterbreche, aber Studienabbrecher und Doktortitel? Wie passt denn das zusammen?

Dr. Wehrmann: Ich fand sowohl mein E-Technik- als auch mein BWL-Studium fürchterlich. Die Dozenten haben mich einfach nicht erreicht. Als ich im Prinzip schon alles hingeschmissen hatte, kam mir der Zufall zur Hilfe und führte mich in eine Hauptstudiumsveranstaltung zu meinem späteren Doktorvater Prof. Dr. Michael Amberg. Der sprach meine Sprache. Ich habe nach letztlich acht Semestern dann irgendwie mein Vordiplom geschafft und konnte dann das Hauptdiplom zügig durchziehen. Danach habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent im Themenbereich Mobile Engineering gearbeitet und geforscht. Nach drei Jahren wurde ich in Wirtschaftsinformatik promoviert.

WM: OK, und dann?

Dr. Wehrmann: Danach bin ich bei einer ITK-Beratungsfirma in München eingestiegen. Wir haben Produkte für Telekommunikationsunternehmen entwickelt. Das Thema Prozesse stand in unseren Projekten häufig im Fokus. 2010 habe ich dann die Mobile Software AG gegründet, quasi als Liebeserklärung an das Thema Mobile.

WM: Wie bitte? Liebe?

Dr. Wehrmann: Jaja, Sie haben schon richtig gehört! Es ist mir ernst damit. Das Thema Mobile beschäftigt mich schon mein ganzes Leben. Ich habe als kleiner Junge schon viel mit Elektronik herumgebastelt und fand es toll, kleine tragbare Aktivboxen und so was zu bauen. Bei meinem ersten Mobile-Projekt – es ging damals um eine mobile Anwendung auf Basis der neuen SMS-Technik – habe ich gelernt, dass es nicht nur um Technik geht, sondern dass die Akzeptanz und die Psychologie hinter den Produkten genauso wichtig sind. In meiner täglichen Praxis merke ich, dass der Mix aus Vertrauen, Loyalität, Begeisterung und Liebe zur Sache mein persönliches Rezept für absolute Bestleistung ist.

WM: Wenn man sich die Liste der von der Mobile Software AG entwickelten Apps anschaut, sieht man viele große Brands und erfolgreiche Apps. Gibt es neben der Wertebasis etwas konkreteres, was Sie unseren Lesern sagen können? Wie wird man erfolgreich?

Dr. Wehrmann: Wenn das so einfach wäre! Aber ernsthaft: Es mag vielleicht banal klingen, aber es gibt in der Tat einen Aspekt, der verbindet alle unsere erfolgreichen Kunden. Sie machen sich aktiv über ihren Erfolg Gedanken. Das bedeutet in der Regel etwas mehr als „nur“ der Wunsch nach einem tollen Produkt. Der Erfolg ist mathematisch gesprochen die Ableitung des Produkts. Hier spielt es eine wichtige Rolle, wie die Rahmenbedingungen und der Kontext aussehen. Erfolg stellt sich häufig dann ein, wenn man nahe genug an einer Wertschöpfung dran ist, sodass sich ein belastbares und über die Zeit bewegliches Geschäftsmodell finden lässt, welches am Ende des Tages die Existenzberechtigung für gute Ideen und tolle Produkte bzw. Apps darstellt.

WM: Was sind Ihre drei häufigsten Ratschläge?

Dr. Wehrmann: Erstens: Für ein gutes Produkt muss man den Kontext verstehen und sich empathisch in die späteren Anwender mit ihren Wünschen und Ängsten versetzen. Macht es den Leuten einfach! Zweitens: Die Prozesse im Hintergrund einer App sind wichtiger als fast alles andere: Nicht Apps sind einfach, sondern die Prozesse. Und zu guter Letzt: Apps sind eine perfekte Chance, neue Wege zu gehen und sowohl Wertschöpfung als auch Businessmodelle zu hinterfragen und neu zu definieren: Traut euch, Dinge zu verändern und besser zu sein!

WM: Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Wehrmann: Aber gerne.

 

Mobile Technology, Ausgabe 4/2013 Das Interview ist im Mobile Technology Magazin, Ausgabe 4/2013, erschienen.







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