Rakuten: Happy (e)Commerce aus Japan
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Rakuten, der eCommerce-Gigant aus Japan, lässt unsere deutschen Online-Handel-Strategien zum Teil recht alt aussehen. Was ist das Geheimnis hinter dem Wachstumserfolg von Rakuten. Und welche „Superpower“ haben die Japaner eigentlich entdeckt?

Seit 2009 macht Rakuten von sich reden. Damals titelte TechCrunch noch relativ passend: „Japans Rakuten könnte die größte E-Commerce Firma sein, von der Sie noch nie gehört haben“. Mittlerweile hat man auch hierzulande Rakuten Deutschland zumindest schon mal gehört. Kein Wunder, denn CEO und Gründer Hiroshi Mikitani hat großes vor.

Bereits ein Jahr nach der Gründung der Online-Plattform Rakuten Ichiba im Jahr 1997, kaufte Rakuten das US-Unternehmen buy.com. Im Jahr 2011 folgten die Übernahme von play.com und Tradoria. Letztes Jahr war der kanadische eReader-Hersteller Kobo dran. Außerdem hat Rakuten Beteiligungen an dem russischen Online-Marktplatz ozon.ru, Pinterest, Ahalife und Daily Grommet erworben. Ende letzten Jahres folgten dann noch die Übernahme von Freecase (jetzt Rakuten Loyality) und Mediaforge. Warum Rakuten zum Lead Investor in Pinterest wurde, hatte Jay Yarow von Business Insider sehr schön dargelegt. 

Hiroshi Mikitani – auch Mickey genannt –  hatte auf der Tradoria Live! 12 seinen Ambitionen deutlich an Ausdruck verliehen: Innerhalb der nächsten fünf Jahre wolle man an den Global Playern Amazon oder eBay vorbeiziehen. Wie das vonstatten gehen soll, hatte Parmy Olson von Forbes bereits detailliert analysiert. Ein recht anspruchsvoller Plan könnte man meinen. Betrachtet man das rasante Wachstum des Unternehmens, könnte sich die Konkurrenz allerdings tatsächlich auf einige Ungemütlichkeiten einstellen. Denn auch Amazon hat Schwächen, wie George Taylor passend auf Internet evolution bemerkt. 

Mit der Erweiterung des Serviceangebots für Online-Händler um die Rakuten Universität, Rakuten Mail, den E-Commerce-Consultants sowie dem Template-Shop macht sich Rakuten zum Full-Service-Anbieter für eCommerce-Einsteiger, hat sich aber auch zu einem vielversprechenden weiteren Vertriebskanal für bestehende Shops gemausert. Gegenüber AllThingsDigital erläutert Mickey seinen Plan von „Empowering Merchants“.

Entgegen dem bekannten Geschäftsgebaren von eBay oder Amazon, stellt er besonders die Händler in den Mittelpunkt und zieht damit ganz deutlich die langfristige Kundenzufriedenheit kurzfristigen Gewinnen vor. Denn Rakuten macht keinen Direktverkauf sondern will als fairer Dienstleister seinen Händlern, mit den entsprechenden Werkzeugen, einen erfolgreichen eCommerce bescheren.

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz legte Rakuten auch eindrucksvolle Zahlen vor. So kommt der eCommerce Riese im Schnitt mittlerweile auf mehr als 16 Bestellungen im Jahr. Vergleicht man die Ergebnisse der ACTA Studie 2012, vom Institut für Demoskopie Allenbach, herrscht hierzulande nach wie vor noch eine eher sporadische und selektive Nutzung des eCommerce. Zwar gibt es einen deutlichen Strukturwandel hin zu begeisterten Online-Shoppern, der deutsche Online-Handel profitiert davon allerdings eher tröpfchenweise.

Was somit viel interessanter und in der Zukunft auch vielversprechender ist, sind alternative eCommerce-Strategien, um sich gegenüber seiner Konkurrenz zu positionieren. Davon hat sich Rakuten nun weiter inspirieren lassen und auf seiner Pressekonferenz dem altgedienten Automatenmodell das neue Konzept des „Happy Commerce“ entgegengesetzt, wie excitingcommerce berichtet. Gemäß bekannter Rakuten-Philosophie, ergeben fröhliche Händler und fröhliche Käufer auch ein glückliches Einkaufserlebnis. Ob sich dieser Ansatz auch bei Produkt-Automaten bezahlt macht, bleibt abzuwarten.

Klar ist jedenfalls, auch der europäische eCommerce kann sich warm anziehen. Erst kürzlich berichtete Computerworld über die geplante Übernahme eines französischen Logistikdienstleisters, womit Rakuten das Europa-Geschäft weiter verstärkt und eine 24-Stunden-Lieferung möglich macht. Ein weiteres potentielles Differenzierungsmerkmal. Aktuell ist Rakuten eine Partnerschaft mit dem Malaysischen Kreditinstitut AmBank eingegangen, wie techcentral.my berichtet. Am 02. Februar ging außerdem der buy.com-Relaunch als Rakute.com Shopping online. 

Laut PCWorld wird der Shop von Jugendlichen Usern im Vergleich zu Amazon als etwas “zu überladen” empfunden, denn auf Amazon können Produkte „einfacher gefunden werden.“ So etwas Usability- und User Experience-technisches kann ja problemlos nachgebessert werden. 

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