Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Peerio: Verschlüsselungs-App bietet Cloud und Messenger
Kommentare

Dropbox, Whatsapp oder Gmail haben eines gemeinsam: Ihr Umgang mit Passwörtern und Nutzerdaten ist bedenklich. Eine Sicherheits-App will Cloud, Mail und Messenger vereinen und eine vollkommene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten. Peerio macht vor, wie es auch gehen könnte.

Mit der Verschlüsselungs-App Peerio für Windows, OS X und für Chrome hat der bereits durch Cryptocat bekannt gewordene Jung-Entwickler Nadim Kobeissi nun eine verschlüsselte Arbeitsumgebung als Beta-Version vorgestellt, die Dropbox, Gmail und auch WhatsApp in Zukunft gehörig Konkurrenz machen könnte. Dank einer vollständigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und einem neuartigen Umgang mit Passwörtern, bietet Peerio einen zwar bisher nur 400 MB großen Cloud- und Messenger-Service für Desktop-Anwendungen, die aber eine konkrete Antwort auf zunehmende Netzüberwachung und Internetkriminalität liefert und womöglich schon bald mehr Volumen zu Verfügung stellen wird.

Verschlüsselte App für Cloud, Mail-Dienst und Messenger

Wie in dem unten angefügten Image-Video von Peerio überspitzt auf den Punkt gebracht, sind einschlägige Cloud-, Mail- und Messenger-Dienste im Umgang mit Nutzerdaten gelinde gesagt schlampig. Egal, ob es sich um Passwörter oder benutzerspezifische Informationen für Werbezwecke handelt – weder Unternehmen noch unberechtigte Dritte sollten Zugriff auf hinterlegte Passwörter oder persönliche Daten haben. Auch wenn mittlerweile viele Mail-Provider den Transport der Daten verschlüsseln, können die Anbieter selbst diese bei Bedarf einsehen. Auch wenn ihnen keine böse Absicht unterstellt werden soll, brauchen sie trotzdem keine Option für den Zugriff.

Vertrauen in Cloud-Dienste in Deutschland bisher gering

Dass sich viele Deutsche laut einer repräsentativen Studie im Umgang mit ihren Nutzerdaten verunsichert fühlen, zeigt die folgende Studie. Laut dieser Statistik, nutzt nur jeder Fünfte einen Cloud-Dienst, um Fotos, Dokumente und andere Daten zu speichern. Das ist im europäischen Vergleich äußerst zurückhaltend. Eine verschlüsselte Arbeitsumgebung, wie sie Kobeissi gegenüber Wired vorgestellt hat, dürfte also auch den hiesigen Usern gefallen.

Passphrase: ungewöhnliche Sicherheitsmaßnahme mit neuem Risiko

Gleich nach dem Download der App, blickt man ein wenig überrascht auf das Anmeldefenster, da nicht – wie sonst üblich – die Belegung eines Passworts erfragt wird sondern eine „Passphrase“. Statt eines sicheren, aber wirren Passworts mit Sonderzeichen, die sich eh kein Mensch merken kann oder will, verlangt Peerio einen ausgefallen Satz, einen Spruch oder eine Wendung, die oder den man bestenfalls nur selbst kennt. Das sichere aber auch verhängnisvolle daran ist, dass Peerio das Passwort nicht zwischenspeichert. Will heißen: Wer nicht mehr weiß, was seine Passphrase war, kann sich nicht mal eben über Mail-Verifikation eine neue anlegen, sondern muss die Konsequenzen der erhöhten Sicherheit ihn Kauf nehmen und auf seine hinterlegten Daten auf alle Zeit verzichten. Hart aber fair.

Peerio – Verschlüsselte Arbeitsumgebung als App

Passphrase-Eingabe bei Peerio.
Screenshot: https://www.peerio.com/

Peerio lohnt sich auch für Unternehmen

Die Oberfläche erinnert an bereits gewohnte Web-Mail-Clients wie Gmail. Nachrichten lassen sich wie gewohnt in Verzeichnissen organisieren. Kontakte können unter anderem vom Google-Dienst importiert werden. User von Peerio können zudem die Messenger-Funktion nutzen. Diese Funktion dürfte aber erst so richtig spannend werden, sobald die Mobile-App zu Verfügung steht. Für Unternehmen, die beispielsweise mit Slack arbeiten, könnte die Verschlüsselungs-App schon jetzt durchaus interessant sein. Aber: Da sich Peerio noch in der Entwicklungsphase befindet und eventuell noch einige konzeptionelle Fehler oder Sicherheitslücken in der App schlummern, sollte Peerio zunächst nur zu Testzwecken genutzt werden. Das hilft auch den Entwicklern der App. Kobeissi ruft zudem Sicherheitsspezialisten dazu auf, die Beta-Version auf Fehler zu untersuchen.

Mobile Verschlüsselungs-App soll bald folgen

Noch ist die Verschlüsselungs-App bis zu einem Kontingent von 400 MB kostenlos. Zukünftig wird aber mit ziemlicher „Sicherheit“ für mehr Volumen Kosten anfallen. Das ist durchaus legitim. Mit einem Startkapital von 250.000 US-Dollar ist geplant, bald für Android und iOS das Angebot auszubauen.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -