Responsive Webdesign wird einfacher… …steht aber vor neuen Hürden
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Wer mit seinem Web-Auftritt auch die wachsende mobile Kundschaft bedienen will, der sollte sich um Responsive Web Design kümmern. webinale-Speakerin Stefania Trabucchi macht einen kleinen Rück- und Ausblick und zeigt, dass sich sehr einfach responsiv Layouten lässt, aber damit noch nicht alle Probleme gelöst sind. Auch inhaltlich muss man sich den Smartphone-Kunden anpassen, will man die Usability ideal gestalten.

WebMagazin: RWD macht Websites für mobile Nutzung tauglich und vergrößert damit den Kreis der Leser/Kunden. Warum steigen nicht alle Website-Besitzer sofort auf das neue Konzept um?

Stefania Trabucchi: Ich baute die erste Responsive Site 2011 mit Hilfe von Ethan Marcotte’s Buch Responsive Web Design (abookapart) und HTML5Boilerplate und ließ mich von der Arbeit von John Hick (hicksdesign.co.uk) inspirieren. Ich war begeistert, wie man Fluid Layout und Media Queries einsetzte und welche Ergebnisse man damit erzielen konnte. Ich rechnete händisch alle Breakpoints aus, und ich nahm aus dem Netz jegliche Hilfe auf, die zu diesem Thema verfügbar war. Das damalige Projekt war zeitintensiver als heute, dafür analytischer als bisherige Theming Projekte. Es war spannender und öffnete mir komplett neue Ansätze.

Im Vergleich zu früher würde ich sagen, dass RWD heute viel einfacher zu implementieren ist. Es ist nicht mehr so zeitintensiv wie vor zwei Jahren, wodurch auch die Projektkosten sinken.

Warum steigen aber nicht alle auf das neue Konzept um?

Ich stelle fest, dass viele Kunden nicht die richtige Vorstellung haben, warum eine Site responsive sein soll. Viele verstehen Responsive Web Design als einen Trend, oder sehen es als rein technischen Aspekt. Agenturen verkaufen Responsive Design als (teure) Verkaufsstrategie, andere setzten lieber auf native Apps oder haben sich (noch) für getrennte Varianten für Mobile und Desktop entschieden (The Guardian arbeitet an der beta für die Responsive Site und leitet die mobile Variante über eine andere URL m.guardian.co.uk um). Ich sehe oft noch Beratungs- und Konzeptionsbedarf, um Kunden von Responsive Web Design zu überzeugen. Der Kunde investiert gerne, wenn die Vorteile klar kommuniziert werden, und wenn klar gezeigt wird, was damit erreicht werden kann. Hinderungsgrund kann auch eine fehlende Unterstützung aus dem Design- und Entwicklerteam für solche Projekte sein.

Soziale Netzwerke wie Twitter (55 Prozent vom Traffic über Twitter erfolgt über Smartphones), Youtube, Facebook, Yahoo et c., sowie die Unterhaltungs-, Shopping-, Reise-, Finanz- und Versicherungsbranchen haben die Vorteile von RWD schnell erkannt und sofort umgesetzt. Sie haben in der Projektplanung Rücksicht auf die steigende Zahl mobiler Nutzer oder gar auf die sogenannten Mobile-Only-User genommen (die Anzahl der mobilen Nutzer in China ist höher als die Einwohnerzahl der USA). Auch Bildungseinrichtungen und Universitäten haben frühzeitig mit der Umstellung begonnen. Und wenn einige Branchen diese Notwendigkeit für sich noch nicht erkannt haben, wächst der Bedarf doch stetig.

WebMagazin: Lässt sich bei allen Projekten RWD nachrüsten, oder ist ab und zu ein Relaunch unumgänglich?

Stefania Trabucchi: Von dem Webdeveloper Jeremy Keith kommt die Aufforderung: „Stop Thinking in Pages. Start Thinking in Systems!“ Diese Kernaussage ist Basis für die Entscheidung, ob man Nachrüsten oder Relaunchen sollte.

Rein unter dem Designaspekt betrachtet, kann über eine Nachrüstung auf Responsive mittels Umstellung von Fixed-Pixel-Layout zu Fluid Layout, sowie eventuell die Auflösung von Tabellen und die Einführung von responsiven Navigationskonzepten nachgedacht werden. Der eigentliche Mehrwert von Responsive Web Design – und somit Argument für einen kompletten Relaunch – ist allerdings erstens die Berücksichtigung einer für Mobile Devices angepassten User Experience (Wo ist das Suchfeld? Wie verhalten sich Formularfelder, die auf dem Touchscreen ausgefüllt werden müssen? Usw.), zweitens die Berücksichtigung der Inhalte. Bislang wird RWD häufig als notwendige Designanpassung an die speziellen Ausgabegeräte verstanden. Diese Fehlinterpretation lenkt allerdings von der eigentlich notwendigen Revision von Content-Strategien ab, deren Fokus vielmehr in der Aufbereitung geräteunabhängiger Inhalte liegen sollte. Die Verwendung des Begriffs Responsive Web Design ist irreführend, wenn nicht im Vordergrund der Betrachtung die Inhalte stehen (Content First).

