Responsive Webdesign: praktische Lösung oder nichts als Schrott?
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Responsive Design ist die Boy-Group unter den Design-Mantras, angesagt wie Justin Bieber oder Jason Derulo. Es ist das Schlagwort, wenn es um gutes Web-Design geht. Jeder kennt es, will es und braucht es – so scheint es zumindest. Doch genau so, wie nicht alle bei Justin Biebers Heartbreaker mitträllern, sind auch nicht alle Designer von dem Hype um Responsive Design überzeugt. Auch Melinda Burmeister von der Digitalagentur Denkwerk und Peter Voelcker vertreten in puncto Responsive Design unterschiedliche Meinungen. Während Erstere durch Zahlen und Fakten den Nutzen unbestritten sieht und in Einzelschritten die Realisierungsmöglichkeiten und Anforderung untersuchen, hält Peter Voelcker Responsive Webdesign schlicht und ergreifend für Schrott. Wir haben die Sichtweisen und Argumente beider Seiten für Euch zusammengefasst:

Responsive Design – warum?

Für Melinda Burmeister lässt sich diese Frage eindeutig beantworten: Zunächst einmal ist Responsive Design eine praktische Lösung, die eine geräteübergreifende User Experience ermöglicht und dabei gleichzeitig Stärken und Potentiale der jeweiligen Devices nutzt. Wichtigster Vorteil: Die Technik ermöglicht die Anpassung einer Website an die individuelle Größe und Auflösung des Ausgabegeräts. Dies geschieht über CSS Media Queries, über die die Eigenschaften des Ausgabeformates abgefragt und die Ausgabe des Stylesheets angepasst wird. Unternehmen genießen folglich den Vorteil, nur eine Webpräsenz pflegen zu müssen, sodass separate Seiten für mobile Geräte und PCs durch Responsive Design überflüssig werden. Grundsätzlich hält Burmeister „einen Gesamtauftritt mit Responsive Design […] für die beste Lösung“, sofern „die Inhalte bzw. Texte weitgehend gleich bleiben und die eigentliche Codierung nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.“ Allerdings sollte beachtet werden, dass nicht alle Websites auf den verschiedenen Bildschirmgrößen von Smartphone über Phablet, Tablet, Notebook und PC bis hin zum TV gleich gut funktionieren, wobei sowohl die physische Größe des Displays als auch die Auflösung eine Rolle spielen. Um gewährleisten zu können, dass die Website selbst auf Geräten mit geringer Auflösung oder Display-Größe aufgerufen werden können, sollte man aus diesem Grund für den kleinsten Bildschirm optimieren. Dementsprechend soll der Grundsatz für Entwickler lauten: „mobile first“.

Die Kehrseite der Medaille

Wer glaubt, dass die Entwicklung eines Responsive Designs durch die geräteübergreifende Nutzbarkeit für den Webseitenbetreiber auch eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeutet, folgt einem Trugschluss. So argumentiert jedenfalls Peter Voelcker, der darauf hinweist, dass die Entwicklung eines Responsive Designs einen kompletten Relaunch voraussetzt, der das Umstellen der entwickelten Templates auf Responsive bedeutet – einem Entwicklungsaufwand, der dem zweier separater Websites Voelcker zufolge sehr nahe kommt. 
Um allerdings den Nutzen von Responsive Design abzuwägen, muss die Technologie selbstverständlich mit separat entwickelten mobilen Sites, nicht etwa mit der Darstellung von Desktop-optimierten Seiten auf mobilen Geräten, verglichen werden. Laut Voelcker lässt sich dabei feststellen, dass die Teaser-Texte häufig nur unzureichend repsonsive sind. Das heißt, dass der Text einfach in mehreren Spalten untereinander gesetzt wird, wodurch mobile Nutzer zunächst einmal an dem Text vorbeiscrollen müssen, um überhaupt an die eigentlichen Inhalte der Seite zu gelangen. Vergleichbar können auch die Navigationselemente zu viel Platz auf den kleinen Bildschirmen einnehmen oder sich nur schlecht über den Touchscreen anwählen lassen. Hier sieht Voelcker separat angepasste Websites klar im Vorteil, wobei er ebenso darauf hinweist, dass  es aufgrund der wirtschaftlichen Vernunft nicht möglich ist, für alle Bildschirmgrößen und –auflösungen einzelne Websites zu programmieren und anzubieten. Allerdings sei dies auch gar nicht zwingend nötig, denn für Tablets, die mittlerweile über eine Notebook-ähnliche Auflösung verfügen, hat sich eine Desktopdarstellung bereits als optimal erwiesen. Hinzu kommt, dass an vielen Orten schnelle WLAN-Verbindungen vorhanden sind, sodass auch die Möglichkeit weitere Ressourcen über die schnellere Verbindungen nachzuladen besteht.
Ebenso stellen HD-Fernsehgeräte Voelckers Ansicht nach zumindest derzeit keine große Herausforderung dar, da geräteunabhängig (PlayStation, XBox, DVD- oder Blue-Ray-Player) die Auflösung gleichbleibend bei 1.920 x 1.080 Pixeln liegt, wodurch sich auch hier Desktop-optimierte Seiten eignen. Zwar werden die Buttons, Symbole und andere Darstellungen gegenüber einem Computer-Monitor mit gleicher Auflösung größer, doch sei dies notwendig, da sich der Nutzer hier in der Regel in größerer Entfernung zum Bild befindet. Sollten sich aber die neuen Fernsehgeräte mit einer Auflösung über HD etablieren (z.B. 4k/ Ultra-HD), könnte sich dies ändern. 

