Redtube: Legal oder illegal? Die Sexfalle vor Weihnachten
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Heiße Filmchen, die schnelle Entspannung und die kalte Dusche danach: Zehntausende Nutzer der Porno-Webseite Redtube staunten nicht schlecht, als sie im Laufe des Dezembers eine Abmahnung wegen illegalen Streamings urheberrechtlich geschützter Pornofilme erhielten.

Was nun? In dem Schreiben wurden die einhändigen Banditen dazu aufgefordert 250 Euro Strafe zu bezahlen, anderen Falls droht ein Gerichtsprozess und die öffentliche Bloßstellung. Was ging den Abgemahnten wohl durch den Kopf, als sie das Schreiben erhielten? Sollten sie der Partnerin den vermutlich heimlichen digitalen Sexkonsum beichten?

Hätte sie Verständnis dafür oder stünde die ganze Beziehung plötzlich auf der Kippe? Schließlich hat Online-Pornografie bei vielen ein ausgesprochen schlechtes Image und wird von manchen sogar mit Kinderpornografie in einem Atemzug genannt. Was würden die Kollegen dazu sagen, wenn der Schullehrer, der Pfarrer oder der Gynäkologe in seiner Freizeit gerne einmal vor dem Computer onaniert?

Und das ausgerechnet vor Weihnachten! Tatsächlich scheinen sich die Anwälte der Kanzlei Urmann + Collegen Zeitpunkt für ihre Abmahnungen sehr bewusst ausgesucht zu haben. Während derzeit bunte Weihnachtspostkarten ins Haus flattern – schlägt die Porno-Abmahnung wie eine Bombe ein und zerschlägt die Advents-Idylle. Lieber schnell bezahlen, dann ist die Sache vom Tisch und der Weihnachtsabend gerettet, dürfte sich so manch einer gedacht haben.

Weihnachtsgeld-Trick

Vielen Abgemahnten wurde gerade das Weihnachtsgeld ausgezahlt, die Kasse ist voll. Da zahlt man schneller mal die Strafe, um die unangenehme Situation aus der Welt zu schaffen. Auch wenn es dadurch an Weihnachen nur kleine Geschenke gibt. Der kleine Rüdiger kann auf seine blöde Carrera-Bahn bis zum Geburtstag warten, was soll’s.

Es ist davon auszugehen, dass die Taktik der Anwälte in vielen Fällen aufgegangen ist. Wer setzt sich hin und recherchiert schon, ob das Streamen von Videos legal ist. Wer danach googlet, findet widersprüchliche Aussagen und die Rechtslage ist in Deutschland ohnehin unklar – oder doch nicht?

§ 44a Urheberrechtsgesetz

Nun meldet sich der Medienrechtsprofessor Gerald-Spindler auf dem Blog irights.info zu Wort und behauptet, dass das bloße Streamen von Filmen legal sei, da während einer flüssigen Wiedergabe von Filmen Daten nur temporär gespeichert werden.

Der einschlägige Rechtsquelle, der für die Klärung herangezogen werden muss ist §44a des Urheberrechtsgesetzes. Hier ist die Rede von flüchtigen oder begleitenden Vervielfältigungshandlungen – welch Ironie, ist doch der der Konsum von Online-Pornographie an sich auch schon flüchtig und begleitend. Im Paragraphen findet sich folgende Regelung:

Zulässig sind vorübergehende Vervielfältigungshandlungen, die flüchtig oder begleitend sind und einen integralen und wesentlichen Teil eines technischen Verfahrens darstellen und deren alleiniger Zweck es ist,

1. eine Übertragung in einem Netz zwischen Dritten durch einen Vermittler oder

2. eine rechtmäßige Nutzung eines Werkes oder sonstigen Schutzgegenstands zu ermöglichen, und die keine eigenständige wirtschaftliche Bedeutung haben.

Wie Gesetzestexte aber so sind, gibt es doch bestimmt irgendwo noch Ausnahmen und Sonderfälle. Das werden sich die meisten gedacht und zähneknirschend den Betrag überwiesen haben.

Wie viele tatsächlich in die weihnachtliche Sexfalle getreten sind und 250 Euro bezahlt haben, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass so manch ein abgemahnter Redtube-Nutzer ein kleines schmutziges Geheimnis mit sich herumträgt und seinen Kummer über das verlorene Geld am Weihnachtsabend in einem Extra-Glas-Glühwein ertrinkt.

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