Porno-Abmahnwelle: Ermittlung der IP-Adressen ein Betrugsfall?
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Im Fall der Abmahnwelle gegen Besucher des Porno-Streaming-Portals redtube wurde bisher über eine Frage besonders eifrig spekuliert: Wie ist die Kanzlei Urmann + Collegen, die zehntausende von redtube-Nutzern abgemahnt hat, an die IP-Adressen gekommen?

Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass The Archive AG Nutzer mittels eines Skripts auf das Porno-Portal weitergeleitet hat. The Archive AG hält in Deutschland die „verfahrensgegenständlichen Rechte“ an den Filmen, die redtube-user abmahnungswürdig gestreamt haben sollen.

Das Verfahren, Nutzer via Skript auf Pornoseiten weiterzuleiten, bezeichnet man als „Skimmed Traffic“. Klickt ein Nutzer auf vermeintliche Galerien oder Thumbnails, wird er (unter Umständen mit Zwischenstationen) auf redtube.com weitergeleitet und dabei wird via Proxy seine IP-Adresse geloggt. Diese Daten, so scheint es, wurden an die Kanzlei Urmann + Collegen weitergegeben.

Abmahnopfer berichten nach einer Analyse ihrer Browserhistorie, dass zu dem Zeitpunkt als das beanstandete Film-Streaming begonnen haben soll,  URLs geöffnet wurden, die auf die Domains „trafficholder.com“, „http://49655.movfile.net“ und „http://49655.retdube.net“ verweisen.

Nach dem Aufruf dieser URLs könnten die User dann per Zwangsumleitungen an redtube.com weitergeleitet worden sein – eine Protokollierung ihrer IP-Adresse inklusive. Die Ziffernfolge vor dem Domainnamen ist variabel und entspricht jeweils der ID, die redtube für die Streams der abgemahnten Pornofilme vergeben hatte. „movfile.net“ und „retdube.net“ übernahmen also eine Art Proxy-Funktion und loggten die IP-Adressen der ahnungslosen Nutzer mit, um sie dann gezielt an bestimmte originale redtube.com-Seiten weiterzuleiten.

Insbesondere „trafficholder.com“ ist ein bekannter Verkäufer von „Skimmed Traffic“, ein sogenannter Adult Traffic Broker. Die Domains „movfile.net“ und „retdube.net“ wurden offenbar zwei Tage vor den ersten beanstandeten Streaming-Verstößen anonym von Panama aus registriert.

Vergangene Woche hatte der Anwalt Daniel Sebastian, der vor dem Kölner Landgericht die Auskunftsansprüche geltend gemacht hatte, noch erklärt, es sei die Überwachungssoftware „GLADII 1.1.3“ zum Einsatz gekommen.

Da dem Kölner Landgericht offenbar vorgegaukelt wurde, dass die IP-Adressen so protokolliert wurden, wie es auch beim Filesharing der Fall ist (nämlich mit GLADII 1.1.3), stellt sich die Frage, ob hier eine Täuschung vorliegt, und die Auskunftsbeschlüsse rechtswidrig erlangt wurden.

Sollte die Kanzlei Urmann + Collegen stattdessen an die IP-Adressen gelangt sein, indem ihr von The Archive AG gekaufte IP-Adressen überlassen wurden, könnte es sich hier um Computerbetrug im gewerblichem Ausmaß handeln. Denn wären die Nutzer gezielt über Trafficholder bzw. „Skimmed Traffic“-Verfahren auf die oben erwähnten Proxy-Seiten und dann erst auf die originalen redtube.com-Seiten geleitet worden, wurde die beanstandete Urheberrechtsverletzung absichtlich und ohne aktives Zutun der Opfer herbeigeführt.

 

 

 

 

 

 

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