Run auf die neuen Top Level Domains: Wer bekommt die besten Endungen?
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Seit Juni 2012 bewarben sich Unternehmen und Organisationen eifrig um die neuen gTDLs (Generic Top Level Domains). Die Vergabe der neuen Adresszonen steht nun kurz bevor.

Das Bewerbungsverfahren der ICANN (Cooperation for Assined Names ans Numbers) über die bislang verfügbaren Endungen hinaus, weitere generische Adresszonen zur Verfügung zu stellen, liegt weniger als ein Jahr zurück. Um so überraschender war kürzlich die konkrete Ankündigung von ICANN-Geschäftsführer Fadi Chehade, man wolle am 23. April 2013 über die ersten hundert Bewerbungen entscheiden. Die dTLD Global Awareness Kampagne als solche begann bereits im Juli 2011. 

Wie Heise berichtete, war es während des Bewerbungsverfahrens bei der für die Verwaltung der Internetadressen betraute US-Organisation zu Datenpannen gekommen, wodurch das Verfahren weiter verzögert wurde. Nach Jahren der Vorbereitung weitere Top Level Domains, wie z.B. die seit 2003 verfügbaren sponsored TLDs, können sich Webuser bald auf wohlklingende URL-Endungen wie „.lol“ oder „.blog“ freuen. Die vollständige Liste der eingereichten Bewerbungen und hart umkämpften TDLs können bei der ICANN eingesehen werden. 

Gespannt wartet die Netzgemeinde, wer sozusagen den Zuschlag bekommt. Google Vice President und CIO Ben Fried befürwortet die Öffnung von generischen TDLs, um die Innovation in diesem Bereich weiter voranzutreiben und Hemmnisse im Umgang mit der Domain-Registrierung abzubauen. Daher möchte das Unternehmen die gTDLs .search, .app oder .cloud für andere öffnen.

Glaubte man zu Anfang noch besonders .sex müsste die am stärksten umworbene gTLD sein, sind es Begriffe wie „.app“, „.web“, „.blog“, „.music“ oder „.hotel“, die zu den begehrtesten Adresszonen gehören. Aus Deutschland wurden ganze 69 Bewerbungen einreicht. Neben BMW, Lidl oder Obi reihen sich High-Tech-Unternehmen wie SAP oder auch der Chemiekonzern Merck in die Schlange der Bewerber ein. Auch der Spiegel besteht auf eine eigene Domain-Endung. Die Deutsche Post möchte gleich vier betreiben, nicht nur „.deutschepost“ und „.dhl“ sondern auch „.epost“ und „.trust“.

Begeisterter Aktionismus bei manchen, clevere Strategie bei anderen. Allerdings haben die Domain-Pläne zum Teil auch großen Widerstand hervorgerufen. So entbrannte eine hitzige Diskussion bezüglich Amazons Vorhaben Begriffe wie books, read und author zu registrieren. Scott Turow, President der US Authors Guild, legte gegenüber der ICANN seine Einwände dar, Rechte an generischen Begriffen der Buch-Branche in Form von TDLs zu veräußern. Es wäre „wettbewerbswidrig […] solche Domains in private Hände zu geben“. Als Abschluss endet Turow mit den Worten: 

„ICANN, of all entities, should be mindful of the critical need to maintain an open, freely competitive Internet. Please rethink this project.“

Leider hat die ICANN nicht mehr als zu viel Bedenkzeit. Ab dem 23.04.2013 wird das Vergabeverfahren starten. Dann werden wir sehen, welche Bewerber den Anforderungen der Netzverwaltung für die neuen Spezial-Adressbereiche gerecht werden. Und ob manch einer übervorteilt oder das Netz letztendlich doch ein wenig zugänglicher wird. Optimismus ist angesagt.

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