OkCupid: Online-Partnerbörse manipuliert Nutzerprofile
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Niemand hört gerne, er sei manipuliert worden. Zuletzt sorgte das Psycho-Experiment von Facebook für Entrüstung unter Nutzern. Es wurde öffentlich, dass der Newsfeed verändert und so die User unwissentlich beeinflusst wurden. Nun veröffentlichte die Partnerbörse OkCupid einen provokativen Blogeintrag unter dem Titel „We Experiment On Human Beings!“

In der Welt des Internets gehören Experimente zur Tagesordnung

Darin verkündet Mitgründer Christian Rudder unverhohlen, immer wieder Experimente mit Nutzern des Dating-Portals durchzuführen, ohne diese darüber aufzuklären. Die Botschaft ist noch drastischer: Wer im Internet aktiv ist, müsse damit rechnen, jederzeit hunderten von Experimenten ausgesetzt zu sein – so funktionierten Webseiten eben.

Rudder nutzt die Aufregung um das Facebook-Experiment als Anlass, „als Erster zuzugeben“, dass keine Website genau wisse, was sie tut, und Experimente deshalb zur Tagesordnung gehören. Ausführlich stellt er dann einige der „interessanten“ Manipulationen vor.

So wurden Nutzer manipuliert:

  1. Im Zuge des Launches einer Blind Date App wurden für einige Stunden die Profilbilder ausgeblendet. Während dieser Zeit fanden deutlich weniger Gespräche statt, diese waren dafür tiefer gehend und Kontaktdetails wurden schneller ausgetauscht. Sobald die Bilder wieder sichtbar wurden, brachen die meisten dieser Gespräche sofort ab. Rudders Fazit:

    „Basically, people are exactly as shallow as their technology allows them to be.“

  2. Um die Korrelation zwischen den Bewertungen des Aussehens und der Persönlichkeit zu testen, wurden bei einer Testgruppe die Profiltexte ausgeblendet. Einer Gruppe von Nutzern wurde nur das Profilbild angezeigt, einer anderen Gruppe das vollständige Profil. Die Bewertungen der beiden Gruppen unterschieden sich nur minimal: Man fand heraus, dass der Text nur etwa 10 Prozent der Bewertung ausmacht.
  3. In einem dritten Experiment wurde die Macht der Suggestion getestet. Dafür wurden die Match-Prozentzahlen manipuliert. Mitgliedern, denen die Software eine niedrige Übereinstimmung errechnete, wurde angezeigt, dass sie sehr gut zueinander passen würden, und umgekehrt. Es zeigte sich, dass eine Unterhaltung eher entstand, wenn die Webseite eine hohe Übereinstimmung anzeigte, auch wenn diese tatsächlich gar nicht gegeben war.

Vorgehen sorgt für Entrüstung

Betroffene Nutzer wurden im Nachhinein über ihre Teilnahme an den Untersuchungen informiert. Dieser hatten sie prinzipiell bereits durch das Akzeptieren der Nutzungsbedingungen zugestimmt. Dort steht, dass Nutzerdaten für Forschungszwecke eingesetzt werden können. Das Vorgehen, welches Rudder schulterzuckend schildert, wird von vielen Seiten als ethisch bedenklich kritisiert. Viele Mitglieder wissen nicht, was sich hinter den Worten der Nutzungsbedingungen verbirgt und nehmen deshalb unfreiwillig an den Experimenten teil, insbesondere da sie ihnen nie explizit zugestimmt haben. In den Kommentaren zu dem Blogpost startete bereits ein Sturm der Entrüstung, einige Nutzer verkündeten, den Dienst zu verlassen.

 

Aufmacherbild: Image of businesspeople hanging on strings like marionettes. Conceptual photography von Shutterstock/ Urheberrecht Sergey Nivens

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