Schnellkochtopf und Rucksack sorgen für NSA-Razzia
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Die Überwachung unser aller Internetdaten durch die NSA ist eines der großen Themen in diesem Sommer. Doch neben heftiger Schelte und politischer Diskussionen treibt der PRISM-Skandal auch kuriose Blüten, wie etwa in den USA, wo die zeitlich versetze Google-Suche nach einem Schnellkochtopf und einem Rucksack der Familie Catalano den Besuch einer sechsköpfigen Anti-Terror-Einheit inklusive Verhör und Hausdurchsuchung einbrachte, wie die Bloggerin Michelle Catalano berichtet.

Unglücklicher Weise interessierte sich zuvor nämlich nicht nur die Mutter für einen Schnellkochtopf und der Vater für einen Rucksack, sondern auch der 20-jahrige Sohn der Familie für die tagesaktuellen Nachrichten. Letzterer las einen Artikel über den Bombenanschlag in Boston, in dem CNN berichtete, dass es ohne Probleme möglich sei, Anleitungen zum Bombenbau im Internet zu finden. Wie wahrscheinlich abertausende Interessierte, aber gänzlich harmlose Menschen aus aller Welt, probierte er es auch prompt aus und gab die Stichwörter in die Google-Suche ein. Zugegeben: Auf wie viel Fiktion und Spekulation die Tathergangsbeschreibung der Mutter und Bloggerin Michelle Catalano tatsächlich basiert, kann nicht eindeutig bestimmt werden. Dass eine Anti-Terror-Einheit tatsächlich den Fall vor Ort untersuchte ist jedoch eine verbürgte Tatsache und sprach zunächst für die Annahme der Familie, man habe ihren privaten PC ausspioniert. 
 
Man kann sich die Verwunderung der Catalanos nur vorstellen, als um 9 Uhr morgens drei schwarze SUVs wie im Spielfilm vor dem Haus der Familie parkten und sechs Männer das Gebäude umstellten. Schnell merkten die Beamten allerdings, dass es sich eher um einen falschen Alarm handelte und so gestalte sich die Suche auch etwas halbherzig. Ein paar Blicke in die Zimmer und in die Bücherregale und ein paar Fragen an den Ehemann genügten, um den Verdacht auszuräumen. Es ist jedoch fraglich, ob ein vermeintlicher Terrorist bei den Fragen: „Haben Sie einen Schnellkochtopf?“ und: „Nutzen Sie ihn, um Bomben zu basteln?“ zusammengebrochen wäre und um Gnade gefleht hätte.
 
Wer nun denkt, hierbei handle es sich um einen Ausnahmefall, irrt jedoch. So gestanden die Beamten der Familie, dass die Einheit durchschnittlich etwa hundert Mal pro Woche aus ähnlichen Gründen ausrückt – „business as usual“, also.
 
Zwar ist nicht klar, welche Informationen tatsächlich ausschlaggebend für den Besuch der Anti-Terroreinheit waren, doch wurde jetzt bekannt, dass auch die Suchanfragen des Mannes während eines früheren Jobs für den Besuch verantwortlich sein könnten. Dort gab sich Herr Catalano angeblich etwas explizierter und suchte nach „Pressure cooker bombs“. Als der Arbeitgeber dies in der „History“ gesehen haben soll, informierte er umgehend die Behörden. Wie häufig allerdings solche Suchanfragen sind, konnten die Beamten am eigenen Leib erfahren, als Herr Catalano die Frage, ob er schon Mal nach Schnellkochtopf-Bomben gegoogelt habe mit der Gegenfrage, ob nicht die Männer selbst einmal aus Neugierde danach gesucht hätten, konterte. Immerhin, zwei der sechs mussten es daraufhin kleinlaut zugegeben.

Aufmacherbild: Red Pop Art explosion Splash von Shutterstock / Urheberrecht: meunierd

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