Auch kann Responsive Design einige Fallen für die Suchmaschinenoptimierung der eigenen Seite bergen. 

Responsive Design eignet sich nicht für jedes Gerät

Fest steht, dass den Betreibern von Internetseiten höhere Kosten entstehen, wenn zwei Seiten entwickelt und gepflegt werden müssen, daher muss abgewägt werden, ob diese Mehrinvestitionen in einem Verhältnis zum Ertrag steht – in diesem Fall wäre laut Voelcker der Ertrag die User Experience. Um hier einen Vergleichswert zu erhalten, führt Voelcker Studien des Usability Gurus Jakob Nielsen an, bei denen Nutzer über verschiedene Geräte Aufgaben auf Websites zu erfüllen hatten. Die Aufträge reichten dabei von der Produktsuche bis zum Online-Kauf. Ergebnis: Mit steigender Bildschirmgröße wächst auch die Erfolgsrate. Bei Websites, die extra für die mobile Nutzung optimiert waren, lag die Erfolgsrate mit 64 Prozent weit über dem Durchschnitt auf mobilen Geräten und konnte durch Apps sogar nochmals um zehn Prozent gesteigert werden. Nielsen sieht hierin den Beleg dafür, dass ein Surfen auf kleinen Displays selbst mit Responsive-Design-Seiten in ihrer Effektivität nicht überzeugen kann.

Doch das sind nicht alle Gründe, die Voelcker zu einer Abwertung des Responsive Design als Schrott  veranlassen. So weist er darauf hin, dass Responsive Design unter Umständen ein Störfaktor sein kann. Beispielsweise wird die Ladezeit aufgrund zusätzlicher Http-Requests verlängert, was zwar nur minimale Auswirkungen hat, doch könnte diese Ladezeitverlängerung entscheidend sein. Dauert das Laden einer Seite 200ms länger, verliert man laut einer Google-Studie innerhalb von 6 Wochen fast ein halbes Prozent an wiederkehrenden Kunden. Schlimmer noch ist es, dass einige alte Browser wie etwa die IEs 6 bis 8 die notwendigen CSS-Anweisungen nicht verstehen können.

In zwei Punkten sind sich allerdings sowohl Burmeister als auch Voelcker einig: Pflegeaufwand der Website und Suchmaschinenoptimierung (SEO) sind klare Pluspunkte von Responsive Design. Für Burmeister sprechen auch SEO-Faktoren für einen Gesamtauftritt im Responsive Design, wobei hier darauf hingewiesen wird, dass Webmaster als Best Practice auf eine Trennung von Inhalten und Gestaltung achten sollten. Konkret bedeutet dies, dass ein einheitlicher HTML-Code die Basis sein sollte und gegebenenfalls ein gerätespezifisches Rendering der Inhalte über CSS3/Media Queries vorgenommen werden muss.

Fazit

Zusammenfassend bleibt es daher Geschmackssache: Während die Einen an Responsive Design die Praktikabilität und die Bequemlichkeit schätzen, legen die Anderen besonderen Wert auf Benutzererfahrung und sind bereit, zu diesem Zweck einen Mehraufwand zu betreiben. In jedem Fall lohnt es sich, die Funktionsweise mit all ihren Vor- und Nachteilen zu hinterfragen und selbst ein Urteil zu fällen. Wie steht Ihr zu Responsive Design?

 

Aufmacherbild: Responsive web design on different devices Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Julynx

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