NSA Porno-Pranger: pikante Details als Druckmittel gegen Terroristen
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Die große Aufregung um die NSA-Internetbespitzelungen hat sich hierzulande wieder gelegt. Auch die Tatsache, dass das Kanzlerin-Smartphone unserer Bundes-Mutti ebenfalls von den Amerikanern überwacht wurde, löste in der breiten Öffentlichkeit eher Spott, als ernsthafte Empörung aus.

Ja meine Herren, Sie haben was zu verbergen!

Während sich Datenschützer noch aufregen, zucken viele mit den Schultern und wiederholen gebetsmühlenhaft denselben Satz: „Ich hab doch eh nichts zu verbergen“. Die aktuelle Enthüllung aus dem Hause Snowden dürfte aber vor allem männliche Datenschutz-Ignoranten aufhorchen lassen:

Die NSA sammelt gezielt Informationen über den Porno-Konsum von Internet-Nutzern. Und ja meine Herren, Sie haben was zu verbergen! Schließlich machen pornografische Inhalte rund 30 Prozent des Daten-Traffics im Netz aus. Und verantwortlich für dafür sind überwiegend Männer.

Was uns zu der Frage bringt: Sie sind auch einer der 30 Prozent?

Werfen Sie den Computer nicht aus dem Fenster!

Lautet Ihre Antwort „ja“, kommen wir gleich zur nächsten Frage: Wollen Sie, dass Ihre Kollegen oder Ihre eigene Mutter von Ihren intimen Fantasien erfährt? Bevor Sie jetzt Ihren Computer panisch aus dem Fenster werfen, lesen Sie bitte zuerst diesen Beitrag zu Ende.

Die NSA ist nämlich nicht an Ihren sexuellen Fantasien interessiert, sondern sammelt angeblich nur Daten über den Porno-Konsum von potenziellen Terroristen, um sie damit zu erpressen. Das Ziel sei, sogenannte muslimische „Radikalisierer“ zu diskreditieren. Zum großen Teil steckt dahinter freilich die Annahme, dass vor allem islamistische Terroristen sehr empfindlich reagieren, wenn private Details öffentlich werden, die nicht zu den nach außen propagierten Moralvorstellungen passen.

Doch nicht nur Terroristen können mit Ihren Porno-Vorlieben erpresst werden. So ziemlich jeder, der in der Öffentlickeit steht, ist von diesen Machenschaften betroffen und gefährdet – vor allem Politiker. Was, wenn herauskommt, dass zum Beispiel ein konservativer Politiker in der Freizeit seinen bisexuellen Neigungen auf Pornoseiten frönt?

Das könnte die Karriere kosten. Wie praktisch sind aber solch pikanten Details, wenn sie einer Regierung vorliegen, die mit Politikern anderer Länder Verhandlungen führen muss? Die USA hätte damit ein knisterndes Ass im Ärmel! Von politischen Verhandlungen auf Augenhöhe kann keine Rede sein.

Scham und Zorn

Liebe Datenschutz- und NSA-Spionage-Ignoranten: Das bis hier geschilderte soll keine Entwarnung sein. Nur, weil Sie zufällig kein Terrorist oder Politiker sind, bedeutet es nicht, dass Sie die NSA nicht bei Ihrem Pornokonsum beobachtet – ganz im Gegenteil. Es ist schon länger bekannt, dass die NSA auch Daten von ganz normalen Bürgern sammelt und archiviert. Das wissen wir bereits seit Juni dieses Jahres.

Vielleicht wird Ihnen aber nun beim Thema Internetpornorafie der Umfang der NSA-Aktionen klar. Sie lassen sich schon ohne Widerstand in E-Mails und Chats schauen  – wollen Sie weiterhin zulassen, dass Fremde Ihnen einfach so in die virtuelle Unterhose schauen, um zu erfahren, was sie so richtig auf Touren bringt? Fühlen Sie jetzt neben Scham vielleicht ein wenig Zorn angesichts Abhörtaktiken und wollen endlich Ihre Grundrechte verteidigen?

Nein, immer noch nicht? Dann stellen Sie sich beim nächsten Pornokonsum im Netz doch einfach mal vor, wie eine Gruppe kichernder NSA-Mitarbeiter Ihre Aktivitäten notiert. Denn eins wird im Zuge der zahlreichen Snowden-Enthüllungen immer wieder klar: Die Entscheidung darüber, wer am Ende tatsächlich ins Visier der NSA gerät, erscheint oftmals mehr als willkürlich.

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