Die gesamten Inhalte müssen zentral erstellt, kostensparend gepflegt (Single-Source), und geräteunabhänging verteilt werden (Multi-Channel-Workflow). Wenn wir dieses Ziel nicht vor das Design setzen, haben wir verloren. Auch ähnliche Ansätze wie Multi-Theme-Management, d.h. mehrere Themes für mehrere Devices, bleiben im Responsive Bereich projektabhängig unter der Voraussetzung einer zentralen Contentquelle attraktiv. Für den Benutzer steht der Wunsch im Mittelpunkt, Inhalte geräteübergreifend zu konsumieren und relevant strukturiert sowie schön designt auf jedem Gerät optimal angepasst dargestellt zu bekommen. Das Schlagwort hier heißt adaptive Inhalte. Diese sind flexible Inhalte, die regelbasiert die User unabhängig von Devices, Screengrößen oder Contexten erreichen. Folgende Voraussetzungen also muss adpativer Content mitbringen: Er muss wiederverwendbar, strukturiert aufbereitet, visuell präsentationsunabhängig und mit Metadaten angereichert sein. Dies geschieht normalerweise mit der technischen Unterstützung durch ein CMS.

Die Content Strategy (also die Aufbereitung von adaptiven Inhalten) in Kombination mit RWD sichern in Zukunft aus meiner Sicht den Erfolg auf dem mobilen Markt (siehe auch das Buch Content Strategy von Karen McGrane). Adaptiver Content lässt sich also nicht so einfach nachrüsten wie eine Umstellung auf Fluid box Layout, stellt aber langfristig die sichere Strategie für die Zunkunft dar.

WebMagazin: Ist auf die RWD-Frameworks langfristig Verlass, oder hole ich mir damit zusätzlichen Wartungsaufwand ins Haus?

Stefania Trabucchi: Ich möchte RWD-Frameworks wie Twitter Bootstrap, Foundation, Skeleton sowie Javascript Libraries heute nicht mehr missen. Diese Entwicklungsteams haben großartige Arbeit geleistet und das Prototyping mobiler Sites um Vieles leichter und schneller gemacht. Der Kunde kann in sehr kurzer Zeit Ergebnisse von Responsive Projekten sehen und ggf. zusätzliche Anforderungen agil weiterentwickeln lassen. Dennoch sind regelmäßige Wartung und Updates stets erforderlich bis hin zur Implementierung neuer Web-Entwicklungen, welche regelmäßig den Markt bereichern (siehe z.B. Adaptive Images und Performanceoptimierung).

WebMagazin: Gibt es Szenarien, wo RWD gar nicht nötig oder gar kontraproduktiv wäre?

Stefania Trabucchi: Mir sind in meinem Umfeld keine derartigen Szenarien bekannt. Firmen, welche keinen Return of Investment sehen, sind nicht zu Investitionen in mobile Szenarien bereit. Der Verkauf von Smartphones hat 2011 die Zahl der verkauften PCs überholt, damit sehe ich in jedem Fall Handlungsbedarf für alle. Soziale Netzwerke, wie Twitter und Facebook sind die treibenden Kräfte für die Nutzung von Smartphones, doch auch Buchungen von Reisen sowie Onlineshopping erfolgen vermehrt ausschließlich über Smartphones.

WebMagazin: Wie sehen die aktuellen Entwicklungen im RWD aus?

Stefania Trabucchi: Im Design ist es sicherlich der richtige Weg, für kleine Screens zu layouten (Mobile First) und dann nach oben (Desktop) zu skalieren. Dieser Ansatz wird von vielen Agenturen bereits umgesetzt. Aktuell sucht man nach Lösungen, sichere Transaktionen von mobilen Endgeräten zu realisieren. Das Thema Content Strategy bleibt, wie bereits erwähnt, sehr aktuell und der Umgang mit großen Datenbanken sowie die Lösung von Inhaltsarchitekturen stellen nach wie vor große Anforderungen dar. Gerade für die Verlagsbranche sind diese Themen von großer Bedeutung. Auch für die SEO werden hinsichtlich der Metadatenindexierung (z.B. Keywords, Title oder Description) neue Lösungen gesucht, da man sprachgesteuerte Suche durchsetzen will.

WebMagazin: Vielen Dank!


Stefania TrabucchiStefania Trabucchi arbeitet als Web Designer. Sie hat 2001 Ihren Abschluss in der media design academy Berlin erhalten. Seitdem erstellt sie Konzepte und Designs u.a. für ein Berliner Publishing- und IT-Service-Haus. Sie arbeitet als Freelancer in nationalen und internationalen Teams für Projekte auf der Basis von Zope oder Plone. Sie ist aktives Mitglied der Community und nahm dabei als Konferenz-Sprecherin und Dozentin sowohl für Plone als auch für Responsive Web Design in dem Plone-Umfeld teil.



In ihrer Session „Responsive CSS-Frameworks und Boilerplates für Prototyping und Entwicklung“ wird Stefania Trabucchi ihr Wissen um Responsive Webdesign auf der webinale 2013 in Berlin teilen. Übrigens könnt Ihr noch bis nächsten Donnerstag, den 2. Mai, vergünstigt zum Early Bird Tarif buchen und rund 500 Euro sparen.

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Quelle Aufmacherbild: Screenshot http://mediaqueri.es/

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