NSA feuert 90 Prozent der Systemadmins – Das Rezept für ein Disaster? [Kommentar]
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Die National Security Agency (NSA) will nun mit einem Radikalschlag auf die Whistleblowing-Affäre reagieren. Wie der Nachrichtendienst Reuters am vergangenen Donnerstag bekannt gab, plane man 90 Prozent der derzeit rund 1000 Systemadministratoren-Stellen zu streichen. Der Direktor der NSA, Keith Alexander, sprach auf einer Cypersecurity-Konferenz in New York davon, dass man nun einer Automatisierung-Strategie folgen wolle, die die Sicherheit erhöhen soll. Eine Aussage, die Unverständnis und eine Welle an sarkastischen Kommentaren im Internet ausgelöst hat.

 

Blick zurück: Edward Snowden hatte bis Mai 2013 unter anderem als Systemadministrator für die NSA gearbeitet und dabei Zugang zu Informationen, die als „streng geheim“ eingestuft wurden, darunter PRISM und Tempora – Begriffe, die man heute nicht mehr erklären muss, denn: Im Juni diesen Jahres wurden diese vertraulichen Informationen von der britischen Tageszeitung „The Guardian“ veröffentlicht und lösten eine weltweite Überwachungs- und Spionageaffäre aus. Snowden bekannte sich kurze Zeit später dazu, die Informationen an die Zeitung gegeben zu haben. Derzeit befindet er sich in russischem Asyl.

Snowden war also genau so ein Systemadministrator, wie ihn die NSA jetzt rigoros aus dem Sicherheitssystem verbannen möchte. Soweit erscheint das erst einmal eine schlüssige Konsequenz zu sein: Wissen ist Macht, und dass diese gerne ausgenutzt wird, hat der Fall Snowden bewiesen. Welchem Mitarbeiter mit Zugriff auf Daten kann die NSA also noch trauen? Im Grunde keinem! Und genau so scheint man das im Vorstand auch zu sehen: Stellen mit größtem Datenzugriff sollen ausgemerzt werden. Noch dazu dürfen die wenigen, die noch an sensible Daten herankommen nur noch zu zweit daran arbeiten, um so einer Entwendung vorzubeugen. Die NSA überwacht dann also nicht mehr nur die Welt, sondern auch sich selbst. Nun, es gibt schlimmeres als die NSA ihre eigene, bittere Medizin schlucken zu sehen, oder?

Fortan sollen sich also vermehrt Maschinen und Algorithmen um den Transfer von Daten und die Sicherung des Daten-Netzwerks bei der NSA kümmern. Sicher, die können aktiv nichts ausplaudern und haben kein Gewissen. Wie aber steht es um die Sicherheitslücke „Hacking-Angriffe“, die dadurch verstärkt wirkt? Und was ist mit der Ausnahme, die die Regel bestätigt? – Automatisierung verfolgt schließlich ein bestimmtes Schema, das im Grunde keine Abweichung zulässt, was wiederum zu Fehlinterpretationen oder falschen Verknüpfungen führen kann, wenn eben jene Abweichung eintrifft. Stelle man sich nun einmal die Art und Masse der Daten vor, die bei der NSA verarbeitet werden…

Aber auf diese Fragen gab es keine Antwort.

Was genau passiert eigentlich mit den 900 Systemadministratoren, die ihren Job verlieren? Werden sie an anderer Stelle eingesetzt? Man sollte es hoffen, denn 900 gefeuerte und frustrierte Mitarbeiter mit Insider-Wissen kann man durchaus als bedrohliche Sicherheitslücke bezeichnen. Und sind denn nur Systemadministratoren als potenzielle Whistle-Blower zu betrachten, oder sind die nur die Spitze des Eisbergs? Die NSA hat in gewisser Weise eine ganze Heerschaar von Datenkriegern professionell ausgebildet, die sich, das hat der Fall Snowden schmerzlich bewiesen, jederzeit gegen sie wenden kann. So könnten im Grunde bald NSA-Mitarbeiter im großen Stil als Überwachungsziele betrachtet werden – potenzielle Schläfer. Und der Vergleich zum Terrorismus liegt hier, wenn man die derzeitige Hetzjagd auf Edward Snowden betrachtet, leider wirklich nicht allzu fern. Derzeit sind die Informationen noch zu spärlich, man wird sehen, ob die NSA damit den ersten Schritt getan hat, sich selbst zu ruinieren – sei es durch das Sicherheitsleck Maschine oder den potentiellen Loyalitätsverlust der Mitarbeiter. 

Aufmacherbild: Spy is watching through a hole in the wall Foto auf Shutterstock / Urheberrecht: Spiber

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