Pleiten, Pech und Pannen sowie Trends im eCommerce
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Der eCommerce wächst: Immer mehr Menschen sind online unterwegs und nutzen das Netz zum Einkaufen. In Deutschland blieb der bereits 2012 versprochene Boom bisweilen aus. Kommt 2013 der große Durchbruch?

Weltweit steigt die Internetnutzung und damit das Potential für den Handel im Internet. Im Jahresvergleich 2008 und 2009 hatte sich der Anteil an Unternehmen in Deutschland, die Online-Vertriebswege nutzen, beinah verdoppelt. In den letzten Jahren konnte der eCommerce zwar eine ordentliche Wachstumsrate vorweisen, neu erfunden hat er sich bis dato aber nicht. Man denke an den kürzlich hingelegten misslungenen Shop-Launch von Media Markt oder die eCommerce-Pleiten der letzten Jahre zurück. Gemeint sind unter anderem das tragische Aus der Traditionsunternehmen Quelle und die Neckermann Insolvenz.

Wieso scheitern sogar etablierte Großkonzerne am Thema eCommerce in Deutschland?

In einem klasse Blog-Beitrag auf ecompunk hat es Kai bezüglich des Media Markt Shops sehr passend formuliert: Der Launch war ein komplettes Desaster und auch das Medienecho war nicht sonderlich positiv. Dabei hätte doch zumindest die Media Markt Group aus den vergangenen Pleiten der Konkurrenz lernen können. Die Insolvenzen der Traditionsunternehmen gehen auf einen langen Kampf zurück, haben allerdings wie der Media Markt Fail denselben Ursprung: Probleme im Change Management auf der organisatorischen Seite und möglicherweise der fehlende Mut, den Kunden mit innovativen Lösungsansätzen zu überraschen.

Anders scheint es nicht nachvollziehbar, wieso weltweit der Online-Handel kräftig anzieht und Deutschlands Unternehmen nach wie vor selten eine glänzende Figur im eCommerce abgeben – Drögen und altbackenen Shopkonzepten sei Dank.

Dem eCommerce wurde 2012 von deStatis ein Wachstum von 12 Prozent prognostiziert. Im 1. Halbjahr 2012 hatte der Bundesverband des deutschen Versandhandels bereits ein durchschnittliches Wachstum von 32 Prozent verzeichnet.

„Geplatzte eCommerce Träume“ könnte laut Exciting Commerce eher „zu einer Endlosserie werden.“ Dabei kann es doch so einfach sein, wie das Berliner Erfolgsbeispiel Zalando beweist. Nur was hat den größten Europäischen Online Shop seit seiner Gründung 2008 so erfolgreich durchstarten lassen?

Betrachtet man das Design des Shops, kann es nicht das moderne Shoppingkonzept gewesen sein. Viel zu ähnlich ist der Aufbau doch den alt bekannten Katalog-Shopseiten, wie beispielsweise Otto. Was hat Zalando konkret gegenüber seinen Wettbewerbern anders gemacht?

Zum einen wurden als USPs (Unique Selling Proposition) und Alleinstellungsmerkmale gegenüber den Wettbewerbern eine schnelle Lieferung, Kostenlose Lieferungen und Retouren sowie eine kostenlose Service-Hotline definiert. Zum anderen gelten die breite Produktpalette und das große Sortiment als Haupt-USP. So wurde die Schuh-Palette sukzessive erweitert und die angebotene Warenpalette im Rahmen der Internationalisierung stetig ausgebaut. Zum Jahresbeginn sprach die Welt mit den Zalando-Gründern, Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter. Denn entgegen böser Gerüchte ist das Zalando-Geschäftsmodell nach wie vor profitabel.

Screenshot http://zalando.de 

Die Plattform neben Schuhen auch Taschen & Accessoires, Sportartikel sowie Schönheitsprodukte an. Laut dem Logistikdienstleister Docdata, der Zalando seit 2008 begleitet, waren im Oktober 2010 bereits über 40.000 Produkte online erhältlich. Kein Wunder also, dass eifrig über einen Börsengang und die Eröffnung von weiteren Outlet-Shops spekuliert wird. Schneider dementiert solche Pläne, auch das Gerücht um die Aufnahme von Spielzeug in die Produktpalette stellte einen Hoax dar. Mirapodo ist bei MyToys untergekommen, Zalando hingegen hat keine solcher Pläne.

Zalando ist und bleibt nach Aussage der Gründer ein Online-Spezialist. Bereits 2012 wurde jeder zehnte Euro mobil umgesetzt und der Mobile Commerce bleibt auch im Jahr 2013 der wichtigste Trend. Betrachtet man ebays mobile Offensive, ist in diesem Jahr mit weiteren spannenden Ideen und Start-ups zu rechnen, die sich mitunter ausschließlich im Mobile Commerce verorten werden. „Mobile Only“ heißt hier das Zauberwort der Post-PC-Ära in der Hoffnung, die Umsätze des sogenannten Couch-Commerce weiter ins Unermessliche zu steigern. Wenn sich da mal nicht verzettelt wird.

Der zweite wichtige Trend, der im Rahmen der aktuellen Webentwicklung beinahe eine Selbstverständlichkeit darstellt, ist das User Experience Design und damit die intuitive Benutzerführung und Usability des Shop-Konzeptes. Emotionen und Erlebnisse erhöhen die Kundenbindung. Ein einfacher Checkout ist folglich nicht gleich ein langweiliges One-Click-Modell. Mehr Content und Optionen für den Kunden schaffen ein ansprechendes Ambiente und generieren die nötige Kauflaune.

Der dritte eCommerce Trend für das Jahr 2013 sind Marken und Nischen. Viele bekannte Hersteller fordern eine markengerechte Präsentation ihrer Waren. So erteilte Adidas seinen Händlern eine Absage, künftig Produkte über Amazon oder ebay zu vertreiben.

Damit sichert adidas die Qualität im Online-Vertrieb, für beratungsintensive Produkte und hat die Anforderungen im eCommerce weiter nach oben geschraubt. Dies erhöht auch den Wettbewerb in Produktnischen. Der zunehmende Preiskampf und das stetige Wachstum der eCommerce Global Player wird den Wettbewerb weiter ankurbeln. KMUs werden als Stand-Alone-Show ohne starken Partner kaum überlebensfähig sein.

Multichannel-Marketing, Augmented Reality und Mobile Payment

Die dynamische und gezielte Ansprache der Kunden über unterschiedliche Kommunikationskanäle für zielgerichtete und bedarfsorientierte Angebote ist Hauptziel des Multichannel-Marketings. Die Kombination mit Elementen der Augmented Reality und Möglichkeit zum mobilen Bezahlen werden in Zukunft die Ausschöpfung der Potentiale weiter erleichtern. Für die Identifikation von Stimmung und Trends sowie für die Verbesserung der Kundenbindung müssen Kundendaten mit großer Sorgfalt konsolidiert werden.

Dies führt uns zu dem letzten großen eCommerce Trend 2013: der Big Data. Denn seinen Kunden zu kennen, wird immer wichtiger. Hier gilt es zum Beispiel neben A/B-Testing auch mittels Kundenbefragungen zielgerichtete Konsumentenansprachen zu eruieren und durch Innovationskraft und entsprechende Servicebereitschaft für den Kunden, ein einmaliges Einkaufserlebnis zu schaffen.

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