Proteste in Hongkong: China blockt Instagram
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Seit mehreren Tagen gehen in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong die Studenten auf die Straße und demonstrieren für freies Wahlrecht. Kurz zuvor hatte Peking entschieden, dass die Bürger Hongkongs keine eigenen Kandidaten für die Wahl des neuen Chief Executives aufstellen dürfen, sondern nur aus von Peking ausgewählten Regierungstreuen wählen können. Die Lage spitzt sich zu seit Polizisten versuchen, die friedlichen Demonstranten mit Tränengas und Pfefferspray in Schach zu halten.

Peking bestimmt Wahlkadidaten in Hongkong

Hongkong wurde vor 15 Jahren von den Briten an China zurückgegeben und wird nun im Rahmen einer „one country, two systems“-Lösung als Sonderverwaltungszone regiert. Bislang genoss Hongkong so gut wie alle Freiheiten eines westlichen Staates. Doch wie man an dem aktuellen Konflikt sieht, wird Pekings Einfluss in Hongkong immer größer.

#OccupyHK: Twitter zur Verbreitung von Protest-News

Die Demonstrationen haben sich nicht nur auf den Finanzdistrikt Hongkongs ausgeweitet, sondern sind auch im Internet präsent. Wie auch schon in anderen Konflikten solcher Art werden die Social Media benutzt, um Informationen zu verbreiten. Unter den Hashtags #OccupyHK, #OccupyCentral und #CCP werden auf Twitter vor allem Fotos und Nachrichten gepostet. Diese Hashtags werden auch von der Aktivistengruppe Occupy Central genutzt, die sich der Studentenbewegung vor kurzem angeschlosen hatte.

Die Studenten haben zusätzlich noch #hkclassboycott, #Tamarpark, #CUHK and #HK eingerichtet. Besonders auf Grund seiner großen Reichweite wird der Micro-Blogging-Dienst von den Aktivisten genutzt. Außerdem bekommen Internet User regelmäßige Updates über die Ereignisse direkt von den jeweiligen Protestgruppen.

Reaktionen auf Twitter zu den Protesten

— HKDemoNow (@hkdemonow) 28. September 2014

Anscheinend gibt es auch einen Livestream zu den Protesten im Internet. Dieser kann aber aus angeblich rechtlichen Gründen in Deutschland nicht abgerufen werden.

Organisation von Protestaktionen via Facebook

Außerdem werden die Social Media genutzt, um Versammlungen zu organisieren und Studenten und andere Demonstranten zu mobilisieren. Letzten Montag wurde zum Beispiel auf Facebook zum Unterrichtsboykott aufgerufen. 13.000 Studenten nahmen an dem Streik teil und kamen zum Protest zusammen.

Peking blockt Instagram in Mainland China

Die chinesische Regierung reagiert auf die Verbreitung von Nachrichten im Internet mit Zensur. In China wurde jetzt neben Facebook, Twitter, Xing und Google+ seit neuem auch Instagram geblockt. Das bestätigen die Seiten blockedinchina.net und greatfire.org. Das Foto-Sharing-Netzwerk wurde von den Aktivisten intensiv zur Verbreitung von Fotos der Proteste genutzt. Andere Soziale Netzwerke und Internetdienste sind noch verfügbar, aber nur weil sie ihre Inhalte nach chinesischen Kriterien vorzensieren, darunter zum Beispiel LinkedIn. Auch Microsoft wurde schon dafür kritisiert, dass die chinesische Version der Website nur Peking-konforme Informationen enthält.

Scheinbar will China, dass so wenig Informationen wie möglich nach Mainland China durchsickern. Die Nachrichten über die Demokratiebewegung in Hongkong könnte ähnliche Bewegungen in anderen chinesischen Städten anstacheln. Deshalb hat die Regierung wohl vorsichtshalber den Stecker gezogen. In Hongkong selbst ist Instagram aber nach wie vor erreichbar und wird weiterhin zur Dokumentation der Ereignisse genutzt.

Social Media mittlerweile essentiell für Demokratiebewegung

Hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig die Social Media mittlerweile für die Demokratiebewegungen weltweit geworden sind. Schon früher wurde die große Reichweite von Twitter und Co. genutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen, siehe den arabischen Frühling Ende 2010. Auch die Tatsache, dass China die sozialen Netzwerke blockt, zeigt, wie gefährlich sie in ihrer Funktion als Mobilisierungs- und Informationskanal für solche Regime sein können.

 

Aufmacherbild: HONG KONG – JULY 1: Hong Kong people seek greater democracy as frustration grows over the influence of Beijing on July 1, 2014 in Hong Kong. Organizers of protest claimed a turnout of 510,000 people. via Shutterstock / Urheberrecht: coloursinmylife

 

 

 

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