Obama vor dem Brandenburger Tor: „Ich bin ein Netzbewohner“
Kommentare

An zwei Dingen werden wir heute nicht vorbeikommen: Die Sommerhitze sowie nervende Live-Ticker, Vorberichte, Nachberichte und Analysen über den Deutschlandbesuch von Barack Obama. In Kürze wird Mr. President vor das Brandenburger Tor treten und eine Rede halten. Tolle Kulisse, und prima Wetter – gute Voraussetzungen für Herrn Obama.

Schließlich haben redenschwingende US-Präsidenten vor dem Brandenburger Tor eine lange Tradition. Man denke da an die Worte von John F. Kennedy im Jahre 1961 „Ich bin ein Berliner“: Dieser Spruch ist in unsere Geschichtsbücher eingegangen.

Klar, 1961 stand hinter dem Brandenburger Tor noch die Berliner Mauer und die Westberliner waren über die Solidaritätsbekundung des charismatischen Präsidenten gerührt. Auch Ronald Reagan schaffte es 1987 mit dem Spruch „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ in die Annalen der Deutschen Geschichte. Nur wenige Jahre später fiel tatsächlich die Mauer und Reagans Worte hallen immer noch nach.

Was erwartet uns also heute von Obama? Wird er uns auch ein Zitat schenken, das den Weg in unsere Geschichtsbücher finden wird? Das Brandenburger Tor steht zwar noch, aber die Mauer ist weg. Die Erwartungen an den mächtigsten Mann der Welt haben sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert und wir leben mittlerweile im digitalen Zeitalter. Was wünschen wir uns also von Obama?

PRISM, der blinde Passagier in der Air Force One

Als gestern die Präsidentenmaschine, die Air Force One, Richtung Deutschland losgeflogen ist, hatte sie einen unliebsamen blinden Passagier mit an Bord: Den Spionage-Skandal PRISM, der vor kurzem von der Washington Post aufgedeckt wurde. Demnach hat die National Security Agency (NSA) elektronische Medien und elektronisch gespeicherte Daten auf Facebook, YouTube, Skype, Apple oder Microsoft überwacht und ausgewertet. Im Rahmen von PRISM wurden die Internet-Aktivitäten von Privatpersonen, Bürgerrechtlern, Politikern und potenziellen Kriminellen oder Terroristen ausgespäht.

Ich bin ein Netzbewohner!

Welche Botschaft hält Mr. Präsident den tausenden Zuschauern vor dem Brandburger Tor bereit, die mit ihren Smartphones live twittern oder Fotos auf Facebook teilen werden? Lieber Herr Präsident, die Mauer ist schon lange weg und das Brandenburger Tor ist damit zu einem Symbol der Freiheit geworden. Bitte treten Sie in die Fußstapfen Ihres Vorgängers John F. Kennedy und solidarisieren Sie sich mit den Menschen, die Ihnen nicht nur in Berlin, sondern auf der ganzen Welt zuhören. Sagen sie: „Ich bin ein Netzbewohner!“. Nutzen Sie die Gelegenheit und den Ort, um sich für unsere Freiheit im Netz stark zu machen und beenden Sie PRISM und alle anderen Spionagen, die unsere Netzfreiheit gefährden!

Mit diesem Spruch würden Sie Geschichte schreiben – nutzen Sie die Chance!

Aufmacherbild: Brandenburger Tor von Shutterstock / Urheberrecht: pio3

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -