Porno-Abmahnwelle: Staatsanwaltschaft untersucht IP-Adressenermittlung
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Die Abmahnwelle gegen Nutzer des Porno-Portals redtube beschäftigt neben Zehntausenden von Abmahnopfern nun auch die Staatsanwaltschaft Köln.

Laut einem Bericht von Die Welt will die Berliner Anwaltskanzlei Werdermann | von Rüden aus Justizkreisen erfahren haben, dass die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat. Diese sollen ans Licht bringen, wie die abmahnende Kanzlei Urmann + Collegen an die betroffenen IP-Adressen gekommen ist.

Bereits vergangene Woche hatte die Kanzlei Werdermann | von Rüden, die auch das Portal Abmahnhelfer.de betreibt, den ominösen Ablauf geschildert, der zum Auskunftsbeschluss des Landgerichts Köln geführt hat. Damals war man noch davon ausgegangen, dass die IP-Adressen mithilfe der Software GLADII 1.1.3 geloggt wurden. Inzwischen gibt es allerdings erhebliche Zweifel an der Funktionsweise der Software, an einem Gutachten, dass die technische Funktionalität unterstellt und sogar daran, ob die Software überhaupt existiert. Wie Die Welt berichtet, erklärte ein Sprecher des Kölner Landgerichts, dass sich die Richter in dem Verfahren auf die Aussage einer dritten Kanzlei verlassen hätten. Eine sorgfältige Prüfung hört sich anders an. Auch Thomas Stadler, Freisinger Fachanwalt für IT-Recht, kritisiert auf seinem Blog Internet-Law, dass am Kölner Landgericht die Beauskunftungsbeschlüsse seit Jahren nur textbausteinartig durchgewunken werden. „Das wird einem spätestens dann klar, wenn man einmal in mehreren solcher Verfahren Akteneinsicht genommen hat. Das Landgericht Köln hat sich also nicht geirrt, es hat sich offenbar überhaupt keine Gedanken gemacht.“

Inzwischen deutet zudem vieles darauf hin, dass es sich bei der IP-Adressenermittlung um Betrug handelt. Der Vorwurf steht im Raum, dass ein Verfahren namens „Skimmed Traffic“ zum Einsatz kann. Dabei klickt der Nutzer auf vermeintliche Galerien oder Thumbnails und wird dann über Proxy-Server, die die IP-Adresse loggen, zu redtube.com weitergeleitet. Dazu passt, dass die Abmahnopfer genau zu den beanstandeten Zeiten in ihrer Browserhistorie URLs fanden, die auf den „Skimmed Traffic“-Anbieter Trafficholder hinweisen.

Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte es sich um Computerbetrug im gewerblichem Ausmaß handeln. Denn dann wären die Nutzer gezielt über Trafficholder bzw. „Skimmed Traffic“-Verfahren auf die oben erwähnten Proxy-Seiten und dann erst auf die originalen redtube.com-Seiten geleitet worden, ist die beanstandete Urheberrechtsverletzung absichtlich und ohne aktives Zutun der Opfer herbeigeführt worden.

Dass die Staatsanwaltschaft inzwischen ohne Anzeige ermittelt, deutet laut Anwalt Johannes von Rüden darauf hin, dass ein offenkundiger Verdacht von Straftaten im Raum steht.

Abgesehen von den jüngsten Entwicklungen zweifeln zahlreiche Anwälte aufgrund von handwerklichen Mängeln die Wirksamkeit der Abmahnungen an.

 

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