ReDigi: Gekaufte iTunes Musik verkaufen [Kommentar]
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Einkaufen, Filme schauen und Musik hören – ein Großteil davon spielt sich heutzutage im Internet ab, unkompliziert und digital. Während wir früher ganze Wohnzimmerschränke mit Videokassetten, CDs und DVDs füllten, jagen wir nun unsere Musiksammlungen von Stevie Wonder, Michael Jackson und Co. in die Cloud.

iTunes riecht nicht nach Michael Jackson

Ich gehöre noch zur Generation „Schallplatte“. Mein erstes Album war Michael Jacksons „Off the Wall“ und hat mich auf dem Flohmarkt ganze drei D-Mark gekostet. OK, es war ramponiert und mein Vorgänger hatte blöderweise seinen Namen mit Kugelschreiber auf Michels Smokinghemd geschrieben – aber es gehörte mir, es fühlte sich gufacebook telefonfunktion in meinen Händen an und es roch – ich dachte damals, dass Michael Jackson so rieche, dabei war es nur der Gestank aus der Wohnung des Verkäufers, der dem guten Stück noch immer anhaftet.

Wenn irgendwann die CD-Sammlung drohte, aus allen Nähten zu platzen, wurde ein Teil (meist waren es ungeliebte Alben, die man zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte) auf dem Flohmarkt oder bei Ebay verkauft – ein Kreislauf.

iTunes Musikleichen

Heute schleppe ich diverse Apple-Geräte mit mir herum und dank iTunes ist meine Musiksammlung ist in bester Klangqualität immer dabei und wächst stetig. Manchmal kaufe ich Songs aus einer Laune heraus, genau wie früher. Der große Unterschied zu früher ist, dass ich ungeliebte Fehlkäufe nicht einfach loswerden kann.

Eintagsfliegen wie „Call me maybe“ kann ich nicht einfach auf dem Flohmarkt an einen naiven Teenager verkaufen oder bei Ebay verramschen. Oder doch? Welche Spielregeln gelten hier?

iTunes-Musik verkaufen in Deutschland

In der Tat ist die Rechtslage für gedownloadete Musik in Deutschland nicht eindeutig. Grundsätzlich haben Kunden das Recht auf eine sogenannte Privatkopie und dürfen demnach solche Inhalte im privaten Kreis, also mit Freunden und Familie teilen, solange dafür kein Kopierschutz umgangen werden muss. Darf Musik aber auch verkauft werden? Hier greifen in der Tat die AGB des iTunes Stores und diese schließen einen Weiterverkauf aus. Darin heißt es:

Kein Teil des Dienstes darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln vervielfältigt werden, es sei denn, es ist ausdrücklich in diesen Bedingungen erlaubt. Sie dürfen den Dienst nicht bearbeiten, vermieten, verleihen, verkaufen, verbreiten oder auf dem Dienst beruhende abgeleitete Werke erstellen und Sie dürfen den Dienst nicht in unzulässiger Weise verwerten, insbesondere nicht durch das Eindringen in oder durch die Belastung von Netzwerkkapazitäten.

Gedownloadete Musik via ReDigi verkaufen

Sprichwörtlich ist Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so ist zum Beispiel das Urheberrecht weniger streng als in Deutschland. US-Nutzer können unliebsam gewordene Musik zum Beispiel auf der Plattform ReDigi wiederverkaufen. ReDigi funktioniert wie damit ein virtueller Second-Hand-Laden für Musikdateien.

Laut eigenen Angaben prüft ReDigi, ob es sich um eine legal erworbene Datei handelt und löscht diese dann vom Rechner des Verkäufers, sobald der Verkauf abgewickelt wurde. Im Schnitt kostet ein Song 60 Cent, für ReDigi fällt eine kleine Provision ab. Der Urheber wird ebenfalls am Verkauf beteiligt – klingt wie eine faire Win-Win-Situation.

Dabei stützt sich ReDigi auf das First-Sale-Prinzip in der angelsächsischen Rechtsprechung. Demnach darf der Käufer eines Produktes seinen Besitz nach Belieben vermieten, verkaufen oder verschenken.

ReDigi – legal oder illegal?

Tatsächlich laufen aber Plattenfirmen Sturm gegen das Geschäftsmodell von ReDigi, weil sie hohe finanzielle Einbußen befürchten. So reichte erst kürzlich das Platten-Label Capital Records Klage gegen die Geschäftspraktiken von ReDigi ein und bekam Recht!

Der Urteilsbegründung zufolge fertige ReDigi beim Upload des Musikstückes auf den eigenen Server eine Kopie an und das verstöße gegen das Urheberrecht. Bisher beschränkt sich das Verbot von ReDigi jedoch nur auf den Bundesstaat New York.

ReDigi in Europa

Unbeeindruckt von dieser Gerichtsentscheidung kündigt ReDigi auf seiner Homepage an, seinen Dienst in den nächsten Monaten auch in Europa anbieten zu wollen. Ob wir aber hierzulande bald in den Genuss eines digitalen Flohmarkts für gedownloadete Musik kommen, ist noch sehr fraglich. Zählt Deutschland doch zu einem der Länder mit den striktesten Urheberrechtsgesetzen. Dessen Auswirkungen dürfte uns allen des Öfteren bei YouTube aufgefallen sein, wenn wir nach bestimmten Musikstücken gesucht haben und mit der Meldung „„Dieses Video ist in deinem Land leider nicht verfügbar“ abgespeist wurden.

Grund dafür sind deutsche Urheberrechtsgesetze und die GEMA, die hierzulande rund 60 Prozent, also 610 der 1.000 meist geklickten Videos einen Riegel vorschieben. Damit sind ein Deutschland weltweit mit Abstand die meisten YouTube-Videos gesperrt – gefolgt vom Südsudan mit 152 Videos und dem Vatikanstaat mit 51.

Bildquelle Featurebild: Screenshot ReDigi

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