Roboter-Journalist verfasst Meldungen für LA Times
Kommentare

Eine jüngst bei der Los Angeles Times erschienene Erdbebenmeldung mag vorerst unauffällig erscheinen. Doch spätestens der letzte Absatz sollte jeden Leser stutzig machen: „this post was created by an algorithm written by the author.“ Ebenfalls bemerkenswert: die Meldung war bereits wenige Minuten, nachdem die U.S. Geological Survey (USGS) die Erdbebenwarnung überhaupt herausgegeben hatte, online. Wie ist das möglich? Kann ein Journalist so schnell reagieren? Unwahrscheinlich. Die Erdbebenwarnung ist nämlich nicht von menschlicher Hand geschrieben, sondern das Werk eines Roboters. Dieser sogenannte „Quakebot“ wurde vom bei der LA Times beschäftigten Journalisten und Programmierer Ken Schwencke entwickelt. Eben dieser Journalist ist auch derjenige, der als Autor der Erdbebenwarnung angegeben ist.

Wann immer das USGS eine Warnung für Südkalifornien veröffentlicht, reagiert der Algorithmus „Quakebot“ sofort. Gesetzt dem Fall, dass die Erdbebenstärke einen gewissen Wert überschreitet, entnimmt er der Warnung die wichtigsten Informationen und fügt diese in ein vorgefertigtes Template ein. Veröffentlicht wird die Meldung erst, sobald ein Journalist sie überprüft hat.

Ohne Schnörkel und Wortwitz reiht der Bot die wichtigsten Informationen aneinander. Kreative und interessante Geschichten zu schreiben, das bleibt den Journalisten überlassen, erklärt Schwencke gegenüber Slate, „Quakebot“ dient lediglich dem Zweck, die wichtigsten Informationen so schnell wie möglich an die Leser zu übermitteln. Auch mit der Angst, Roboter-Jounalisten könnten die menschlichen erstzen, räumt er auf:

The way we use it, it’s supplemental. It saves people a lot of time, and for certain types of stories, it gets the information out there in usually about as good a way as anybody else would. The way I see it is, it doesn’t eliminate anybody’s job as much as it makes everybody’s job more interesting.

Bei der LA Times kommt allerdings nicht nur bei Erdbebenwarnungen ein Bot zum Einsatz, sondern auch für den „Homocide Report“. Doch wie bei ersteren gilt auch dort: Die menschlichen, nicht die Roboter-Journalisten, haben das letzte Wort.

Aufmacherbild: Cybernetic hand typing on a laptop keyboars. Digital illustration. via Shutterstock / Urheberrecht: Andrea Danti

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -