Rails Girls macht aus Frauen Entwicklerinnen
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Auch in diesem Jahr öffnet die Webinale vom 03.-05. Juni ihre Türen für begeisterte Webdesigner, Programmierer und Interessierte, um über alle neuen und relevanten Trends des Business zu informieren. Mit dabei ist auch Verena Brodbeck, die über die Neurowissenschaft zur Webentwicklung fand. Heute ist sie begeistertes Mitglied der Rails Girls und organsiert Workshops, in denen Frauen und Mädchen das Programmieren mit Ruby on Rails näher gebracht wird. Mehr als Grund genug, um Euch Verena etwas genauer vorzustellen.

Männderomäne Webentwicklung? Von wegen!

Vielleicht sähe Brodbecks Lebenslauf heute anders aus, wenn es bereits vor 10 Jahren Initiativen wie Rails Girls gegeben hätte. Noch immer gelten Programmieren und Webdesign als Männerdomänen. Die deutliche Unterrepräsentierung von Frauen wird dabei häufig als Mangel an Fähigkeiten und Neigungen interpretiert, sodass es Frauen insgesamt schwerer fällt, einen Einstieg ins IT-Business zu finden und in Entwicklerkreisen Fuß zu fassen. Um dies zu ändern, organsierten die Finninnen Linda Liukas und Karri Saarinen in Helsinki Workshops, um Mädchen und Frauen für das Programmieren zu begeistern. Das Besondere dabei ist, dass sich die Workshops sowohl an Einsteiger als auch an Fortgeschrittene richten. Dabei steht den Teilnehmerinnen, die in Kleingruppen von maximal 4 Frauen unterteilt werden, ein Trainer zur Seite, der den Kurs leitet und bei Fragen Erklärungen bietet.

Verena Brodbeck hat als studierte Neurowissenschaftlerin und Ärztin über Umwege zum Programmieren gefunden. Beim Analysieren von Daten nutzen einige Kollegen in der Neurowissenschaft Matlab, sodass auch Brodbeck begann, sich mit dem Programm auseinanderzusetzen. „Am Anfang war ich  fasziniert, dann zunehmend interessiert an den Skripten. Als ich begann, deren Logik halbwegs zu verstehen, entstand der Wunsch, das auch selbst zu können“, erinnert sie sich. Vor drei Jahren arbeitete sie sich dann in HTML, CSS, JavaScript und Ruby on Rails ein und fand auf diese Weise einen Weg, ihre Fähigkeiten zum geordneten, analytischen Denken mit ihrer Kreativität zu verbinden. „Die Programmierlogik nicht nur an ‚trockenen‘ Daten auszutoben, sondern damit auch noch etwas schaffen zu können, was kreativ, sofort sichtbar, funktional ist, entspricht meiner Motivation mehr, als die wissenschaftliche Datenanalysen. Das wusste ich vor 3 Jahren selbst noch nicht,“ sagt Brodbeck, die diese Erfahrung auch anderen Frauen zuteil kommen lassen will.

Rails Girls

Da Rails Girls nur drei Jahre nach den ersten Schritten weltweite Ableger gefunden hat und jedes Jahr fast 200 Events stattfinden, stellen die Macherinnen aus Finnland Guides als Open-Source ins Web. Anhand dieser Leitfäden helfen die Coaches den Teilnehmerinnen, eigene Sample-Apps zu erstellen. Auch Brodbeck organsiert inzwischen selbst Rails Girls Treffen in Frankfurt am Main und das Interesse in der Rhein-Main-Region ist groß. Viele lokale Sponsoren unterstützen die Non-Profit Veranstaltung, bei der 15 Coaches schon beim ersten Treffen 40 Teilnehmerinnen betreuten. „Das hatte ich so nicht unbedingt erwartet,“ gesteht die 37-jährige. Noch voraussichtlich für dieses Jahr ist ein weiterer Workshop geplant. „Was die Teilnehmer mitgenommen haben, ist das Wissen: Web-Entwicklung ist kein Mysterium, es ist lernbar, man kann da einsteigen auch ohne ein abgeschlossenes Informatik-Studium und es macht Spaß, es gibt unzählige Lernhilfen im Netz und eine Community, die freundlich und begeisternd ist. Sicher wollen nicht alle, die dabei waren, danach nun Webentwickler werden, aber bei einigen sprang der Funke über, und bei den meisten haben sich Hemmschwellen gelöst.“

Sicherlich macht der große Anklang dabei offensichtlich, dass es durchaus Bedarf für diese Projekte gibt, die bislang vernachlässigt wurden. Das Problem ist es schließlich nicht, dass Frauen schlechtere Programmierer sind als Männer, sondern vor allem, dass zu wenig Frauen für das Programmieren begeistert werden können. Es ist keine Frage des Geschlechts, ob jemand Talent oder Spaß am Programmieren hat, doch immer mehr hat es sich als Männerdomäne etabliert. „Warum das aber so extrem ist, und warum sich daran so schwer etwas ändert, liegt aber nicht daran, dass Männer das 90 Prozent mehr wollen, 90 Prozent besser können, sondern hat vor allem daran, dass mit dem Zustand auch ein Umfeld weiter gewachsen ist, dass sich inzwischen selbst am Leben hält,“ stellt die Rails-Girls-Organisatorin fest. Auch die Herangehensweise an Probleme unterscheidet sich kaum, wobei Brodbeck allerdings eine Tendenz beobachtet: „Es ist eher die Art, wie Frauen und Männer ihr eigenes Können, ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen, vor allem aber auch, wie sie diese nach außen präsentieren. Das ist nun eine starke Vereinfachung, aber ich glaube schon, dass es einen geschlechtsspezifischen Unterschied dahingehend gibt, dass Frauen die Tendenz haben, eher zu untertreiben, Zweifel und Unsicherheiten an Ihren Fähigkeiten zu äußern, während Männer tendenziell eher aus der anderen Ecke kommen.“

Nicht zuletzt aus diesem Grund werden Frauen in der Szene anders wahrgenommen und nur in Ausnahmefällen schafft es ein Frau, Karriere im IT Bereich zu machen. Rails Girls bietet deshalb einen entwaffnenden Ansatz, der die Scheu vorm Programmieren nehmen soll – ohne Antworten auf die Fragen zu liefern, ob Webdesign Spaß macht  und was es überhaupt bedeutet, für das Web zu entwickeln. In den Workshops finden Frauen die Möglichkeit, diese Fragen ganz persönlich für sich selbst zu beantworten. Schritt für Schritt sollen sie so, wie auch Verena Brodbeck, einen selbstverständlichen Umgang mit der Technik lernen. Brodbecks eigener Werdegang zeigt, dass solche Ansätze wichtig sind und so lautet ihr Wunsch für die Entwicklung der nächsten 10 Jahre: „Es wäre schön, wenn das Geschlecht in 10 Jahren in der Programmierszene einfach gar kein Thema mehr wäre.“ Mit diesem Wunsch steht Verena Brodbeck definitiv nicht allein dar.

 

 

webinale Early Bird

Mehr Informationen zur Konferenz webinale findet Ihr auf der Homepage der Webinale. Verena Brodbeck wird ihren Vortrag zum Thema Rails Girls – Eine Idee, die zum Phänomen wurde am 05. Juni 2013 von 10:00 – 10:45 Uhr halten. Bis zum 2. Mai läuft die Early Bird Anmeldung mit Rabatten von bis zu 100 Euro und einem kostenlosen Notebook oder Tablet im Wert von 400 Euro.

Screenshot und Aufmacherbild: railsgirls.com   

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